premiere | 7. November 2009
carmen
Carmen – ewiger Mythos. Von Georges Bizet bis Carlos Saura reicht die Auseinandersetzung mit jener Skandalnovelle, mit der der französische Romancier Prosper Merimée Anfang des 19. Jahrhunderts ein neues Weiblichkeitsbild entwarf. Carmen – Vamp, Femme fatale, Projektionsfläche von kollektiven Wunsch- und Angstträumen, Verkörperung der Sinnlichkeit und erotischen Urkraft, fleischgewordene Leidenschaft und Opfer zugleich.
"Mehr als einmal hab' ich im Kaffeesatz gelesen, dass unsere Liebe für uns beide das Ende bedeute." (aus Prosper Mérimée: Carmen)
Für den katalanischen Choreographen Cayetano Soto wird das tradierte Carmen-Bild zur Hüllkurve einer vielschichtigen Auseinandersetzung über Freiheitsbegriffe,Lebensentwürfe und ihre Kollisionen in der zwischenmenschlichen Kampfzone. Ausgangspunkt seiner Deutung ist nicht Carmen, Kunstfigur und Ikone der Weiblichkeit, sondern ihr Land, unter dessen sengender Sonne Leidenschaften Leiden schaffen. Spanien, emotionaler Schmelztiegel, ist für ihn die Schnittstelle von Traditionen und Ausbruchsphantasien, Biotop von betäubenden Sinnesräuschen und melancholischer Klarheit.
Soto verbindet in seinen Arbeiten klassisches Ballett mit Akrobatik. Bewegung ist für ihn eine Sprache jenseits des Sagbaren. Jedes ihrer Worte ist geschaffen für Geständnisse der Liebe und der Schuld. Jeder ihrer Sätze schneidet ins Herz.