Theater Dortmund :: Der Live-Code: Krieg und Frieden im globalen Dorf
  • Rolf Meinecke, Martin Juhls und Daniel Hengst © Birgit Hupfeld
  • Zuschauer © Birgit Hupfeld
  • Martin Juhls © Birgit Hupfeld
  • Rolf Meinecke, Martin Juhls, Tilman Oestereich und Daniel Hengst © Birgit Hupfeld
  • Daniel Hengst und Zuschauerin © Birgit Hupfeld
  • Zuschauer © Birgit Hupfeld
  • Daniel Hengst, Eva Verena Müller (Projektion) und Zuschauer © Birgit Hupfeld
  • Daniel Hengst, Tilman Oestereich, Rolf Meinecke und Zuschauer © Birgit Hupfeld

Der Live-Code: Krieg und Frieden im globalen Dorf

Schauspielhaus Dortmund (Studio)

3 Menschen | 8 Rechner | 5 Beamer | 8 Boxen | 1 Kinect 3D-Kamera || Uraufführung

Ein Theater-Projekt so voll außergewöhnlicher Komponenten, dass die Dreharbeiten mit Schauspielerin Eva Verena Müller im schwarzen 3D-Tracksuit als noch am wenigsten ungewöhnlicher Bestandteil erscheinen. Im Bühnenraum ein Ensemble aus Kabeln und Kameras, Routern und Rechnern – und Menschen: Videokünstler Daniel Hengst, Programmierer Rolf Meinecke und Musiker Martin Juhls haben sich, ihre Geräte und das world wide web zu einem Nervenknoten zusammengeschaltet, in dem die Grenzen zwischen Mensch und Maschine neu untersucht werden.

Alles auf den Spuren jenes Mannes, der als einer der ersten mit aufgeheizten Synapsen seine Gedankenpflöcke im Spannungsfeld zwischen Menschen-Körper und Menschen-Technik einschlug: Marshall McLuhan (1911-1980), genial-exzentrischer „The medium is the message“-Philosoph aus Kanada, der als Begründer der modernen Medientheorie gilt. In seinem Buch Krieg und Frieden im globalen Dorf scheint er bereits 1968 die tektonisch-radikalen Veränderungen der menschlichen Welt in den Dekaden des Informationszeitalters vorauszuahnen: 

„Da die neuen Informationsumgebungen direkte Erweiterungen unseres eigenen Nervensystems sind, haben sie eine viel weitergehende Beziehung zu unserer menschlichen Verfassung als die alte, ‘natürliche’ Umgebung. Sie stellen eine Form der Kleidung dar, die nach Belieben programmiert werden kann. Es ist ganz natürlich, dass sie die evolutionäre Arbeit übernehmen, die Darwin in den Zufällen der Biologie erblickte.“  

Wohin entwickelt sich die menschliche Evolution? Und: Wer hat Zugriff auf die Werkzeuge der Jetztzeit? Und die der Zukunft? 

Im Herzen der multibinären Expedition in die Welt der Codes und Algorithmen: Der Puls der globalen OpenSource-Bewegung. Ihr Vorhaben ist ohne Frage ein epochales: Die technischen Errungenschaften der Menschheit – wichtige Gestalter der Gegenwart – für immer und für jeden frei verfügbar zu halten. Und für jeden veränderbar. Es ist ein Aufruf an Zeitgenossen – aktiver Part der elektronisch-menschlichen Evolution zu sein, statt nur Konsument. Der Appell, am Ball zu bleiben. Die Programmierung der Welt nicht Konzernen und Regierungen zu überlassen.  

Und auch nicht den Zugang zu dem, was derzeit als der wertvollste Rohstoff des 21. Jahrhunderts gehandelt wird – mit dem Potential, das Phänomen Menschsein auf völlig neue Art zu durchdringen und gestalten: Die Zettabytes (eine Zahl mit 21 Nullen) an Daten, von Millionen von Individuen, die sich bereits weltweit auf allen möglichen Speichern angesammelt haben. Und nur darauf warten, dass sich die Algorithmen verbessern, mit denen sie extrahiert, analysiert und genutzt werden können. Von wem?  

Wir danken der Fachhochschule Dortmund - University of Science and Arts, dem Chaostreff Dortmund und dem Studio Hellweg Soest. 

Open Source-Software 

Bitte beachten Sie:
Wir weisen Sie darauf hin, dass es keine Sitzplatzgarantie gibt.
Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Besetzung

Pressestimmen

Wenn man mutig und offen ist und sich die Wörter nicht reimen müssen, ist Der Live-Code im Studio des Dortmunder Schauspiels tatsächlich ein fundamental poetischer Abend. Ein visionär-utopisches Szenario, in dessen Verlauf sich die alte, natürliche Evolution im Sinne Darwins von sich selbst verabschiedet und das der Welt eine neue Evolution verspricht, den in neuronale Systeme gespannten programmierten Neuen Menschen. Welch ein Traum! (...)
Aber was ist das nun, was der Zuschauer in diesem dunklen Raum der rasenden Datenströme, Befehlsketten, farbigen Strichcodes, gitter- und faltenbergförmigen Abbildungen, der pulsenden Grooves, der sprechenden Fischmodelle und der fast real gefilmten sprechenden Schauspielerin erlebt? Er steht, geht, sieht, hört, entziffert. Er ist aufgefordert, sich zurechtzufinden. Er kann den Saal verlassen, aber das wäre wie Heraustreten aus sich selbst. Eine eigene, festgelegte Botschaft vermittelt Live-Code schließlich nicht.
Phasenweise wirkt die Flut der Daten wie ein Tutorial in Sachen DNA plus GPS, angewandte digitale Ingenieurskunst, aber eben Kunst. Dann begreift man, dass es unsere Gefühle sind, die hier kreisen. Momente der Schönheit, zugegeben. Kurz mal Bildflächen wie von Lyonel Feininger, Strukturen wie von Victor Vasarely. Mag man.
Ursuppengeblubber. Doch dann, wenn die Schmerzboten durch die Synapsen wandern, durchs Hirn und zurück, wird die Sache unangenehmer. Am Eingang konnte man Ohrstöpsel mitnehmen. Es wird laut, lauter, eine neuronale Klimax gewissermaßen, die in Sägegeräusche übergeht. OP am offenen Herzen. Und dann doch wieder diese verklärenden Momente, besonders gegen Schluss. Elogen. Körperlose Menschen, Licht in sonnendurchschienenen Körpern, Datenhäuten. Nie endendes Leben? Nach 70 Minuten verlassen die Besucher, das Theater, die Maschine dreht sich weiter.
Wie also sterben?
Westfälische Rundschau, 23. Februar 2013 

„Wir Zuschauer wandeln – Stühle gibt es nur ein paar – zwischen fünf riesigen Leinwänden umher. Gestrandet in einem neuen, unentdeckten Land zwischen Kunst und Technik. Videokünstler Daniel Hengst, IT-Fachmann Rolf Meinecke und Musiker Martin Juhls stehen am Pult bringen mit ihren Laptops Bilder, Videos und Daten auf die Leinwände. Wie ist das Wetter in Japan? Wie setzt sich DNA zusammen? Und die Windgeschwindigkeit in Japan?
,Bitte wenden' sagt eine Stimme aus dem Navi. Steuerbefehle laufen über die Leinwand, die nur ein Ziel haben: ,Erzeuge Baum'. Doch so einfach scheint es nicht zu sein, die Schöpfung nachzuahmen. Der Live-Code nimmt uns wie einst der Disney-Klassiker ,Tron' mit in die ästhetische Welt der Gittergrafiken und Bildschnipsel. Wir begegnen Schauspielerin Eva Verena Müller als kluger künstlicher Reiseleiterin – sie agierte dafür im 3-D-Anzug. Und wir landen in einer nicht ganz echten OP, bei der Platinen aus einem Körper gesäbelt werden. Sind wir auf dem Weg zu Mischwesen aus Mensch und Maschine? Wohin bringt uns die ,neue Evolution'? Was wird aus den Zettabytes (eine Zahl mit 21 Nullen) von Daten, die inzwischen existieren? Der Abend gibt keine Antworten, stellt aber die richtigen Fragen.
Und ist auch für Computer-Dummerchen (wie die Autorin dieser Zeilen) spannend.“
RuhrNachrichten, 23. Februar 2013

"Das Schauspiel Dortmund ist immer wieder für überraschende und neue Formen von Theater gut. Ein gutes Beispiel ist Der Live Code. Videokünstler Daniel Hengst kreierte mit Programmierer Rolf Meinecke und Musiker Martin Juhls ein intermediales Stück um die Frage: Wer hat Zugriff auf die Werkzeuge der Gegenwart? Damit sind Smartphones oder generell Computer gemeint. Denn laut Medientheoretiker Marshall McLuhan sind diese neuen Informationsumgebungen wie Apps oder das Internet Erweiterungen unseres eigenen Nervensystems. Das Studio verwandelte sich in eine Mischung aus einem Science-Fiction-Film, einer Disco, in der elektronische Musik gespielt wird und einer LAN-Party. Auf mehreren Leinwänden flimmerten Videosequenzen oder der Code eines Grafikprogrammes auf, dessen Ergebnisse direkt sichtbar wurden. (...) Wer hat eigentlich die Macht über die Daten und die Geräte? Gehört einem das Smartphone, wenn man es gekauft hat? Nein, so die Künstler. ,Wenn es keine Schrauben hat, gehört es einem auch nicht'; sagt die digitale Stimme von Müller. Das Stück hat eine klare Botschaft: Sei aktiver Konstrukteur und nicht passiver Konsument, wenn du die Zukunft mitgestalten willst und nicht andere über dich und deine Daten bestimmen sollen. Der Live Code ist ein theatergewordenes Open Source-Manifest."
innenstadt-ostblog.de, 23. Februar 2013 

Kommentare

Besler Karl-Heinz, 25. Februar 2013
Hervorragende Umsetzung und Dramaturgie, eine klare Linie bis zum Schluss. Wichtig Dinge anzusprechen, die unser Leben verändern und dessen bewusst zu werden.
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ENDE: 01:10 Uhr

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