nach Thomas Vinterberg und Mogens Rukov
Bearbeitung von Alexander Kerlin
Auf dem Landsitz der Familie Klingenfeld-Jansen ist Feststimmung angesagt: Helge, Hotelier und Patriarch der Familie, wird 60 Jahre alt! Zum Ehrentag sind drei seiner Kinder mit Anhang angereist, und zahlreiche Freunde und Geschäftskollegen finden sich ebenfalls in dem Herrenhaus ein. Doch so sehr man sich auch bemüht – eine heitere Feierstimmung kommt nicht auf. Die Ehe des jüngsten Sohnes Michael ist zerrüttet, und Tochter Helene hat zum Entsetzen der Familie ihren neuen Freund Gbatokai mitgebracht. Und über allem schwebt der noch nicht lang zurückliegende Selbstmord der Tochter Linda.
Als der älteste Sohn Christian bei seiner Tischrede vom sexuellen Missbrauch des Vaters an ihm und seiner verstorbenen Schwester spricht, brechen nach und nach alte Wunden auf – von denen die Tischgesellschaft und auch Christians Geschwister jedoch partout nichts hören möchten. Das Fest wird zu einem Tanz auf dünnem Eis: Wer sagt die Wahrheit? Tochter Helene entdeckt einen Abschiedsbrief ihrer toten Schwester, der Klarheit verschaffen könnte…
Thomas Vinterberg und Mogens Rukovs Das Fest machte zunächst Mitte der 1990er Jahre Furore – als erste Verfilmung auf Grundlage des dänischen Dogma-Manifests, das viele Regisseure unterschrieben. Seitdem wurde die Geschichte von zahlreichen Theatern erfolgreich für die Bühne adaptiert und ist inzwischen zu einem modernen Klassiker geworden.
Anlässlich der Neuinszenierung und des 18. Jahrestags von Dogma 95 hat das Dortmunder Produktionsteam um Regisseur Kay Voges nun das DOGMA 20_13 ins Leben gerufen und sich in Anlehnung an ihre dänischen Vorgänger einem ganz eigenen Keuschheitsgelübde verpflichtet. Das DOGMA 20_13 finden Sie auf dieser Seite rechts unter dem Hinweis Downloads - viel Spaß bei der Lektüre!
Besetzung
- Mette, Linda, Köchin: Caroline Hanke
- Christian: Sebastian Kuschmann
- Michael: Björn Gabriel
- Dorthe, Pia: Julia Schubert
- Lars, Onkel, Leif, Koch: Ekkehard Freye
- Helene: Bettina Lieder
- Bent, Gbatokai: Sebastian Graf
- Tante, Michelle: Eva Verena Müller
- Großvater, Großmutter: Uwe Schmieder
- Logenbruder, Kim: Christoph Jöde
- Else: Friederike Tiefenbacher
- Helge: Andreas Beck
- Toastmaster Helmut, Koch: Frank Genser
- Inszenierung: Kay Voges
- Bühne und Kostüme: Pia Maria Mackert
- Dramaturgie: Dirk Baumann, Alexander Kerlin
- Licht: Sibylle Stuck
- Kameraroboter: Mario Simon
- Regieassistenz: Lena Biresch
- Bühnenbildassistenz: Nejla Kalk
- Kostümassistenz: Saskia Seifert
- Kameraassistenz: Roman Paulus
- Sound: Jan Voges
- Inspizienz: Klaus Kudert
- Soufflage: SuSe Kipp
- Regiehospitanz: Nicolas Martin
- Bühnenbildhospitanz: Valerie Seela
- Dramaturgiehospitanz: Alix F. Pittaluga
Pressestimmen
„Eine mitreißende Offensive für das Theater als lebendige Kunst […] Kay Voges und sein Team fordern in augenzwinkerndem Verbalradikalismus nicht mehr die Reduktion der filmischen Mittel, sondern deren vollständige Offenlegung. Es folgt ein mitreißendes Spektakel […] Jeder Szenenwechsel, jeder gefühlte Zoom oder Schwenk muss von den Darstellern gespielt werden. Dies gelingt mit fast schon provokanter Leichtigkeit, ebenso wie der Wechsel zwischen Filmmimik für die Nahaufnahmen und raumgreifender Bühnenpräsenz für Szenen vor der Leinwand.“
Süddeutsche Zeitung, 27. Februar 2013
„Film und Bühne begegnen sich auf Augenhöhe. Es gibt gerade kaum ein so konsequent und überzeugend an einem Thema arbeitendes Theater wie das Dortmunder Schauspiel.“
Die Welt, 5. März 2013
„Was die Dortmunder Theatermacher um Kay Voges versuchen, das ist das Theater nicht als Illusion zu zeigen, so als würden wir durch eine vierte Wand in eine tatsächlich stattfindende Situation hineinschauen […]. Nein, Kay Voges will diese Illusion zugleich aufheben und zerstören. Er zeigt uns auch „Das Fest“ als Film, auf einem großen Schleier. Durch diesen Schleier schauen wir hindurch und sehen dahinter auf der Bühne die Schauspieler, wie sie gefilmt werden von der Kamera, aber auch, […] wie sie möglich machen, dass dieses Filmbild, dass diese Geschichte im Augenblick entsteht. […] Es ist sehr klug dosiert. Immer wieder geht dieser Vorhang auf, wir schauen den Figuren direkt zu, dann kommen wieder Sequenzen, wo Film und Theater sich durchmischen. […] Es ist wirklich ein großartiges Ensemble, was man in Dortmund sehen kann. […] Wirklich ein packender, spannender Abend.“
WDR3 Mosaik, 23. Februar 2013
„Kay Voges hat sich eigene Dogmen für sein Theater der Wahrhaftigkeit geschnitzt. Ein 'mündiges Publikum soll Bilder betrachten und ihnen auf den Grund schauen', heißt es in der Vorrede zu diesem Zwitter aus Bühnenspiel und Live-Video. […] Vorne das Bild, hinten sieht man, wie es gemacht wird. […] Die Form bürgt für einen grandiosen Abend, der keine Sekunde langweilt. Das Ensemble spielt durch die Bank wunderbar. […] Wie die Darsteller vor der Kamera agieren, in Windeseile Kulissen und Requisiten durchreichen und neue Schauplätze aufmachen – das ist großes, pures, pfiffiges Theater. Es gibt keine Schnitte in diesem Live-Film, nur perfekte Anschlüsse. Ein Bravourstück an Timing und Schauspielerführung. […] Theater plus Video war selten spannender. Schlachtfeld Familie: Ein aufwühlendes Thema, schmerzlich gut gespielt, frisch und lebendig auf Bretter und Leinwand gebracht. Bravo. Ein starker Abend - hingehen!"
RuhrNachrichten, 23. Februar 2013
„Voges reflektiert die Geschichte der Geschichte und setzt dem Dogma 95 das ,Dogma 20 _13' entgegen […] Voges lässt das Kino vor den Augen der Zuschauer entstehen. Und das Theater triumphiert dabei, weil es sich auf die elementare Gewalt des Spielens, des Tun-als-ob besinnt. […] In Dortmund ist alles aus Pappe nachgebaut: Braune Graswogen, die Schauspieler hin- und herbewegen. Das Auto als Pappkulisse, das die ,Fahrenden' rütteln. Möbel, eine Hausfassade, sogar das Waschbecken im Badezimmer ist aus Karton, mit blauen Streifen als ,Wasser' (Ausstattung: Pia Maria Mackert). […] In Dortmund zählen die Darsteller doch mehr als die raffinierte Technik. […] Diese 120 Minuten ohne Pause sind in Entwurf und Umsetzung gleichermaßen geglückt, eine Ausnahmeleistung. Großer Beifall.“
Westfälischer Anzeiger, 25. Februar 2013
„Ein ganzer Theatersaal hält den Atem an.“
ruhrbarone.de, 28. Februar 2013












































Kommentare
Das "Fest" war faszinierend! Da wir in der 1. Reihe sitzen war, die Sicht auf den Hintergrund teilweise unzureichend. Aber, diese Art auf einer transparenten Leinwand simultan (und riesig) das Gesicht eines Akteurs w ä h r e n d des Handlungsablaufs im Hintergrund abzubilden, eröffnet irre Möglichkeiten! Die imaginäre Welt (z.B. einer Lady Macbeth) findet (auf einer Folie) im Vordergrund ihren Ausdruck während (vorübergehend, wechselnd?) das Stück in den Hintergrund gleitet...Ebenenwechsel - perfekt gestaltbar, differente Denke kann parallel projiziert werden (2 Kameras)! Diese Technik: Kombination von Live-Video und Bühnenhandlung bietet enorme gestalterische Räume! Weiter so!! Standing ovations!! Eine Schauspiel-(Möglichkeiten)-Revolution!! (Jedenfalls für mich!) [... Anm. d. R.: Informationen für Kay Voges wurden an dieser Stelle rausgenommen und an ihn weitergeleitet]
War gestern in der Premiere: Klasse! Klasse! Klasse!
Sehr bewegend. Trotz der schweren Thematik, eine Leichtigkeit, beeindruckend die Schauspieler und die Umsetzung. Danke
Grandiose Inszenierung - verblüffende Kombination von Film und Theater - tolles Ensemble. Danke an die ganze Companie für diesen Abend!
Für mich das beste Stück der Spielsaison. Das Ensemble hat alles gegeben. Die Idee mit dem Live-Film genial. Die Requisiten und Hintergründe einfach witzig. Das unbequeme Thema (Kindesmissbrauch) mutig aufgegriffen und ergreifend dargestellt. Alles in allem ein kurzweiliger, anspruchsvoller, zeitgemäßer Theaterabend. Das sollte man erlebt und gesehen haben. Klasse! Weiter so ...
einfach toll, absolut sehenswert. unglaublich emotional. so manch ein Zuschauer ging mit Tränen in den Augen. Wenn Theater das schafft ist das Schauspiel einfach gut gemacht. Danke.