Geschichte

- Theater Dortmund im Jahr 1913

- Luftaufnahme aus den 1960er Jahren
Vom Provisorium zum modernen Theater
Wann es die ersten Theateraufführungen im alten Dortmund gab, verliert sich im Dunkel der Geschichte. Mittelalterliche Fastnachtsspiele, Mysterienspiele in und vor den großen Stadtkirchen zu den hohen Feiertagen: Das alles ist für die alte Reichsstadt belegt. Demgegenüber nehmen sich die mittlerweile über 100 Jahre des heutigen Theater Dortmund eher gering aus: Es war der 17. September 1904, als das alte Stadttheater eröffnet wurde, der Beginn einer neuen Ära. Mit der Eröffnungspremiere von Richard Wagners „Tannhäuser“ im Theater am Hiltropwall war die Zeit der Provisorien endgültig vorbei. Bis dahin hatten Theater- und Konzertaufführungen des bereits 1887 gegründeten Philharmonischen Orchesters im sogenannten „Kühn’schen Saal“ und anderen Mehrzwecksälen stattgefunden. Jetzt gab es erstmals ein richtiges Theater mit moderner Maschinerie, Orchestergraben und fast 1200 Sitzplätzen. Und das, obwohl die Stadt damals erst knapp 200.000 Einwohner zählte.
Engagement – ein wichtiger Baustein
Bereits 40 Jahre zuvor hatten sich engagierte Dortmunder für den Bau eines eigenen Theaters stark gemacht. Männer wie Albert Hoesch, Heinrich Böhmke oder Friedrich Denninghoff waren der Meinung, dass Dortmund nicht nur Wirtschafts-, sondern auch Kulturstandort werden müsse. Sie sammelten Geld für einen Theaterneubau, der jedoch nicht realisiert wurde. Erst als 1899 etwa 500 Dortmunder Bürger ihren Staatseinkommensteuersatz für einen Theaterbau zur Verfügung stellten, rückte das Ziel näher: Der erste Spatenstich erfolgte am 1. Juli 1902. Es war der 17. September 1904, als das vom Architekten Martin Dülfer entworfene Haus am Hiltropwall mit Richard Wagners „Tannhäuser“ eröffnet wurde. Jubel in den damaligen Medien, eine ausverkaufte Festaufführung und dann? Die zweite Aufführung im neuen Theater, immerhin Schillers „Wilhelm Tell“ verzeichnet die Chronik als „brechend leer“. Am Ende der ersten Saison lag die durchschnittliche Platzausnutzung bei etwa 50 Prozent.
Das „Westfälische Bayreuth“
Allerdings steckten die Dortmunder Theaterschaffenden den Kopf nicht in den Sand, auch nicht, als die kurze Theaterehe zwischen Essen und Dortmund 1907 in die Brüche ging. Sie packten an, setzten Schwerpunkte im Musiktheater mit Richard Wagner und Richard Strauss. Schließlich strömten die Besucher in Scharen. Manche sprachen gar vom „Westfälischen Bayreuth“. Was Qualität und vor allem auch die Anzahl der Wagner-Inszenierungen bis in die jüngere Zeit betrifft, sicher keine lokalpatriotische Übertreibung. Und Strauss? Der „Rosenkavalier“ stand in Dortmund bereits 1911 auf dem Spielplan, kurz nach der Dresdner Uraufführung. Mit dem Rosenkavalier wurde nicht nur 1966 das heutige Opernhaus unter Generalmusikdirektor Wilhelm Schüchter eröffnet, die zeitlos-elegante Komödie für Musik erklang auch zum 75jährigen Bestehen des Hauses.
Immer im Blick: das Zeitgeschehen
Aktuelle Kunst hat hier immer eine Rolle gespielt, wie die verstärkte Hinwendung zum zeitgenössischen Theater unter Intendant Richard Gsell zeigt, der ab 1927 ein neues Schauspielerensemble aufbaute. Nach dem 2. Weltkrieg gelang es dem Schauspiel, seine Kontur mehr und mehr zu schärfen. So gab es unter dem Intendanten Paul Walter Jacob (1950-1962) zahlreiche deutsche Erstaufführungen. Programmatisch angelegte Wochen des Gegenwartstheaters oder verschiedener europäischer National-Theater nahmen breiten Raum ein. Seit dem Umzug des Schauspiels ins umgebaute Nachkriegs-Opernhaus am Hiltropwall 1968 hat die Sparte ein eigenes Haus mit zwei Spielstätten.
Die jungen Zuschauer
Auf eine lange Tradition zurückblicken kann auch das Kinder- und Jugendtheater. Als erstes Theater in Westdeutschland, das sich ausschließlich an das junge Publikum wendet, wurde es bereits 1953 gegründet und feierte 2003 sein 50jähriges Jubiläum.
Vier Jahre dauerte es, bis im Mai 2008 die erste eigens für Kinder erbaute kleine Opernhaus gleich neben dem Schauspielhaus mit 92 Sitzplätzen eröffnet werden konnte. Seitdem ist fast jede Vorstellung in der Kinderoper ausverkauft.
Hohe Zufriedenheit des Publikums
Das Theater Dortmund mit seinen mittlerweile fünf Sparten Musiktheater, Ballett, Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater sowie Konzert genießt hohes Vertrauen und sehr hohe Zufriedenheit seines Publikums mit der künstlerischen und programmatischen Qualität. Dies ergaben verschiedene umfangreiche Besucherumfragen, die 2008 in Zusammenarbeit mit dem IKMF Institut für Kultur-Markt-Forschung aus Berlin durchgeführt wurden. Das Theater Dortmund wird als wichtiger Standortfaktor gesehen, der die Stadt wesentlich aufwertet – auch über die Region hinaus. Ein schönes Kompliment.

