Akademie für Theater und Digitalität

Liebe Community,

(c) Sofia Brandes & Max Slobodda

Theater ist Werkstatt. Theater ist Forschung. Theater ist Zukunft.

Die Akademie für Theater und Digitalität begreift sich als Labor für die Verknüpfung von künstlerischer Praxis mit technischer Innovation – ein Raum, in dem digitale und hybride Theaterformen nicht nur gedacht, sondern praktisch erprobt und weiterentwickelt werden: als Ort des Experimentierens, des kritischen Hinterfragens und des kreativen Fortschritts. 

In einer Zeit, in der digitale Technologien längst integraler Bestandteil künstlerischer Prozesse sind, stellt sich nicht mehr die Frage ob, sondern wie wir sie sinnvoll nutzen: Wie können immersive Medien, KI-gestützte Dramaturgie oder interaktive Performances neue Erzählräume schaffen? Welche Rolle spielen hybride Bühnenformate für das Theater der Zukunft? Und wie formen diese Entwicklungen nicht nur die Ästhetik, sondern auch die Produktionsweisen und Ausbildungswege in den Darstellenden Künsten

Die Akademie steht weltweit zahlreichen Kunst- und Kulturinstitutionen als Beraterin zur Seite. Sie versteht sich als Vermittlerin zwischen Kunst, Technologie und Wissenschaft - mit einem breiten Spektrum an Angeboten und Formaten, die etablierten und aufstrebenden Künstler*innen und Techniker*innen neue Möglichkeiten zur Vernetzung und Weiterbildung bietet. Sie eröffnet neue Perspektiven und lässt die Digitalität ins Theater ziehen - vor, auf und hinter der Bühne.

Marcus Lobbes
Intendant der Akademie für Theater und Digitalität

Digitalität im Theater

Theater befindet sich in stetigem Wandel – evolutionäre Neuerungen wie die Erfindung elektrischen Lichts, der Guckkastenbühne und jetzt der Digitalität im Theater, geben neue Impulse und fordern das Publikum – neben den altbekannten – zu neuen Sehgewohnheiten auf. Dabei geht es nicht um die Verdrängung klassischen Theaters, sondern um die Erweiterung des künstlerischen, technischen und individuellen Horizonts. Die Akademie für Theater und Digitalität steht als sechste Sparte des Theater Dortmund für Forschung, Kreativität und Ideenreichtum. Kunst- und Kulturschaffende aus der ganzen Welt kommen nach Dortmund, um an neuesten Technologien und Methoden zu forschen und so die vielfältigen Spielformen des Theaters mit digitalen Tools und Techniken zu erweitern: von Extended und Virtual Reality über Motion Capturing, Sensorik und Robotik bis hin zum Einsatz von künstlicher Intelligenz. Die Akademie für Theater und Digitalität treibt den Kulturwandel im Zeichen des Digitalen voran. Hierbei konzentriert sie sich auf vier Kernbereiche: künstlerische Forschung, berufliche Aus- und Weiterbildung, nationale und internationale Vernetzung sowie Beratung von Kunst- und Kulturinstitutionen, Festivals und Akteur*innen der freien Szene. Sie ist Veranstalterin und Gastgeberin zahlreicher Workshops, veröffentlicht verschiedenste technikorientierte Tutorials und lädt zum Diskurs ein.

 

„Kulturwandel im Zeichen des Digitalen entsteht, wenn Algorithmen auf Imagination treffen, wenn Kunst Technologie hinterfragt: Dann kreieren wir Zukunft – und keine Maschinen.“

Michael Eickhoff, Mitarbeiter für Dramaturgie und internationale Vernetzung

 

Die Bildung eines international anerkannten Forschungsraums am Dortmunder Hafen trägt Früchte. Von regionalen spartenübergreifenden Kooperationen wie mit dem Theater an der Ruhr im Rahmen des Projekts Theater der erweiterten Realitäten oder zwei neuen Forschungsprojekten mit dem Kulturforum Witten reicht die Beratung der Akademie bis ins Internationale. Die Akademie für Theater und Digitalität ist Co-Kuratorin verschiedener europäischer und weltweiter Großprojekte und kooperiert mit zahlreichen weltweit angesiedelten Partnerinstitutionen.

Hochschuh/Donovan: Interconnected

Im Kontext der europäischen Netzwerkprojekte EXCENTRIC und ACuTe bringt sie Künstler*innen mit Fachkräften zusammen, um kreative Ideen in die Realität umzusetzen, sei es im analogen, hybriden oder digitalen Raum. Gemeinsam mit der European Theatre Convention (ETC) bietet die Akademie für Theater und Digitalität die mehrjährige Residenz- und Workshopreihe Break The Mould zur Weiterbildung und Produktionsberatung europäischer Netzwerktheater an, um den Anschluss an die Digitalität erfolgreich umzusetzen. Auch Studierende können ab dem Sommersemester 2025 in die digitale Welt des Theaters eintauchen und ihre Kompetenzen im Masterstudiengang Theater and Digitality (MA THEAD), den die Akademie mit der Fachhochschule Dortmund (Fachbereiche Design und Informatik) anbietet, vertiefen. Kunst, Theater und Informatik miteinander verbinden, lautet die Devise. Die Studierenden lernen unter anderem, wie Requisiten im 3D-Drucker entstehen, welchen Nutzen künstliche Intelligenz für zukünftige Theaterproduktionen haben kann und wie man digitale Abbilder und Welten kreiert und mit diesen auf der Bühne interagiert. Hier wird das Theater von morgen erprobt. Die künstlerische Erforschung von neuesten digitalen Tools und Technologien sowie deren Adaption und Einsatz in allen Bereichen der Darstellenden Künste stehen dabei stets im Vordergrund.

Rau/Crowley: Hamlet.AI
Rau/Crowley: Hamlet.AI

Realität verbunden mit Digitalität

In dem rund 2.000 Quadratmeter großen Neubau am Dortmunder Hafen finden sich insgesamt sieben Forschungslabore, in denen eine Vielzahl von Projekten umgesetzt werden kann. Mit Motion-Capture-Systemen und eingebautem Greenscreen-Studio lässt sich das Reale mit dem Digitalen verbinden. Hier können Personen in die digitale Welt versetzt und neue Umgebungen geschaffen werden - von digitalen Hintergründen in Foto- und Videoproduktionen bis hin zu Livestreams lassen sich zahlreiche Ideen verwirklichen. Das Team der Akademie für Theater und Digitalität steht den Forschenden dabei für Fragen zur Seite und berät die Kunstschaffenden technisch, künstlerisch und dramaturgisch. Im Fokus der Beratung steht die Sinnhaftigkeit des Einsatzes von neuen Technologien, die dem künstlerischen Schaffensprozess und der theatralen Erzählung dienen.

Die Verbindung der technisch-digitalen und narrativen Ebene bietet dem Theater neue Möglichkeiten. Mit Programmen wie OBS (Open Broadcaster Software – einem Programm für Livestreams) oder Resolume können Videoprojektionen auf die Architektur eines Bühnenbildes, Objekte oder Personen gespielt werden. Mit verschiedenen Bewegungs- und Gesichtserkennungssystemen lassen sich reale Personen und deren Körpersprache digital erkennen und im künstlerischen Kontext wiederverwerten, um so als Figur auf der Bühne zu erscheinen.

Auch die digitalisierte Auslesung von Körperdaten des Publikums kann mittels künstlicher Intelligenz in eine Live-Orchestersuite verwandelt werden und ist somit längst keine Zukunftsmusik mehr.

 

„Die Technik wird nicht nur primär aufgrund ihrer Aktualität und Relevanz genutzt, sondern man erweitert damit den Werkzeugkasten, mit dem man auf der Bühne etwas erzählen kann.“

Mario Simon, Medienkünstler

 

Die Interaktion mit dem Publikum und die Neugestaltung der dramaturgischen sowie narrativen Ebene des Theaters mittels digitaler Tools schaffen die Möglichkeit, neue Perspektiven sowohl für die Kunstschaffenden als auch für das Publikum zu eröffnen. Es entsteht eine neuartige Form der Interaktion mit dem Werk, den Figuren und den Darsteller*innen im digitalen sowie analogen Raum.

ArtesMobiles: Merging Entities
Brig Huezo: THE DEAD CODE MUST BE ALIVE!
Janne Kummer: DisAIdentification
Maria Pyatkova: Narratives of Time

Digitale Welten

Digitalität ist in der Lage, die theatrale Einheit von Raum und Zeit aufzubrechen. Durch virtuelle Realitäten kann die Existenz vom Publikum sowie von Darsteller*innen in der digitalen Welt dargestellt werden. Auch Livestreams zu anderen Spielstätten im Rahmen einer Theaterproduktion sind möglich, sodass Spielende und Publikum sich zeitgleich an zwei unterschiedlichen Orten, mitunter in unterschiedlichen Zeitzonen und Kontinenten, aufhalten, während sie einer Performance beiwohnen. Die digitale Verbundenheit vereint Raum und Zeit in einer neuen Dimension.

Digitale Räume bieten eine große Vielfalt möglicher Szenarien und den Eintritt in neue Welten. Mittels verschiedener Computerprogramme wie Unreal Engine oder Unity (Programme, die primär in der Entwicklung von 3D-Videospielen genutzt werden) vermögen Medienkünstler*innen, Programmierer*innen und Theaterschaffende nahezu jede Szenerie grafisch darzustellen und sich in ihr als Avatar zu bewegen. Das digitale Pendant zum klassischen Bühnenbild kann als Projektion genutzt werden, Zuschauer*innen können Elemente darin steuern und Theaterproduktionen bietet es neue Handlungs- und Interaktionsmöglichkeiten in unterschiedlichen Komplexitätsgraden.

 

„Das digitale Theater schafft ein interaktives, personalisiertes Erlebnis, welches das Publikum einlädt, in digitale Welten einzutauchen und sie aktiv mitzugestalten. Digitale Welten revolutionieren so das Theater – als immersive Erfahrung, die Realität und Fiktion verschmelzen lässt.”

Vesela Stanoeva, Mitarbeiterin für Programmierung und Coding mit Schwerpunkt Medienkunst

Digitale Avatare

In der Akademie für Theater und Digitalität trifft das Analoge auf das Digitale. Von der künstlerischen Idee bis zur Umsetzung bilden sich viele Schnittstellen im hybriden Raum. Neben digitalen Welten finden sich auf der Bühne auch digitale Avatare. So kann mit Smartphones die eigene digitalisierte Darstellung aufgenommen und mittels Motion Capture Technologie animiert werden. Durch Infrarotsensoren wie der Microsoft Kinect Kamera lassen sich in Echtzeit Körperhaltung und -bewegung mit dem Avatar in Verbindung bringen. Eine weitere Möglichkeit, digitale Avatare zum Leben zu erwecken, bieten Motion Tracking Systeme, wie der Rokoko-Anzug. Darsteller*innen und Tänzer*innen, ausgestattet mit Sensoren am Kostüm oder am Körper, die ihre Bewegungen aufzeichnen, performen als digitale Avatare mit in höherer Qualität digitalisierten Bewegungen. Der reale Mensch ist der Ankerpunkt einer digitalen Performance.

Mit digitalen Avataren können verschiedene Szenarien konstruiert werden: ein Bruch zwischen der Figur und dessen Selbst, sodass die beiden Entitäten miteinander auf der Bühne in den Dialog treten und in vielfältiger Weise interagieren. Digitale Avatare sind Teil des Tanzes, des Schauspiels und ein essenzieller Teil des Gamings. Sie verbinden verschiedene Sparten und kulturelle Hintergründe miteinander und heben das Narrativ einer Theaterproduktion in besonderem Maße mit ihrer direkten Verbindung zur Realität hervor.

 

„Die Medien Theater und Computerspiel können viel voneinander, in Bezug auf ihre diversen Ästhetiken und ihre erprobten Techniken, lernen.“

Tim Pauli, Mitarbeiter für Audiovisuelle Technik, Medienproduktion und IT

 

Für Interessierte stehen die Arbeitsprozesse der künstlerisch-technischen Forschungsarbeiten an der Akademie für Theater und Digitalität rund um das Thema digitale Transformation am Theater auf der englischsprachigen Wissensplattform Portal (https://portal.theater.digital) zur Verfügung.

Sponsoring und Förderungen

Theater

Ein Theater für die Zukunft!

Junge Bühne Dortmund verbindet Kunst, Kindheit und Nachhaltigkeit

Visual: Fassade der Jungen Bühne Dortmund (c) JSWD

Die Junge Bühne in Dortmund setzt neue Maßstäbe im Bereich der Theaterarchitektur und städtebaulichen Entwicklung. Mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit, Kinderfreundlichkeit und immersive Kunst wird der neue Theaterbau nicht nur die kulturelle Landschaft der Stadt bereichern, sondern auch die städtebauliche Struktur der Innenstadt nachhaltig beeinflussen. Der neue Theaterbau ist aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen konzipiert und bietet zahlreiche innovative Elemente, die sowohl Kinder als auch Erwachsene begeistern werden. Eine LED-Wand im Foyer der Jungen Bühne  wird speziell für Kinder und Jugendliche immersive Kunst im öffentlichen Raum präsentieren und somit die Stadt mit kreativen und interaktiven Installationen bereichern.

Die städtebauliche Idee sieht einen skulpturalen Baukörper anstelle der jetzigen provisorischen Kinderoper vor.  Das Gebäudekonzept wurde in einem internationalen Architekturwettbewerb ausgewählt, den das Architekturbüro JSWD aus Köln und Berlin während der Corona-Pandemie für sich entschieden hat. Seitdem arbeitet ein interdisziplinäres Planungsteam intensiv an der Umsetzung des Projekts.

Hierzu Christian Mammel, Partner von JSWD
„Der Neubau der Junge Bühne vervollständigt das Dortmunder Theaterquartier mit einem neuen Gesicht zur Kreuzung Hiltropwall / Hövelstraße. Wir machen aus bisher ‚Hinten‘ und ‚Vorne‘ ein Ensemble mit zwei Vorderseiten, der kupferne Kubus wird zum angemessenen Pendant der eindrucksvollen Kupferschale über dem Opernfoyer.“

Neben der patinierten Kupferfassade als ästhetisches Highlight setzt ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept mit begrünten Dachflächen auch ein klares Zeichen für den Klimaschutz. Eine Photovoltaik-Anlage wird zur Energieversorgung des Theaters beitragen und somit einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt Dortmund beitragen.

Der neue Theaterbau ist aus der Sicht eines jungen Publikums konzipiert und bietet zahlreiche innovative Elemente, die sowohl Kinder als auch Erwachsene begeistern werden. Eine LED-Wand wird immersive Kunst im öffentlichen Raum präsentieren und somit die Stadt mit kreativen und interaktiven Installationen bereichern.

Das Hauptfoyer ist von außen als Erweiterung des Stadtraums wahrnehmbar und bietet einen überdachten, warmen Innenraum, der zu den Herzstücken des Gebäudes zählt. Gestaltet in zwei Elementen – der Treppe und der Theke im „Theater Dortmund Orange“ – lädt es Besucher zum Verweilen ein. Ein „singender“ Aufzug, der mit verschiedenen Audios bespielt werden kann, dient als weitere vertikale Verbindung der Ebenen.
Christian Mammel erklärt: „Das vertikale Theater mit gläsernen Foyer lädt die heranwachsende Generation Dortmunds ein, über die große Treppenskulptur in die Welt der Bühneninszenierung einzutauchen."

Im Laufe der Planung wurden auch Kinder und Jugendliche befragt, was sie sich in dem Neubau wünschen würden. Die häufigste Antwort war „eine riesengroße Rutsche“. Diese Rutsche konnte ebenfalls als markantes Element in das Hauptfoyer neben die Treppe integriert werden. Im Foyer ergibt sich zudem die Möglichkeit, eine LED-Wand hinter der Foyer-Theke zu installieren, die vielfältig bespielt werden kann und durch das gläserne Foyer auch von außen sichtbar ist.
Tobias Ehinger, Geschäftsführender Direktor des Theater Dortmund, betont: „Wir legen großen Wert darauf, einen attraktiven und familienfreundlichen Wohlfühlort für alle zu schaffen. Dazu gehört auch das Selbstverständnis, für stillende Mütter mobile Orte und Rückzugsmöglichkeiten zu integrieren.“
Der große Sanitärbereich bietet unterschiedliche WCs, darunter größere WCs für Eltern mit Kindern, Wickelmöglichkeiten in Damen-, Herren- und Diversen WCs, alles auch in rollstuhlgerechter Version. Hier befinden sich auch die Schließfächer.

Die Hauptbühne: Flexibilität und Barrierefreiheit
Die Hauptbühne verfügt über einen höhenverstellbaren Orchestergraben und bietet Rollstuhl- und Sitzplätze, die auch für Erwachsene ausgelegt sind. Der Saal ist aus Nutzungsgründen dunkel gehalten und wird durch eine Origamiwand an den Wänden gestalterisch und akustisch aufgewertet. Ein Lichttunnel als Weg um den Saal und unterschiedlich eingefärbte Stufen runden das innovative Konzept ab.
Die Junge Bühne Dortmund ist mehr als nur ein Theaterbau – sie ist ein Statement für die Nachhaltigkeit, Familienfreundlichkeit und innovative Architektur. Mit ihrer immersiven Kunst und den zahlreichen Besonderheiten wird sie die Innenstadt Dortmunds bereichern und neue Maßstäbe setzen.

Tobias Ehinger: „Die Junge Bühne Dortmund ist ein Projekt, das die Zukunft im Blick hat. Wir wollen nicht nur ein Theater schaffen, sondern einen einmaligen Ort, der Menschen jeden Alters inspiriert und begeistert. Mit unserem Fokus auf Nachhaltigkeit und junges Publikum setzen wir ein klares Zeichen für die nächste Generation.“