KJT: „Name: Sophie Scholl“ feiert Premiere

Stück für Jugendliche ab 14 Jahren setzt sich mit dem Wert der Wahrheit auseinander

Ann-Kathrin Hinz bei den Proben zu „Name: Sophie Scholl“ // (c) Birgit Hupfeld


Zwei junge Frauen mit dem gleichen Namen: Sophie Scholl. Die eine lebt im Dritten Reich, widersetzt sich dem Nationalsozialismus und kämpft für eine Gegenbewegung gegen Hitler. Die andere lebt 2019, studiert Jura, und obwohl beide Frauen 80 Jahre Geschichte trennen, verbindet sie doch weitaus mehr als nur der Name.

Das Kinder- und Jugendtheater Dortmund zeigt mit der nächsten Premiere Name: Sophie Scholl am Donnerstag, 26. September, diese eindrückliche Entwicklung zweier Lebenswege. Beide Frauen werden mit Machtstrukturen konfrontiert und erkennen, dass sie sich entscheiden müssen: ob sie Haltung zeigen und die Wahrheit sagen mit allen Konsequenzen, die ihnen drohen.

Die bekannte Sophie Scholl hat die Wahl, mit dem Strom mit zu schwimmen, weiter beim BDM mitzumachen oder sich zu widersetzen und den eigenen Werten zu folgen. Letztendlich wird ihr nahegelegt, die Schuld allein ihrem Bruder zuzuschieben und dadurch dem Tod zu entgehen. Sie entscheidet sich für die Wahrheit und wird hingerichtet.

Die heutige Sophie soll durch eine Lüge ihren korrupten Professor schützen, der sich für gute Noten von seinen Studentinnen und Studenten bezahlen lässt. Damit das nicht auffliegt, schiebt er die Schuld seiner Sekretärin zu. Sophie allein kann sie entlasten. Doch wird sie ihre gesamte Berufslaufbahn aufs Spiel setzen, um wie ihre berühmte Namensvetterin für die Wahrheit einzustehen?

Regisseurin Annette Müller lässt die beiden Frauenfiguren sich unaufhaltsam auf einander zu bewegen. Wie beide Schicksale neben einander stehen, dann plötzlich auf einander prallen, erzeugt eine soghafte Spannung. Auf die Frage, was sie an dieser Geschichte der beiden Frauen interessiert, sagt die Regisseurin: „Es geht letztendlich um Loyalität und die Werte, die einer Gesellschaft zu Grunde liegen. Die Frage ist, wohin sich unsere Gesellschaft gerade entwickelt und welche Verantwortung jeder Einzelne trägt, und in wieweit das Private doch immer politisch ist.“

Zusammen mit Oliver Kostecka ist Annette Müller auch für Bühne und Kostüme verantwortlich. Sie schaffen im kleinen Sckelly einen Bühnenraum mit dicht beschriebenen Wandtafeln, auf denen „Heimat“ oder „Freiheit“ steht und auch ein Hakenkreuz prangt, einen assoziativen Raum zwischen Studentenbude und Gefängnis, Gedankenwelt und übergroßem Flugblatt, erschreckend einengend und gleichzeitig ein Schrei nach Befreiung.
Michael Lohmann legt der Inszenierung stimmungsvolle Melodien und Songs unter, mal leise, mal laut, mal begleitend, mal im Vordergrund stehend.

Ann-Kathrin Hinz, zum ersten Mal in einer Solorolle, schlüpft nicht nur in die Rollen der beiden Sophies, sie streift auch manche Wegbegleiter_in der jungen Frauen und gleitet von einer Zeit in die andere. Sie nimmt das Publikum mit auf die Reise und lässt durch ihr lebendiges Spiel auch die vergangene Zeit ebenso nah werden wie die der heutigen Sophie.

Das Stück von Rike Reiniger eignet sich für junge Zuschauerinnen und Zuschauer ab 14 Jahren. Karten für 4 Euro gibt es an der Vorverkaufskasse im Opernhaus (Platz der Alten Synagoge) unter 0231/50 27 222 und im >>Webshop.

Die Premiere am 26. September ist bereits ausverkauft. Für die Vorstellungen am Samstag, 28. September (20 Uhr) und Donnerstag, 3. Oktober (19 Uhr), gibt es noch Karten.


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