• Kasimir und Karoline - Schauspiel
    Kasimir und Karoline - Schauspiel © Mario Simon
  • Julia Schubert, Ekkehard Freye © Birgit Hupfeld
  • Julia Schubert, Ekkehard Freye © Birgit Hupfeld
  • Julia Schubert, Ekkehard Freye © Birgit Hupfeld
  • Ekkehard Freye, Christoph Jöde, Bettina Lieder © Birgit Hupfeld
  • Frank Genser © Birgit Hupfeld
  • Bettina Lieder, Frank Genser, Julia Schubert, Christoph Jöde, Max Thommes © Birgit Hupfeld
  • Bühnentechniker, Bettina Lieder, Carlos Lobo, Max Thommes © Birgit Hupfeld
  • Carlos Lobo, Christoph Jöde, Julia Schubert, Frank Genser © Birgit Hupfeld
  • Ekkehard Freye, Bühnentechniker, Fanfaren-Corps 1974 Dortmund-Wickede © Birgit Hupfeld
  • Christoph Jöde, Ekkehard Freye, Bettina Lieder, Fanfaren-Corps 1974 Dortmund-Wickede © Birgit Hupfeld
  • Carlos Lobo © Birgit Hupfeld
  • Ekkehard Freye, Bettina Lieder © Birgit Hupfeld
  • Julia Schubert, Carlos Lobo © Birgit Hupfeld
  • Julia Schubert, Ekkehard Freye © Birgit Hupfeld
  • Julia Schubert © Birgit Hupfeld

Kasimir und Karoline

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von Ödön von Horváth

Für die Oktoberfest-Gesellschaft ist er neben Bier, Abnormitäten und Fahrgeschäften die zentrale Attraktion: Der „Hau den Lukas“ – nur diejenigen, die am härtesten zuschlagen, sind Gewinner. Wenigstens kurz. Kasimir schafft es gerade noch so, mit letzten Kräften – beim dritten Versuch klingelt endlich die Siegesglocke. Doch freuen kann er sich nicht, denn er hat am Vortag seine Stelle verloren, und nun scheint ihm alle Zukunft abhanden gekommen. Dass seine Verlobte Karoline ihn verlassen wird, ist für ihn keine Frage – höchstens eine der Zeit. Und Karoline? Hat keine Lust auf Nachdenklichkeit – jedenfalls nicht heute, will sich amüsieren, den Alltag wegfeiern. Und so wird aus dem geplanten Jahrmarkts-Nachmittag schnell eine Reise in die Risse der Gesellschaft, wo Menschen im freien Fall sich hoffnungsvoll aneinander klammern...

Es ist eine verzauberte und zugleich entzauberte Welt, die Ödön von Horváth in seinem 1932 zwischen Weltwirtschaftskrise und braunem Stechschritt entstandenen Stück entwirft. Längst zählt es zu den berühmtesten deutschsprachigen Klassikern – hat einen sezierenden Blick, der auch dem Heute gut tut. Der österreichische Schriftsteller Alfred Polgar vermerkt zu Kasimir und Karoline, dass die Zuschauer darin das „ziemlich Trostlose einer in ihrem schnöden Mechanismus bloßgelegten Welt kalt anweht. Zum Ersatz freilich auch die ganze Komik einer solchen. Nichts ist witziger als die Wahrheit. Und kein skurrilerer Anblick als jener, den die Wahrheit bietet, wenn sie sich nackt unter die Leute mischt.“

Besetzung

Pressestimmen

„Es geht um die Wurst an diesem Abend, und zwar um zwei Sorten davon. Einmal um die gigantischen Weißwürste, die im Bühnenbild herumliegen. Und dann um die armen Würstchen, die dazwischen herumtaumeln und Sehnsucht haben nach einem besseren Leben. Ödön von Horváth ließ sein Volksstück von 1932 auf dem Münchner Oktoberfest spielen - die ganz alltägliche Tragödie eines Paares, das sich trennt, weil der Chauffeur Kasimir arbeitslos geworden ist und seine Verlobte Karoline nach Höherem strebt, zum Schluss aber unsanft auf dem Boden der Tatsachen landet. Regisseur Kämmerer erzählte ihre Geschichte rotzfrech, aber nicht respektlos gegenüber dem Text, witzig, aber nicht geschmacklos, und überdreht, aber nicht durchgedreht. (…)
Vor allem die Kostüme von Josa Marx und die absurd hochtoupierten Perücken machen das Ganze zur grellen Farce. Karoline stolpert auf hohen, geflügelten Pumps ins aufblasbare Bierzelt: Da will es eine wissen, da will eine feiern, da reißt sich eine das Kleid vom Leib und lässt sich vom superdicken Kommerzienrat Rauch (Carlos Lobo) den Alkohol mit dem Gartenschlauch in den Mund spritzen.
Kämmerer hat das Stück stark eingekürzt auf 100 Minuten Spieldauer. Aber er modernisiert zum Glück nur die Oberfläche. Dank der wunderbaren, innig und wahrhaftig empfindenden Julia Schubert als Karoline blitzt der Subtext dieses Klassikers, seine Melancholie und seine Traurigkeit angesichts übler Klassenschranken und menschlicher Korrumpierbarkeit immer wieder auf.
Auch Bettina Lieder als Erna berührt sehr in ihrem toll verzweifelten Monolog über die ‚Wiesenbraut‘, der aus einem Notizheft Horváths stammt. Nicht zu vergessen Ekkehard Freye, der der trotz eines noch nicht ganz verheilten gebrochenen Fußes einen präsenten, ernsthaften Kasimir gibt.
Dieses Ensemble lässt das Wechselbad zwischen der wilden Gier nach Glück, einer trostlosen Wirklichkeit und unschöner Selbsterkenntnis perfekt gelingen.“
Ruhr Nachrichten, 19. September 2016

„Julia Schubert ist wie gemacht für diese Horvath-Mädchen. Eine Traumbesetzung. (…) Kasimir ist gerade entlassen worden, aber Karoline will sich auf dem Oktoberfest amüsieren. Doch Kasimir (Ekkehard Freye trotz Fußverletzung mit erstaunlichem Körpereinsatz) kommt mit der Situation nicht klar und im Wortgefecht sagt Karoline den folgenschweren Satz „Vielleicht sind wir einfach zu schwer füreinander“. Es ist ganz und gar ein echter Horvath-Satz. Da sind diese ganz schlichten Gemüter, die sich eigentlich gar nichts Böses wollen, und dann rutscht ihnen plötzlich eine Grausamkeit heraus, weil sie ihre Sprache einfach nicht richtig im Griff haben. Genauso ist es mit diesen Sätzen, in denen sie etwas ganz Kluges sagen wollen, aber die Worte verdrehen sich zur kompletten Plattitüde. Und dann plappern sie zwei Sätze weiter und ihnen rutscht eine weltkluge Bemerkung heraus, die sie nicht einmal erahnen. Es ist wie eine Realityshow auf RTL2, nur dass Horvath seine Personen nie diffamiert, sondern ihnen ganz zuletzt doch große Liebe entgegen bringt. (…) Josa Marx stattet das Personal mit Neonfarben und Latex aus, verpasst allen turmhohe Frisuren aus Kunsthaar und Haarspray und lässt sie auf Highheels (die Frauen) und Plateausohlen (einige der Männer) herumstaksen. Das Bühnenbild von Jana Wassong steuert das Festzelt und aufgeblasene Riesenwürste bei. Für Jahrmarktsstimmung sorgen der DJ Max Thommes, die „Crazy Carts“ genannten Miniautos von Lucas Pleß und nicht zuletzt das Fanfaren-Corps 1974 Wickede.
Das alles ist, geben wir es zu, wirklich sehr lustig und mit vollem Körpereinsatz der Darstellenden auf die Bühne gebracht. Aber gibt es einen Ausweg aus dem schrillen Typenkabinett? Es gibt ihn. Und es ist nicht nur Julia Schuberts Leistung. Auch Bettina Lieder holt mit ihrem Monolog über die Wies’nmädchen die Zuschauer runter und knallt ihnen eine verzweifelte Wut vor die Füße, die ins Mark geht. Ekkehard Freyes Kasimir widersetzt sich großartig der Plattheit. Die Verzweiflung über seine Situation, das angenommene Versagen als Mann, der seiner Verlobten nicht bieten kann, was sie sich wünscht, der nur mühsam unterdrückte Jähzorn und die Enttäuschung das mangelnde Verständnis Karolines für ihn, ist immer fühlbar. Ganz zuvorderst ist da aber Julia Schubert, deren Karoline diesen Abend prägt. In ihrer überdrehten Spaßlust blitzt immer eine tiefe Verzweiflung darüber, dass es ist, wie es ist und sie es niemals alleine ändern wird.“
ruhrbarone.de, 20. September 2016

„Schon zu Beginn ist dieses Liebespaar am Ende. Da schwingen die hochgetürmten Frisuren noch im Gleichtakt, und sie schwingen die zu Zeppelinformat aufgeblasenen Weißwürste noch einigermaßen synchron. Aber die Missstimmung liegt schon zum Greifen in der Luft. Kasimir glaubt, dass Karoline ihn als Arbeitslosen nicht mehr begehrt. Sie fühlt sich verkannt. So landen beide immer wieder im Streit, sie flirtet mit dem feschen Zuschneider Schürzinger (Frank Genser), der aber wiederum seinem Chef, dem Kommerzienrat Rauch (Carlos Lobo) das erotische Feld überlässt. Kasimir sucht derweil Trost bei seinem Kumpel, dem kleinkriminellen Merkl Franz (Christoph Jöde) und dessen Freundin Erna (Bettina Lieder).
Wenn der zu dreifachem Volumen aufgeblasene Lobo später als diabolischer Weiberheld Alkoholika anbietet, dann greift er zum Gartenschlauch, mit dem er seine Opfer abspritzt. Und dann marschiert auch noch das Fanfaren-Corps 1974 Dortmund-Wickede mit klingendem Spiel auf. Volksfest eben.
Das mitreißend aufgekratzte Ensemble bekommt es hin, dass auch leisere Momente wirken. Die Ausstattung als Techno-Kasperl überdeckt nicht die Gefühle der Figuren. Im Gegenteil: In all dem Radau steckt doch verdammt viel von Horváths Melancholie.“
Westfälischer Anzeiger, 20. September 2016

Kommentare

Jörg Achim Zoll, 19. September 2016
"Mega-Theater im Megastore" verspricht das Schauspiel Dortmund und löst es an diesem Abend wieder einmal voll und ganz ein. Wow, was für ein Spektakel! Schrill und witzig, herrlich überdreht und gleichzeitig zum Heulen. Das Lachen bleibt einem im Halse stecken und genau dieses Tragisch-Komische macht den Reiz aus. Das Stück spielt in München, aber mindestens so sehr im Ruhrgebiet, was Kostüme, Technoklänge und einen sehr speziellen Gastauftritt angeht. Tolle Schauspieler, einmalige Kostüme und aberwitzige Requisiten und Bühnenelemente. Besonders gefallen hat mir der spannende Kontrast zwischen dem (weitgehend) unverfälschten Text der 1930er-Jahre (die jugendlichen Charaktere siezen sich!) und der trashigen Oberfläche. Mega-Theater eben!
Andreas Gruhn, 27. Dezember 2016
War heute in Kasimir und Karoline. Großer Abend. Wie sich aus dem Klamauk und der überdrehten Amüsierwut am Ende das Drama in schmerzlicher, kaum zu ertragender Weise herausschält, das ist berührend und bewegend. Tolle Schausspieler. Danke. Andreas Gruhn
Thomas Meysel, 09. Januar 2017
Ganz so positiv wie die Kommentare vorab das Stück beschreiben, sehe ich es nicht, denn ich habe das Stück schon einmal gesehen in einer anderen Inszenierung. Die Schauspieler sind wirklich Klasse und voller Engagement, mitunter gibt es manchmal Leerlauf/Pausen in dem Stück, keiner weiß so richtig, woran es liegt. Schrill und verrückt ist die Inszenierung, überzogen und irgendwie sinnlos der Einmarsch der Rosenmontags Umzugskapelle. Die Bühnenelemente wirken immens billig (übergroße Weißwürste und ein Zelt) ,abgestimmt eher auf die komische Umgebung, der Wellblechhalle des Schauspiels Dortmund, aber nicht im Einklang mit dem Stück - fantasie- und einfallslos. Schade, das die Inszenierung so schlecht war, an den Schauspielern hat es wahrlich nicht gelegen.
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