Theater Dortmund und die ETC gegen Ungarns rechtsgerichtete Kulturpolitik
Das Theater Dortmund, seit Herbst vergangenen Jahres Mitglied in dem europäischen Theaterverbund „European Theater Convention“ (ETC), zeigt sich mehr als besorgt über die jüngste Berufung von István Csurka zum Intendanten und György Dörner zum Direktor des Neuen Theaters (Új Színház) durch den Oberbürgermeister Istvan Tarlos.
Das Neue Theater (Új Színház) in Budapest ist unter seinem noch amtierenden Leiter István Márta seit mehreren Jahren Mitglied der ETC. Budapests Oberbürgermeister Tarlos, selbst Mitglied der rechtskonservativen ungarischen Regierungspartei Fidesz, hat vor wenigen Wochen mit Csurka den Chef der rechtsextremen Partei MIEP und mit Dörner ein neues Leitungsteam ernannt, das mehrfach bei Kundgebungen der rechtsradikalen Partei Jobbik aufgetreten ist. Das mehrheitliche Votum einer unabhängigen Kommission, das die Vertragsverlängerung des bisherigen Leiters István Márta vorschlug, wurde aus politischen Gründen zurückgenommen und so der Boden für ein politisch eingefärbtes, nationalistisches und antisemitisches „Heimatfront“-Theater bereitet.
Ende Oktober sagte der deutsche Dirigent Cristoph von Dohnányi einen Gastauftritt an der Budapester Oper ab und begründete seinen Schritt damit, nicht in einer Stadt auftreten zu wollen, "deren Oberbürgermeister die Führung eines Theaters zwei bekannten rechtsradikalen Antisemiten anvertraut hat."


