Wiederaufnahme
gÖtterdÄmmerung
„Zurück vom Ring“ sind die letzten Worte, die im „Ring des Nibelungen“ gesprochen werden. Hagen stößt sie hervor, während er gierig den Rheintöchtern hinterher eilt, die das Gold wieder in die Tiefen des Rheins und damit in einen unschuldigen Zustand zurückführen werden. Er bezahlt diese Gier mit dem Leben. Überhaupt scheint Wagners Akteure am Ende des monumentalen Weltendramas eine Welle der Selbstauslöschung zu ergreifen –Siegfried und Brünnhilde werden zu Opfern der Machtbesessenheit ihrer Feinde, Wotan und mit ihm die Götter finden ein ersehntes Ende. So wie die weissagenden Nornen zu Beginn der „Götterdämmung“ das Ende ihres Wissens feststellen müssen, so geht mit den Handelnden auch eine ganze Gesellschaft unter. Doch in dieses Szenario von Tod und Vernichtung stellt Wagner einen utopischen Gedanken, den er nur der Musik anvertraut. Er schlägt einen weiten Bogen zurück zu den Anfängen des „Rings“ und stellt die Frage, ob mit der Liebe ein Element existiert, welches mächtiger als Hass und Machtgier sein kann.
Nachdem Richard Wagner im Juni 1857 die kompositorische Arbeit an „Siegfried“ zugunsten der vermeintlich leichter aufführbaren Oper „Tristan“ für acht Jahre unterbrach, dauerte es insgesamt volle 17 Jahre, bis er 1874 auch den letzten Teil der Tetralogie vollenden konnte. Die Erfahrung mit „Tristan und Isolde“ war ausschlaggebend dafür, dass mit der „Götterdämmerung“ der musikalisch dichteste und reifste Teil des „Rings“ entstand. Unter größter internationaler Beachtung fand 1876 im Rahmen der ersten Bayreuther Festspiele die Uraufführung statt.
musikalische leitung: Michail Jurowski
inszenierung: Christine Mielitz
bühne und kostüme: Stefan Mayer
choreinstudierung: Granville Walker
siegfried Jürgen Müller, gunther Simon Neal, hagen Vidar Gunnarsson alberich Bart Driessen, brünnhilde Jayne Casselman, gutrune Johanna Kibala, waltraute Maria Hilmes / Ji-Young Michel, 1. norn Ji-Young Michel, 2. norn Maria Hilmes, 3. norn n.n., woglinde Julia Novikova, wellgunde Maria Hilmes, floßhilde Franziska Rabl
Pressestimmen:
DER DORTMUNDER RING VOLLENDET!
Wagners Tetralogie, für deren Uraufführung – erstmals in der Kulturgeschichte Europas – ein eigenes Opernhaus (Bayreuth) errichtet wurde, ist ein riesiger Exkurs über Gier und Verzicht, Natur und pervertiertes Streben nach Macht und Selbstinszenierung. „Wagners Tetralogie führt uns in eine Umbruchszeit. Die alte Welt der Götter geht zu Ende. Die Menschen wissen nicht mehr, was Recht und was Unrecht ist. Nichts ist mehr klar und eindeutig. Aber da sind noch die Stimmen der Natur, die Rheintöchter, der Waldvogel. Wagner lässt sie zu Figuren werden, Symbole für ein Recht, das unabhängig ist von in Worten gefasste Judikatur. Es sind die Stimmen, die den Menschen an seinen Ursprung in der Natur erinnern. Auf unsere brennenden Fragen gibt die andere Seite des Menschen Antwort. Wagner, dieser Thomas Mann der Musik, sprengt mit seinem Werk den Rahmen des Herkömmlichen. Die Fragen, die er im ‚Ring’ stellt, verlassen das Konforme und verweisen uns zurück auf uns selbst.“
Christine Mielitz stellt mit ihrer Deutung von Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ in der Ausstattung von Stefan Mayer und unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Arthur Fagan einmal mehr die Leistungsfähigkeit und das hohe künstlerische Potential des Dortmunder Musiktheaters unter Beweis.
Die Realisierung von Wagners „Ring“ ist in Dortmund einer Starbesetzung anvertraut. In der Rolle der Brünnhilde ist Jayne Casselman zu erleben. Über die gebürtige Amerikanerin, die an renommierten Opernhäusern in Barcelona, Rom, Neapel, Genf, Bordeaux, Montpellier, Köln, Düsseldorf, Mannheim, Saarbrücken, Essen, Dortmund, Innsbruck, Budapest und in Philadelphia gastiert, urteilt die Presse: „Die Brünnhilde trägt sie mit Gänsehautfaktor vor.“
Gleich drei Wotans sind in Dortmund zu erleben: Wolfgang Koch interpretiert den Göttervater in „Rheingold“, Phillip Joll in „Die Walküre“ und Bela Perencz den Wanderer in „Siegfried“. Als das liebende Zwillingspaar Siegmund und Sieglinde beschwören Edward Randall und Elena Nebera den Wonnemond, dem die Winterstürme wichen. Stefan Owen und Simon Neal geben Alberich in „Rheingold“ und „Götterdämmerung“. Annette Seitgen gibt Fricka in „Rheingold“ und „Walküre“. Für seine Interpretation des Mime wurde das Dortmunder Ensemblemitglied Jeff Martin von Publikum und Presse hochgelobt. Jürgen Müller ist Siegfried. Die Kritiker fanden nur ein Wort für seine Interpretation des jungen Helden: „Bravourös!
Über die Premiere der „Götterdämmerung“, mit der sich der Dortmunder „Ring“ rundete, zeigte sich die Presse begeistert: „Regie und Ausstattung wenden über alle vier Abende Verfahren der Verweise und Verknüpfungen an, die fast der Wagnerschen Leitmotivik in der Musik entsprechen. Es ist eine große Linie vom Göttlichen zum Menschlichen erkennbar.“ (onruhr.de)
„Vom Publikum zurecht gefeiert werden die hochdramatische und ausdrucksstarke Brünnhilde der Jayne Casselman sowie der bis zuletzt unangestrengt zu heldentenoralem Glanz findende Jürgen Müller als Siegfried. Überzeugende Rollenportraits liefern aber auch Vidar Gunnarsson (Hagen), Simon Neal (Gunther) und Johanna Kibala (Gutrune). Die Dortmunder Philharmoniker unter Arthur Fagen stehen den fünfeinhalbstündigen Abend mit Bravour durch.“ (Ruhr Nachrichten)
„Die ‚Götterdämmerung’ ist eine starke Deutung des Weltenbrandes und übertrifft Tankred Dorsts Bayreuther Unversuch bei weitem. Das Ende wird dekadent zu Beginn des dritten Aktes eingetanzt. Da geht’s nicht zur Jagd. Da drehen sich Paare in ihren plakativen Kostümen zur Hochzeit von zwei Zwangsgemeinschaften. Gutrune und Siegfried. Gunther und Brünnhilde. Betrogene und Betrüger. Eine traurige Gesellschaft. Dass Christine Mielitz – um ein Beispiel zu nennen – eine sonst so blasse Figur wie Gunther endlich mal vitalisiert und ihr einen profilierten Charakter gönnt, zeigt, dass hier viel Detailarbeit geleistet wurde. GMD Arthur Fagen gönnt seinem Wagner Raum und sorgt als Sängerfreund für eine filigrane, dabei leuchtende und motivisch erhellte Klanggrundierung. Er vermag, große Bögen auszuformen. Das Dortmunder Orchester musiziert diese Riesenpartitur durchweg genau, farbig und inspiriert. Der Chor Granville Walkers singt nicht nur souverän, er spielt auch ambitioniert.” (Westdeutsche Allgemeine Zeitung)
„Mielitz fordert von allen Personen leidenschaftliche Gestik. Der blasse Gunther darf sich hier temperamentvoll in den Vordergrund spielen (Simon Neal mit ausladender Stimme), Gutrune (Johanna Kibala) entwickelt eine ganz eigene Komik. Waltraute (Ji Young Michel) klagt vor Brünnhilde mit leidvollem Timbre. Alberich (Bart Driessen) appelliert heftig an seinen Sohn Hagen (Vidar Gunnarsson). Die Nornen und Rheintöchter bewähren sich ‚raumgreifend’.“ (Westfälische Rundschau)
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