• Jörg Buttgereit (Regie), Uwe Rohbeck und Frank Genser © Birgit Hupfeld
  • Bettina Lieder © Birgit Hupfeld
  • Frank Genser und Uwe Schmieder © Edi Szekely
  • Uwe Schmieder und Bettina Lieder ©
  • Frank Genser © Edi Szekely
  • Uwe Schmieder und Luise Heyer © Edi Szekely
  • Uwe Schmieder und Uwe Rohbeck © Edi Szekely
  • Uwe Rohbeck und Christoph Jöde © Edi Szekely
  • Uwe Rohbeck © Edi Szekely
  • Frank Genser © Edi Szekely
  • Uwe Schmieder, Frank Genser und Uwe Rohbeck © Edi Szekely

Der Elefantenmensch

Schauspielhaus Dortmund (Studio)

von Bernhard Pomerance

Alles beginnt auf einem Jahrmarkt: In einer Freakshow entdeckt der Londoner Arzt Dr. Treves den jungen John Merrick, der seinen Lebensunterhalt als sogenannter „Elefantenmensch“ verdient – begafft von Jung und Alt als unfassbare Laune der Natur. Dr. Treves‘ wissenschaftliches Interesse ist geweckt. Er beginnt, Merrick und dessen stark deformierten Kopf und Körper in seinem Hospital zu studieren. Heilen kann er ihn nicht, und so bleibt Merrick Gefangener seines abstoßenden Äußeren: Ein verkörperter Alptraum, ein Kuriosum, ein Exponat – das schnell zu einem gesellschaftlichen Ereignis auch in den Londoner Salons wird.

Begaffter und Begaffende – wer ist das Monster? Der Elefantenmensch beschreibt die menschliche Gesellschaft als Freakshow voller Abgründe, in der die Oberfläche dominiert und das Extreme abartig fasziniert. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der – geistig völlig gesund, körperlich stark entstellt – schon als Kind aus der Welt gefallen ist und Zeit seines Lebens zur Schau gestelltes Objekt bleibt. Bernard Pomerance griff für seinen 1979 mit dem Tony-Award ausgezeichneten Broadway-Erfolg auf die wahre Biographie des Engländers Joseph C. Merrick zurück, der an seltenen Erbkrankheiten litt und mit nur 27 Jahren starb.
Auch der berühmte amerikanische Filmregisseur David Lynch widmete sich der Faszination für das „Monster“ Merrick und für die ihn bestaunende Welt: Sein Film Der Elefantenmensch von 1980 wurde zum Welterfolg und für 8 Oscars nominiert. Der reale Joseph Merrick konnte seinem Schicksal als Exponat der menschlichen Freakshow auch durch seinen Tod nicht entfliehen – sein Skelett ist noch heute in der pathologischen Sammlung des Royal London Hospital archiviert. Das Gerücht, der Popstar Michael Jackson hätte in den 1980er Jahren versucht, Merricks Knochen zu kaufen, konnte allerdings nie verifiziert werden.

Jörg Buttgereit (*1963) ist Regisseur und Autor diverser Arthouse-Horrorfilme, arte-TVDokumentationen, Theaterstücke und Hörspiele. In Dortmund inszenierte er bereits das Double-Feature GREEN FRANKENSTEIN und SEXMONSTER! sowie die True Crime-Tragödie Kannibale und Liebe.

Besetzung

Pressestimmen

",Herrrrrrrrrr...', immer weiter und weiter dehnt Christoph Jöde sein ,r', während das Publikum noch vor dem Studio steht. Es scheint, als wollte er gar nicht mehr aufhören, bis irgendwann doch noch das erlösende ,...reinspaziert' erklingt. Dieses eine Wort ist wie die roten, goldbesetzten Uniformen-Jacken und die Hüte, die Schauspieler und Einlasspersonal tragen, Versprechen und Warnung zugleich. Das Theater wird zum Zirkus- und Jahrmarktszelt, in dem Kuriositäten und Monstrositäten darauf warten, angestarrt zu werden. (...) Für ein paar Augenblicke lässt die Bühnen- und Kostümbildnerin Susanne Priebs so die Welt der Side- und Freakshows wieder lebendig werden. Doch anders als in den Zelten und Hinterzimmern vergangener Jahre fallen in dieser Anordnung die Blicke des Publikums schon bald auf sich selbst zurück. (...) Aus Interesse an dessen ungewöhnlichem Leiden, das fast seinen ganzen Körper verformt und verunstaltet hat, bringt Merrick in seinem Krankhaus unter. (...) Je länger sich Treves mit Merrick beschäftigt und je erfolgreicher er dabei ist, desto fragwürdiger erscheinen ihm seine eigenen Ideale. Frank Genser, der zunächst noch ganz selbstgewiss und mit der Arroganz eines ,erfolgreichen Engländers in einem erfolgreichen England' auftritt, verliert mehr und mehr die Kontrolle über sich und seine Welt. Alles scheint ihm zu entgleiten, bis er sich schließlich in eine wahre, von Zorn und Verzweiflung erfüllte Philippika gegen die bürgerliche Gesellschaft hineinsteigert, um dann gebrochen zu verschwinden. Uwe Rohbeck ist unter dem aufwendigen und extrem schweren Elefanten-Suit, der deutlich an die Maske von John Hurts in David Lynchs Film erinnert und doch einen ganz eigenen Charakter hat, kaum zu erkennen. Ihm, der sich schweren Schrittes durch den Raum schleppt, verkrümmt und verloren, bleibt nur das Spiel seiner Augen und die Modulationen seiner Stimme. Jedes Wort wird bei Rohbeck zu einem Spiegel, den Merrick den Menschen um sich herum wie auch dem Publikum vorhält.“
nachtkritik.de, 29.11.2013

„Zweifelsfreie Höhepunkte sind bei Buttgereits durchweg mitreißender Inszenierung eine surreal anmutende Traumsequenz und die gemeinsamen Szenen von Uwe Rohbeck und Luise Heyer. Wenn sie als Merrick und Mrs. Kendall Shakespeares Romeo und Julia zitieren, dann ist das ergreifend, bezaubernd und voller Tragik. Fortwährend bezieht man das Publikum in das Geschehen ein: Im Albtraum des Dr. Treves werden die Besucher in die Rolle des bestrafenden Pöbels überführt. Intellektuell, humorvoll und tragisch ist dieser Elefantenmensch, der dem Ensemble viel Raum zur darstellerischen Entfaltung bietet.“
Ruhr Nachrichten, 2.12.2013

„Uwe Rohbeck spielt Merick ganz zart, man hört immer ein leichtes Erstaunen.... (...) Ich hatte den Eindruck ich werde auf eine Geschichte mitgenommen, muß aber gleichzeitig reflektieren, dass ich begaffe.“
Christiane Enkeler im Mosaik-Gespräch in WDR3,30.11.2013

„Regisseur Jörg Buttgereit, der sich in Dortmund zuletzt sehr einfühlsam mit dem Schicksal des nekrophilen Mörders Ed Gein (,Kannibale und Liebe') beschäftigt hat, beweist mit seiner Einrichtung des Broadway-Hits ,Der Elefantenmensch' erneut sein Fingerspitzengefühl für die vermeintlichen Freaks unserer Gesellschaft.
Uwe Rohbeck macht die Darstellung dieses unglücklichen Mannes zu einem Ereignis: Eingesperrt in einen schweren Ganzkörper-Anzug gelingt es ihm, allein mit der Kraft der immer sicherer werdenden Stimme Merricks und dem Glanz seiner Augen, dem zarten Charakter dieses missgestalteten Wesens Gestalt zu verleihen. Es entpuppt sich: ein Mensch!“
WAZ, 2.12.2013

„Uwe Rohbeck füllt im Studio eine erschreckend realistische Ganzkörpermaske. Schon das macht diesen Theaterabend zu einem Erlebnis: Wie der Mann sich das schwere Material anverleibt, sich damit vereint und allein mit Gestik, intensiven Blicken, schwerfälliger Sprache diesen John Merrick zum Leben erweckt, uns spüren lässt, dass in dieser unförmigen Gestalt tiefe und sehr normale Gefühle leben. Denn dies ist kein Horrorfilm, sondern das Drama einer empfindsamen Seele, die in einen deformierten Körper gesperrt wurde. (...) Buttgereit meidet souverän jede Rührseligkeit. Immer wieder führt er in die Rummelplatz-Stimmung zurück, lässt zum Beispiel ein Nummerngirl (eine von vielen Rollen von Bettina Lieder) die Szenen einleiten. Da fliegen auch mal Salatköpfe. Und dass Merricks Wohltäter durchaus eigene Interessen verfolgen, zeigt er mit kleinen Einschüben. Christoph Jöde als Ross singt einmal ,We Are All Prostitutes'. Der Schausteller nimmt Pennies für Blicke auf den Elefantenmenschen. Der Arzt bekommt für gemeinsame Auftritte in der Gesellschaft seinen Lohn als Prestige. Und Klinikchef Gomm (Uwe Schmieder), der mit Backenbart und Zylinder aussieht wie einer Charles-Dickens-Verfilmung entsprungen, freut sich über Zulauf.
Im Zentrum der Inszenierung aber steht das Schicksal einer Kreatur, die ihrer Umgebung ausgeliefert ist.“
Westfälischer Anzeiger, 2.12.2013

Kommentare

Jutta Abbel, 26. November 2013
Wie lange dauert die Vorstellung? Ich muss den Zug um 22.21 Uhr bekommen. Schaffe ich es?
AK Schulz, 03. Dezember 2013
Sehr geehrte Frau Abbel, die Vorstellung "Elefantenmensch" dauert ca. 90-100 Minuten. Herzliche Grüße aus der Schauspiel-Dramaturgie
Sieders, 17. März 2014
Ein super Stück!! Super schauspielerische Leistung. Das beste Stück, das ich bisher in dieser Spielzeit gesehen habe.
Claudia Brenda, 27. April 2014
Oh mein Gott: grandios, spektakulär, atemberaubend! Ein wirklich phänomenales Stück! Super umgesetzt, super besetzt, super Maske und super Darstellung. Ein ganz, ganz dickes Lob an alle Schauspieler: alle waren toll und haben ihre (mehrfachen) Rollen grandios (und auch "mutig", Mrs. Kendall) zur Schau gestellt. Ich habe sogar zwei, drei Tränchen verdrücken müssen,..."Eraserhead" lässt grüßen. Bin immer noch total hin und weg. Wie schade, dass es sich mit den "Standing Ovations" so sperrlich in Grenzen gehalten hat,...hätten sie doch alle miteinander so viel mehr davon verdient! Meine hatten sie jedenfalls bis zum letzten Klatscher! Ganz, ganz großes Kino. Selten eine so tolle Inszenierung gesehen. Das schreit förmlich nach Wiederholung,...gut, dass noch "weitere Termine folgen". Unbeschreiblich & eindrucksvoll! Chapeau, chapeau!
Gabi Pleß, 20. Dezember 2014
Selten hat mich etwas so nachhaltig beeindruckt! Besonders die Leistung des Uwe Rohbeck, nur durch Stimme und Gestik alle Facetten der Gefühle darzustellen. Bewundernswert die Leistung der Luise Heyer, die in ihrer Nacktheit extrem verletzlich rüber kam. Sehr schade, daß hier in Coesfeld nur so wenige Menschen den Weg zum Theater gefunden haben!
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26. Juni 2014

Beginn: 20:00 Uhr

ENDE: 21:30 Uhr

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