125 Jahre Dortmunder Philharmoniker

1887 - Geburtsstunde des Orchesters  

Entstanden ist das Dortmunder Orchester durch eine Fusion des bereits 1880 gegründeten „Orchestervereins“ und der Kapelle von Franz Giesenkirchen, die nach seinem plötzlichen Tod im Jahre 1887 ohne musikalischen Leiter dastand. Der 26jährige Georg Hüttner wurde zum neuen Dirigenten gewählt und gab seinen Konzerteinstand am 6. Oktober 1887, dem offiziellen Geburtstag der modernen Dortmunder Orchesterkultur. Das Programm war ein Kompromiss zwischen gehobener Unterhaltung und anspruchsvollerer sinfonischer Virtuosität der Spätromantik: Neben Giuseppe Verdi, Franz Schubert und Franz Liszt wurden auch Stücke von Vincent Wallace, Ambroise Thomas und Ludwik Grossman dargeboten.

Georg Hüttner (1887 – 1919 1. Dirigent des Dortmunder Orchestervereins)

Als erster Dirigent des damaligen Dortmunder Orchestervereins wurde der Oberfranke Georg Hüttner 1887 zum prägenden Fundament des Dortmunder Musiklebens. Der junge Orchestererzieher und Publikumspädagoge setzte sich zielstrebig für die Verbesserung der musikalisch-technischen Leistungen seiner Musiker ein und bewirkte gleichzeitig die Etablierung eines anspruchsvollen wie auch unterhaltsamen Programms. Der ursprüngliche „Dortmunder Orchesterverein“ wurde 1893 zur „Hüttnerschen Kapelle“ und 1897 schließlich zum „Philharmonischen Orchester“ umbenannt. Zwar waren nach wie vor nur etwa 40 Musiker fest beschäftigt, doch hatte diese Aufwertung die Bindung des Orchesters an die Stadt und den Zufluss öffentlicher Subventionen zur Folge.

Wilhelm Sieben (1920 – 1951 städtischer Musikdirektor)

Wilhelm Sieben übernahm in seinem 31-jährigen Engagement als städtischer Musikdirektor in Dortmund auch die Leitung der beiden großen Oratorienchöre – des Musikvereins und des Lehrergesangvereins. Neben den großen Klassikern wie Haydn, Mozart und Beethoven und den längst anerkannten Romantikern wie Mendelssohn, Schumann, Liszt, Wagner, Bruckner, Reger und Strauss wurde durch die Vergrößerung des Orchesters die Einbeziehung aufwendigerer Sinfonien und Orchesterlieder-Zyklen ins Programm, zum Beispiel eines Gustav Mahlers, ermöglicht. Siebens Vielfalt als Konzertdramaturg zeigte sich außerdem in seinem Streben nach einer „gemäßigten Moderne“ mit behutsam dosierten Erstaufführungen von Kompositionen eines Paul Hindemith oder eines Ernst Toch, wie auch die Pflege der barocken Orchestermusik von Bach und Händel.

Rolf Agop ( GMD 1952 – 1962)  

Neben seinem Engagement in der Oper, lag Rolf Agops Hauptverdienst im pädagogischen Bereich. So etablierte er regelmäßige Konzertreihen für die Jugend und führte neue Werke konsequent in die sinfonischen Hauptkonzerte ein. Zahlreiche Orchesterkompositionen der großen Vertreter einer schon klassischen Moderne (Bartók, Strawinsky, Schönberg, Hindemith) kamen zu überfälligen Erstaufführungen und Werke lebender Komponisten hörte man öfter als zuvor. 15 Uraufführungen und sechs deutsche Erstaufführungen sind unter anderem der statistische Beleg für diese Konsequenz. Zusätzlich förderte Agop seine Musiker gezielt durch solistische Aufgaben, zahlreiche Kammermusikabende und Gastspiele, beispielsweise in Bayreuth.

Wilhelm Schüchter (1963 – 1974)  

Kaum ein anderer Dirigent ist dem Dortmunder Publikum so im Gedächtnis geblieben wie Wilhelm Schüchter. Als „musikalischer Zuchtmeister“ und „Alleinherrscher über Konzert und Musiktheater“ brachte er das Dortmunder Orchester – nun als höhergestuftes „A-Orchester“ mit 96 Musikern – zu Höchstleistungen. Die Eröffnung des Großen Hauses für die Oper am 3. März 1966 mit Richard Strauss‘ „Rosenkavalier“ wurde beispielsweise zum Glanzpunkt der Dortmunder Orchester- und Bühnengeschichte. Schüchter gelang es, für diesen Anlass internationale Sängerprominenz – u.a. Elisabeth Grümmer, Kurt Böhme, Anneliese Rothenberger – zu gewinnen. Fortan wurden die Dortmunder Inszenierungen auch in überregionalen Fachzeitschriften viel beachtet. Und fast übereinstimmend wurde in den Rezensionen der Opernpremieren immer wieder auf die homogenen Leistungen der Philharmoniker hingewiesen. In Erinnerung ist auch Schüchters Kampf gegen die Einsparungen in den Krisenjahren 1972-74 geblieben. Seinem unermüdlichen Engagement und dem solidarischen Protest aller Theaterangehörigen ist es zu verdanken, dass der Zuschauerzulauf sogar noch zunahm. Die Erfolgswelle nahm allerdings ein tragisches Ende: durch Komplikationen nach einer Knie-Operation verstarb Wilhelm Schüchter am 27. Mai 1974.

Marek Janowski (GMD 1975 – 1979)  

Marek Janowski setzte sich ausdrücklich für bewährte Werke der Moderne in Konzert und Oper ein. So bot das Dortmunder Orchester unter Janowskis Leitung Erstaufführungen von Arnold Schönberg, György Ligeti, Witold Lutoslawski und Bernd Alois Zimmermann; hinzu kamen die klassische Moderne von Strawinsky und Bartók, wie auch die konsequente Pflege des sinfonischen Werks von Gustav Mahler. Die Treue und das wachsende Interesse des Publikums spiegelte sich in den Zuschauerzahlen wieder: ab der Saison 1977/78 fanden die zehn philharmonischen Konzerte jeweils dreimal im vollbesetzten Großen Haus statt. Eine Neuerung unter Marik Janowski waren die konzertanten Aufführungen von Opern im Rahmen der Philharmonischen Konzerte. Webers „Euryanthe“, Richard Wagners „Rienzi“, Mozarts „Titus“ und Schumanns „Szenen aus Goethes Faust“ – alles auf der Bühne heute kaum noch realisierbare Werke – folgten in den Jahren bis 1979.

Hans Wallat (GMD 1980 – 1985)  

Bis zu seinem Vertragsende 1985 blieb Hans Wallat seiner „erfolgreichen Mischung von Bewährtem, weniger Vertrautem und gelegentlichem Einstreuen aktueller Musik“ als Leitlinie der philharmonischen Programme treu. Neben dem klassisch-romantischen Schwerpunkt, wird die klassische Moderne mit Werken von Gustav Mahler, Anton Webern, Paul Hindemith und Sergej Prokofjew ebenso programmiert wie Werke von Aaron Copland, Karol Szymanowski und – als „härtesten Brocken „ für die Hörer – Arnold Schönbergs Orchestervariationen op. 31. Wallats persönlicher Schwerpunkt lag allerdings in der Oper. Zusammen mit Generalintendant Paul Hager wurde die Pflege der großen Wagner- und Richard-Strauss-Opern ein bleibendes „Markenzeichen“ des Dortmunder Musiktheaters, dessen musikalische Säule stets das Orchester blieb. Zu Hans Wallats 75. Geburtstag veranstaltete das neu erbaute Konzerthaus Dortmund unter der Regie seines Gründungsintendanten Ulrich Andreas Vogt in den Jahren 2003 und 2004 einen vielbeachteten „Wallat-Ring“, eine halbszenische Aufführung des Ring des Nibelungen mit internationaler Solistenbesetzung und den Philharmonikern. Der Wagner-Spezialist hat insgesamt über 90 Ring-Zyklen dirigiert und gilt als einer der kenntnisreichsten Interpreten der Tetralogie.

Klaus Weise (GMD 1985 – 1990)  

Dem Dortmunder Publikum ein alter Bekannter nahm sich Klause Weise unermüdlich den Kinder- und Jugendkonzerten an, die er zum Teil nicht nur selber leitete, sondern auch als berufener Konzertpädagoge moderierte. Klaus Weise setzte in seinen Konzertprogrammen neue Impulse: so wurden dem großen Publikum der zehn philharmonischen Dreifachabende neue und weniger populäre sinfonische Kompositionen, zum Beispiel Werke der Zeitgenossen Friedhelm Döhl, Gerhard Wimberger und Alfred Schnittke, vorgestellt. Ein neuer Mozart-Klavierkonzert-Zyklus von vier Sonderkonzerten pro Saison wurde ebenfalls zum Publikumserfolg; weitere Mozartwerke und die Lesung von Mozartbriefen durch prominente Fernsehsprecher und Schauspieler waren ein entscheidender Anreiz in diesem Konzept. Nach Klaus Weises Weggang aus Dortmund blieb der Posten des Generalmusikdirektors zunächst unbesetzt, sodass zumindest für den Übergang eine schnelle Lösung gefunden werden musste. Als „musikalischer Supervisor“ der Konzertreihen des Orchesters fand sich Siegfried Köhler, Chefdirigent der Königlichen Oper Stockholm, bereit, die Programme zu disponieren und am Ende der Saison auch einige Konzerte zu dirigieren.

Moshe Atzmon (GMD 1991 – 1994)  

Als reiner Konzertdirigent feierte Moshe Atzmon seine größten Erfolge außerhalb des Musiktheaters. Beispielsweise seine Interpretation von Beethovens „Eroica“ wurde 1991 vom Dortmunder Publikum umjubelt. Ein weiteres Highlight in Atzmons GMD-Zeit war das Benefizkonzert „Hiroshima 93“, mit dem als neue Initiative des Orchesters eine größere Hilfsaktion für die Strahlenopfer von 1945 eingeleitet wurde.

Anton Marik (GMD 1996 – 2000)  

Anton Marik vollendete 1994 mit der „Götterdämmerung“ die auch überregional vielbeachtete Dortmunder Neufassung des vierteiligen „Ring des Nibelungen“. Die zweimalige Gesamtaufführung des Aufführungszyklus unter Mariks musikalischer Leitung wurde zur Krönung einer mehrjährigen Arbeit auch für den Regisseur Heinz Lukas-Kindermann und den Intendanten Horst Fechner. Im Juni 1996 wurde das Orchester als Friedensbotschafter tätig: sieben Musiker traten zu einer Konzertreise nach Japan an, um in Hiroshima und Tokio mit 50 Kolleginnen und Kollegen aus japanischen Orchestern für die Strahlenopfer von Hiroshima zu spielen. Außerdem überreichten sie einen Scheck über 35000 Mark – der Erlös der CD-Aufnahme des Hiroshima-Konzerts vom Juni 1993 im Dortmunder Opernhaus.

Arthur Fagan (GMD 2002 – 2007)  

Arthur Fagans guten internationalen Kontakten war es zu verdanken, dass die Dortmunder Philharmoniker unter seiner Leitung im Großen Festspielhaus Salzburg, im Concertgebouw Amsterdam, im Théatre de la Monnaie Brüssel gastierten. Als Tournee-Höhepunkt der Spielzeit 2006/2007 erwies sich das erste außereuropäische Gastspiel: In China, darunter in Peking und Shanghai, absolvierten die Dortmunder Philharmoniker gefeierte Konzerte. Am 13. September 2002 eröffnete Arthur Fagan das gerade fertiggestellte und international beachtete Konzerthaus Dortmund, die Philharmonie für Westfalen, mit großem Erfolg. Dieser neue, akustisch hervorragende und hochgelobte Konzertsaal bietet den Dortmunder Philharmonikern die seit langem gewünschte Möglichkeit, ihr Potential, ihr Engagement und ihre musikalische Vielfalt vital erlebbar zu machen.

Jac van Steen (GMD 2008-2013)  

Schon kurz nach seinerm Amtsantritt zeigte sich, dass Jac van Steen mit seiner künstlerischen Arbeit den Dortmunder Philharmonikern neue, qualitative hochstehende Impulse gab. So konnte van Stehen in der Oper z.B. an die große Wagner-Tradition seines Vorgängers Hans Wallat anknüpfen, ebenso gefeiert wurde er in Aufführungen mit Musik von Puccini, Strawinsky oder Verdi. Im Konzertwesen hat es van Steen von Anbeginn seiner Tätigkeit ebenso verstanden, das Publikum zu begeistern, was sich nicht zuletzt auch in steigenden Besucherzahlen manifestiert hat. Ob durch seine große Integrationskraft, die in verschiedenen Projekten sowohl mit Dortmunder Chören als auch auswärtigen wie etwa dem Leeds-Chorus der Dortmunder Partnerstadt zum Ausdruck kam, ob durch die legendäre Aufführung des War Requiem mit dem CBSO-Chorus oder die hochkarätigen CD-Einspielungen, ob durch seine ausgefeilten Programmierungen, in denen er – die künstlerischen Abenteuer eines Rolf Agop oder Wilhelm Schüchter aufgreifend – das traditionelle sinfonische Gut mit Perlen der unbekannteren Orchesterliteratur geschickt zu verbinden weiß, ob durch seine offene, kommunikationsfreudige Art, mit der er innerhalb, aber auch außerhalb des Konzertsaals auf sein Publikum zugeht – all dies macht Jac van Steen sicherlich zu einem der hochgeschätzten Künstler in der langjährigen Geschichte der Philharmoniker, deren Jubiläumsspielzeit zum 125-jährigen Bestehen die Krönung seiner Dortmunder Amtszeit bildete. 

 

Mit Beginn der Spielzeit 2013/14 übernimmt Gabriel Feltz das Amt des Generalmusikdirektors. 

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