• Norma - Trailer - Oper Dortmund
    Norma - Trailer - Oper Dortmund
  • Wen Wei Zhang (Oroveso, Mitte) und Chor <br/>&copy; Bettina Stöß / Stage Picture
  • Miriam Clark (Norma) <br/>&copy; Bettina Stöß / Stage Picture
  • Katharina Peetz (Adalgisa), Mikhail Vekua (Pollione) und Miriam Clark (Norma) <br/>&copy; Bettina Stöß / Stage Picture
  • Miriam Clark (Norma) und Herrenchor<br/>&copy; Bettina Stöß / Stage Picture
  • Miriam Clark (Norma) und Chor<br/>&copy; Bettina Stöß / Stage Picture
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  • Miriam Clark (Norma) <br/>&copy; Bettina Stöß / Stage Picture
  • Miriam Clark (Norma) und Ensemble<br/>&copy; Bettina Stöß / Stage Picture
  • Miriam Clark (Norma) und Chor <br/>&copy; Bettina Stöß / Stage Picture
  • Miriam Clark (Norma) und Mikhail Vekua (Pollione) <br/>&copy; Bettina Stöß / Stage Picture
  • Julia Amos (Clotilda) und Kinderstatisten <br/>&copy; Bettina Stöß / Stage Picture

Norma

Opernhaus Dortmund

Lyrische Tragödie in zwei Akten von Vincenzo Bellini
Libretto von Felice Romani

Im besetzten Gallien zur Zeit Julius Caesars sind die politischen Fronten klar. Die übermächtigen Römer beherrschen das Land und seine Menschen, während die Gallier sich einen Aufstand gegen die Besatzer wünschen, über die nötige Kraft dazu aber nicht verfügen. Doch Gefühle funktionieren nicht wie Politik. Die gallische Druidin Norma hat die Regel gebrochen, sich nicht mit den Eindringlingen einzulassen, und sich in den römischen Prokonsul Pollione verliebt.
Sie hat zwei Kinder mit ihm und spielt ein doppeltes Spiel: Um den Geliebten nicht in Gefahr zu bringen, verbietet sie im Namen des Gottes Irminsul, dessen Prophetin sie ist, jeden bewaffneten Aufstand gegen die römischen Invasoren. Polliones Gefühl für Norma allerdings ist längst abgekühlt, und er dankt ihr ihre Treue, indem er sich in die junge Priesterin Adalgisa verliebt und mit ihr nach Rom fliehen will. Adalgisa vertraut sich ihrer Herrin Norma an, ohne zu wissen, wie tief diese selbst in die Angelegenheit verstrickt ist. Die Gemengelage aus politischen Interessen, Untreue, verletzten Gefühlen, enttäuschter Freundschaft und rasender Eifersucht ist nicht mehr zu entwirren. Blut muss fließen. Die Frage ist nur, wen es trifft. Und nur Norma selbst hat alle Fäden in der Hand.

Der Sizilianer Vincenzo Bellini (1801-1835) gilt als der Komponist, der die von Rossini ausgeschöpfte Form der klassischen italienischen Oper in das Musiktheater der Romantik und des Verismo überführte und durch sein Schaffen die Werke seines Schülers Donizetti, die von Verdi und selbst die frühen Opern Richard Wagners beeinflusste; Wagner äußerte sich überschwänglich über Norma und bearbeitete und dirigierte die Oper selbst.

Besetzung

Pressestimmen

"Belcanto wie Bellinis 'Norma' ist die Luxusdroge der Opernfreunde. In der Dortmunder Oper ist es Luxus, eine so fantastische Sängerin wie Miriam Clark als Norma zu haben. (...) Enrico Lübbes Regie ist subtil, legt wert auf Details. (...) Musikalisch lohnt die Dortmunder 'Norma' unbedingt. Miriam Clark ist eine so fantastische Sängerin in dieser Paraderolle der Callas, dass der Begriff Belcanto (Schöner Gesang) für sie erfunden sein könnte. Wie sie die 'Casta Diva'-Arie betet, die makellose, glasklare Stimme durch alle Register fließen lässt und das Publikum mit ihrem Ausdruck zutiefst rührt, ist ganz große Kunst. Eine Offenbarung. Mikhail Vekua ist ihr Geliebter Pollione. Dass er fürs italienische Fach wie gemacht ist, hört man. (...) Wen Wei Zhang singt mit einem Bass wie ein Fels Normas Vater Oroveso - ebenfalls eine starke Leistung. Katharina Peetz ist Nebenbuhlerin Adalgisa, auch eine schöne Stimme, die in den Duetten gut mit Miriam Clarks Sopran harmoniert. Lancelot Fuhry leitet die Dortmunder Philharmoniker, die flüssig in Bellinis Melodiefest schwelgen."
Ruhr Nachrichten

"Eine herausragende Leistung auch deshalb, weil Clark die Facetten der Figur herausarbeitet: Da gibt es die strenge Priesterin, die ihre Anweisungen beinahe durch die Zähne presst, aber auch die Mondgöttin ('Casta Diva') voller Hingabe besingt. Zu dieser Norma passte Katharina Peetz' Mezzosopran bestens: Als Adalgisa agierte sie ebenso klar wie intonationssicher."
Westfälische Rundschau

 "Enrico Lübbe verlegt die Handlung nach innen und zeigt eine als Geliebte, Mutter und Priesterin katastrophal versagende Frau, der nur noch das Selbstopfer bleibt."
WAZ

Kommentare

Gisbert Heuser, Hamm, 03.Dezember 2011
Ich war gerade (03.12.11) in der Premiere. Es war fast wie früher, musikalisch top, die Sänger/innen blendend, Chor und Orchester stark, die Protagonistin Miriam Clark umwerfend (meine letzte Norma war Edita Gruberova, ich kann vergleichen!). Ich würde gerne noch einige Male reingehen, wenn da nicht diese bescheuerte Inszenierung wäre, wo in einem linken Seitenbild die Fußnoten mit inszeniert werden. Einen Sonderpreis für geschmacklose Kostüme und ein belangloses Bühnenbild würde ich auch noch vergeben. Aber: hohes Lob***** an Lancelot Fuhry und sein musikalisches Team ohne Ausfall.
Gerd Beul, Werl, 06.Dezember 2011
Noch ganz unter dem Eindruck der erst vor einer Stunde zu Ende gegangenen Oper drängt es mich, einige Eindrücke zu Papier zu bringen. Wie gewohnt vermochten die Chöre das Publikum restlos zu überzeugen. Das Orchester gewann nach etwas dünnem Beginn in der Ouvertüre recht schnell an Sicherheit und bestach später durch hervorragende Präzision. Mit der stimmlichen Besetzung hat die Oper Dortmund einen Quantensprung nach vorn getan. Insbesondere die weiblichen Hauptrollen begeisterten solo ebenso wie in den berührenden Duetten. Leider enttäuschte die Inszenierung. Natürlich kann man für alles eine Interpretation auftischen, aber Einheitsräume mit Stühlen sind nicht gerade eine aktuelle Erfindung. Warum Norma im zweiten Akt durchgehend in einem Korsett auftreten musste, wird sicherlich eine tiefgreifende Bedeutung besitzen, die sich mir nur nicht erschließt. Der Schluss mit den den Scheiterhaufen vorbereitenden Benzinkanistern war einfach albern. Somit ertönten am Ende auch beim Auftritt des Regisseurs zahlreiche Buhrufe, zu Recht. Trotzdem hat die Premiere dank des Orchesters und der Akteure auf der Bühne viel Freude bereitet. Der Besuch hat sich gelohnt.
Sebastian Poschadel, 15.Dezember 2011
Mich drängt es auch, meine Eindrücke von gestern (14.12.) zu Papier zu bringen: Es war eine Freude, so gute Sängerinnen (und Sänger) zu hören, die Norma überzeugte voll und ganz, ebenso die anderen Hauptstimmen. Besonders schön finde ich, dass die Stimmen auch so gut zusammen harmonieren: Die Duette und Terzette waren ein Ohrenschmaus und die Arie an den Mond war ein unglaublicher Hörgenuss. Ich schließe mich meinem Vorschreiber an, "dass mit der stimmlichen Besetzung die Oper Dortmund einen Quantensprung nach vorn getan hat". Nicht unerwähnt bleiben sollte der Chor, der wieder einmal grandios gesungen hat. Auch das Orchester überzeugte auf ganzer Linie. Ich kann nur empfehlen, diese Oper in Dortmund zu besuchen, das ist ein echter Gewinn in dieser Saison und ein wirklicher Hörgenuss! Ich hatte vor dem Besuch die Kritiken für die Inszenierung hier gelesen und finde sie nun doch etwas überzogen. Das Bühnenbild ist vielleicht nicht das tollste: Die Idee, den privaten und öffentlichen Raum der Norma zu trennen ist allerdings sehr gut nachvollziehbar. Aber keinesfalls ist das Bühnenbild völlig misslungen, so wie der Eindruck erweckt wurde. Es passt gut zur Grundidee der Inszenierung, auch wenn es sicherlich hier und da etwas schöner hätte gestaltet werden können. Aber wir sind hier in Dortmund und nicht in Basel. Wenn man den Stimmen lauscht, tritt es sowieso ein wenig in den Hintergrund. Bei der Einführung wurde die Bedeutung der verschiedenen Gewänder der Norma erläutert. O.k., auch hier kann man darüber streiten, on die Idee wirklich gut umgesetzt wurde und ein Korsett wirklich sein muss. Aber die Trennung von privatem Raum ("Korsett mit gründem Mantel") und öffentlichem Raum ("Druidenmantel und Perücke") ist auch hier gut nachvollziehbar und sinnvoll. Ich finde nicht, dass Buhrufe zum Ende der Aufführung zu recht ertönt sind. Sicher, man kann über dieses Ende mit Benzinkanistern streiten, ob es sehr geschmackvoll ist, aber der Gesamteindruck der Aufführung rechtfertigt aus meiner Sicht keinesfalls Buhrufe! Es gibt wirklich schlimmere Einfälle auf Bühnen. Der Besuch hat sich wirklich gelohnt und es lohnt sich aus meiner Sicht durchaus, die Vorstellung auch ein zweites Mal zu besuchen.
Peter Dahmen, 15.Dezember 2011
Gestern Abend hatte ich einen phantastischen Abend in der Dortmunder Oper. Ich bin sehr verwundert über die schlechten Kritiken zur Inszenierung. Die anscheinend einhellige Meinung, dass das Bühnenbild, die Kostüme oder die Regiearbeit den Genuss dieses großartigen Opernabends in irgendeiner Weise trüben könnten, kann ich nicht teilen. Ich kann jedem Opernfreund empfehlen, sich "Norma" in Dortmund anzusehen und vor allem anzuhören: Die Solisten, der Chor, das Orchester – alle haben diesen Abend zu einem unvergesslichen, wunderbaren Erlebnis gemacht. Weiter so!
Chrsitan Becker, 06.Januar 2012
Fand die Buh-Salven bei der Premiere absolut gerechtfertigt! Selten eine derart langweilige und einfallslose Inszenierung gesehen. Bühnenbild und Kostüme trugen ihr übriges dazu bei, um einem die letzten Freude an dieser Oper zu vergraulen. Da braucht man sich nicht wundern, wenn die Sitze im Opernhaus leer bleiben!! Einzig auf musikalischer Seite ein kleiner Lichtblick: mein Lob an den Chor und das Orchester. Mein persönliches Fazit: "Norma" in Dortmund - ein riesiger Flop!
Peter L. Farer, 08.Januar 2012
wir haben heute am 8.1. die Norma gesehen/gehört und waren von allen Sängerinnen und Sängern inkl. Chor begeistert. Auch das vorerwähnte Korsett war verschwunden. Gut, wenn man sich Kritik zu Herzen nimmt. Trotzdem müssen wir sagen, daß die Kostüme von Bianca Deigner schlichtweg eine Katastrophe waren. Besonders tat es uns um die hervorragende Miriam Clark leid, daß sie in einem mehr als scheußlichen grünen Bademantel herumlaufen mußte. Auch das wegen der Perücke getragene Kopfnetz war unangenehm entstellend, dabei hat Frau Clark wunderschöne Haare. Trotz allem die gesangliche Leistung aller Beteiligten entschädigt für eine einfallslose Inszenierung durch Enrico Lübbe.
Manfred Wallbrecher, 16.Januar 2012
Nachdem ich 1991 in Dortmund die erste Norma meines Lebens erlebte, gehört sie mit zu meinen Favoriten. Auch die jetzt besuchte Vorstellung am 14.1 war ein Genuß. Zündendes Dirigat, ein herausragender Pollione, Frau Park als Einspringerin für die wohl erkrankte Norma noch suchend in der Rolle, schade, daß ich die von der Kritik so hochgelobte Frau Clark nicht erleben konnte. Regie und Bühnenbild - na ja, ich hätte sie nicht vermißt und ebensogut eine konzertante Aufführung wie 1991 akzeptiert. Die Übertitel sind ja für die Besucher (jedenfalls für mich) ein Segen. Mißlich aber für den Regisseur, wenn der Text nicht mit der Personenführung korrespondiert und besonders der Chor statuarisch agieren mußte statt Emotionen herüberzubringen. Schade, denn gesanglich hat er mir gut gefallen. Deshalb war die Vorstellung für mich auch oft erheiternd, aber das war wohl ga nicht beabsichtigt. Regiemäßig fand ich den grundsätzlichen Handlungsablauf jedoch wieder bis auf den Schluß. Ausgesprochen aufgesetzt und Tagesaktualität suchend. Im Zuge der Einsparungen ist es sicher überlegenswert und Dortmund hat hier vielleicht einen Weg aufgezeigt, indem alle Mitwirkenden (außer Norma) in ihrer Alltags- oder Freizeitkleidung auftreten können. Gefallen hat es mir aber trotzdem nicht. Oder sollten das etwa "Kostüme" gewesen sein? Alles in allem, die Reise von Düsseldorf hat sich gelohnt und ich kann den Besuch wärmstens empfehlen.
johann krammer, 17.Januar 2012
ich war ebenfalls in der aufführung vom 14.1. und kann mich mit den vorrednern nicht identifizieren. ich fand die regie sehr gelungen,unaufgeregt und wohltuend. das bühnenbild gut,die kostüme,weitgehend in ordnung.(das kleid der adalgisa war zwar nicht schön,aber es gibt hässlicheres.am meisten hat mich die hässliche brille des oroveso gestört.) nein,nicht die brille,die ewige "schreierei" von mikhail vekua,hat mehr gestört. am schluss zeigte er,dass er auch ohne zu schreien singen kann. ich werde versuchen,auch eine vorstellung mit fr. clark zu besuchen. hrn. krasznec stimme finde ich wunderbar. ich denke man kann endlich wieder nach dortmund in die oper fahren. wirklich ein schritt nach vorne.
michael glut, 19.Januar 2012
welch wallungen hier! endlich passiert mal wieder was in spießbürgerstadt dortmund. toll, herr lübbe, dass sie eben nicht die ausstattungsoperette hier inszeniert haben, die omi gerne möchte. klar, schlicht, präzise. deswegen geht man in die oper. (und ging eben lange nicht mehr in dortmund). in anderen städten ist das standard (siehe oer essen). dortmund kann froh sein, solche regieteams mal hiergehabt zu haben.
Susanne Flick, 04.Februar 2012
Susanne Flick, 4.02.2012 hier ein weiteres Statement zur Aufführung dieser musikalisch so wundervollen Oper: nachdem wir bereits in Essen "Madama Butterfly" erlitten haben, wo die arme "Japanerin" wie eine Presswurst in einem pinkfarbenen Jogginganzug steckte u. aussah wie Cindy aus Marzahn - u. dabei auch noch rauchend u. Whisky trinkend ihre Arien bewältigen musste, hatten wir auch diesmal tiefstes Mitleid mit der so scheußlich verkleideten Protagonistin in "Norma". Dann der Chor,mit den Herren in nichtssagenden grauen Freizeitanzügen u. den Damen, unvorteilhaft eingequetscht in ebenso farblose Röcke u. Blusen- das hatte einfach gar nichts mit keltischer Kultur u. Geschichte zu tun.Ebenso ernüchernd der flotte Jeanslook des "römischen Feldherrn" u. als Krönung an Hässlichkeit die arme Norma. Ihr gelang es, obwohl ausstaffiert wie eine Schlampe, in Nachthemd u. Secondhand-Persianer, in Ihre berühmten Arien hineinzugleiten u. zu verzaubern.Wirklich bewundernswert! Ich frage mich wirklich,warum wir, als die wenigen Liebhaber der Oper, die noch bereit sind, solche Vorstellungen zu besuchen, so gequält werden. Wir gehörten an diesem Abend mit 50 Jahren zu den Jüngsten. D.h. wir sind diejenigen um die als weiteres Publikum geworben werden sollte. Aber bei einer derart destruktiven Entwicklung dieser Musiksparte fällt es schwer, sich auf weitere Darbietungen einzulassen. Die Oper ist ein musikalisches Märchen für Erwachsene. Für mich bedarf es keiner gesellschaftlichen Kritik oder Aufarbeitung. Dafür gibt es Film u. Theater! Man möchte einfach nur für ein paar Stunden entspannt dem Alltag entfliehen u. eine alte einmalige Kunst genießen. Stellen Sie sich einmal eine Maria Callas in diesem Aufzug vor-einfach undenkbar! Ich bedaure es wirklich zutiefst, dass gerade die weiblichen Darstellerinnen immer mehr gezwungen werden, sich auf hässlichste Weise zu entblößen u. zu demütigen. Ich denke, wer eine Karriere als Opernsängerin einschläg, tut dies aus einer tiefen Liebe zu diesem ganz besonderen Genre der Musik u. nicht um sich mit derart peinlichen u. fantasielosen Verkleidungen zu prostituieren. Was das Bühnenbild betrifft, kann ich mir vorstellen,dass auf Grund ständigen Geldmangels für eine Inszenierung einfache Strukturen gewählt werden; da kann man fast noch mit den ewigen Stühlen leben (seit dem Tanztheater Pina Bausch sind sie ja nicht nur salon-sondern auch bühnenfähig), es wurde zumindest durch eine geschickte Aufteilung der Künstler u. mit Licht u. Schatten eine gewisse Spannung erzeugt. Schlussendlich siegte an diesem Abend die Qualität der musikalischen Darbietung, ob Sänger oder Orchester- ein großes Lob!! Eine große Wehmut bleibt dennoch, wenn man an phantastische Aufführungen denkt, wo man noch eintauchen konnte in eine Welt der optischen u.akkustischen Ästhetik- u. gerade das ist es, was uns allen in dieser hektischen, gnadenlosen Welt ab u. an einmal erlauben würde "die Seele baumeln zu lassen".
Georg Holzer (Chefdramaturg Oper), 07.Februar 2012
Sehr geehrte Frau Flick, vielen Dank für Ihren Kommentar auf unserer Homepage nach dem Besuch unserer "Norma"-Aufführung, auch wenn er nicht schmeichelhaft für uns ist. Es tut mir sehr leid, dass Sie das Theater unzufrieden verlassen haben. Wir wollen uns keineswegs über unser Publikum stellen, sondern den Zuschauern eine hervorragende Aufführung anbieten und sie zur Diskussion stellen. Dass wir in Ihrem Fall nur auf Ablehnung gestoßen sind, ist sehr schade und nicht im Entferntesten unsere Absicht. Vielleicht darf ich einige erklärende Worte zu unserer Inszenierung anfügen. Es ging uns in dieser Aufführung darum, den unauflöslichen Konflikt Normas zwischen ihrer öffentlichen Führungsrolle und ihrem geheimen Privatleben darzustellen. Auch Normas Kostüme sollen die Zerrissenheit der Figur unterstreichen: nicht nur die Trennung von öffentlicher (Lederkleid) und privater (Bademantel) Funktion, sondern durch das Mieder auch ihre Existenz als erotisches Sehnsuchtsobjekt für Pollione (das sie ja zu ihrem Unglück nicht mehr ist). Ich finde, dass diese Kostüme vollkommen richtig und überzeugend gedacht sind. Dass sie Ihnen nicht gefallen, ist Ihr gutes Recht, steht aber auf einem anderen Blatt. Geschmacksfragen muss man von konzeptionellen Überlegungen sauber trennen: Ein "falsches" Kostüm, das der Rolle zuwider läuft, ist ein Fehler der Regie; ein Kostüm, das manchen Zuschauern gefällt und anderen weniger, ist eine Frage des individuellen Geschmacks. Übrigens ist die Sängerin auch nicht gegen ihren Willen in ein Kostüm gesteckt worden, sondern hat sich von den Ideen des Regisseurs zum Stück überzeugen lassen. Das Bühnenbild kommt Ihnen ärmlich vor, aber das ist auch gemeint: Immerhin handelt es sich bei Normas Stamm um eine Gruppe von Menschen, die seit Jahren unter einer bedrückenden Fremdherrschaft leidet. Diese Situation spricht nicht für ein besonders prächtiges Ambiente. Natürlich kann man über manche optischen Details verschiedener Meinung sein, aber auch da sind wir schnell wieder bei Geschmacksfragen, und die lassen sich für mehrere hundert Zuschauer pro Abend eben nicht einheitlich beantworten. In einem Punkt muss ich Ihnen aber entschieden widersprechen: Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Oper keine Zukunft hat, wenn wir uns nicht mehr die Frage stellen, was die alten Werke für uns heute noch bedeuten können. Wir haben in der Figur der Norma eine Frau gefunden, die einen sehr verbreiteten und oft unlösbaren Konflikt erlebt, den der Vereinbarkeit von öffentlicher Rolle und privatem Leben. Ich gebe zu, dass mich ein solcher Konflikt mehr interessiert als das Leben der Kelten vor 2000 Jahren. Dafür hat sich übrigens auch Bellini nicht besonders interessiert: Er wollte das Seelenleben einer Frau in Musik fassen, und wir wollten in unserer Aufführung Bilder dafür finden. Für mich hat die Oper nicht nur die Aufgabe, ein paar gemütliche Stunden zu bereiten, sondern auch, mich zum Nachdenken anzuregen und in alten Stücken ewige Fragen und manchmal sogar Antworten zu finden. Auch wenn ich Sie nicht dazu bringen kann, Ihre Meinung über unsere Aufführung zu ändern, hoffe ich doch, dass Sie uns zugestehen, dass wir uns Gedanken machen und sehr genau und sorgfältig mit den Stücken umgehen, die wir in der Dortmunder Oper zeigen. Ich hoffe, Sie können schon bald einen Opernabend bei uns genießen, aus dem Sie zufrieden hinausgehen. Herzliche Grüße aus dem Opernhaus!
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25.Februar 2012

Beginn: 19:30 Uhr

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