Matinee zur Oper von Giacomo Puccini im Opernfoyer
"Da ist Menschlichkeit, da ist Empfindung, da ist Herz", schrieb Giacomo Puccini über den Roman Szenen aus dem Leben der Bohème von Louis Henri Murger. In der literarischen Vorlage von Puccinis wohl bekanntester Oper schilderte Murger Episoden aus dem Quartier Latin, dem Pariser Künstlerviertel der 1830er Jahre, beschreibt Näherinnen und Grisetten und junge Männer, die ihr Künstlerdasein weniger aus Berufung als vielmehr aus Protest gegen die Spießbürgerlichkeit gewählt haben. Das ist allerdings nur auf den ersten Blick amüsant, pittoresk oder gar romantisch. Armut und Kälte, Eifersucht, Streit und auszehrende Krankheit gehören im Leben der Bohème ebenso dazu wie fröhliche Feste, Zechprellereien und wilde Liebesabenteuer.
Puccinis Librettisten konzentrierten sich auf das Schicksal von vier angehenden Künstlern - Maler, Schriftsteller, Philosoph und Musiker -, die sich gemeinsam eine kleine Mansarde über den Dächern von Paris teilen. Sie feiern, hungern, zanken, lachen zusammen und verbrennen auch schon mal ein Manuskript, wenn ihnen das Geld fürs Feuerholz ausgegangen ist. Im Zentrum aber steht die Liebesgeschichte zwischen dem Dichter Rodolfo und der Stickerin Mimì, die nicht nur durch die Tatsache, dass Mimì Schwindsucht hat, von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, sondern auch durch die Unfähigkeit Rodolfos, eine feste Beziehung einzugehen.
"In dem Buch war alles, was ich suche und liebe", begeisterte sich Puccini, "die Frische, die Jugend, die Leidenschaft, die Fröhlichkeit, die verschweigend vergossenen Tränen, die Liebe mit ihren Freuden und Leiden." Und tatsächlich kam die Mischung aus Tragischem und Komischem, aus großer Emotion und detailreichem Lokalkolorit seiner facettenreichen Musiksprache sehr entgegen. In La Bohème schwelgt Puccini im belcantistischen Schmelz, präsentiert geradezu veristische Genreszenen, setzt packende Dramatik neben lyrische Kantilene und schreibt darüber hinaus eine der berühmtesten Opernszenen: Che gelida manina - Wie eiskalt ist dies Händchen.





