• Memory Alpha - Schauspiel
    Memory Alpha - Schauspiel © Mario Simon
  • Friederike Tiefenbacher, Uwe Schmieder, Caroline Hanke, Christian Freund © Birgit Hupfeld
  • Friederike Tiefenbacher, Christian Freund © Birgit Hupfeld
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Memory Alpha oder Die Zeit der Augenzeugen

Studio (Schauspielhaus)

von Anne-Kathrin Schulz. Uraufführung

Bereits 2020 will die chinesische Regierung ein landesweites Scoring-System in Betrieb nehmen, das das Verhalten jedes Bürgers elektronisch erfasst, analysiert und bewertet. Jede/r in China soll dann mit einem Punktestand durchs Leben gehen, der seine/ihre Reputation widerspiegeln und der permanent aktualisiert werden soll. Der Mensch kann Punkte und damit Privilegien gewinnen, aber auch verlieren – je nachdem, was man online oder offline so tut. Die Vision: Die Schaffung eines elektronischen Gedächtnisses, mit dessen Hilfe die Bürger dazu erzogen werden sollen, bessere Menschen zu werden.

Technologisches Gedächtnis, menschliches Gedächtnis und ein Autounfall in Brüssel, der die Zeit auf den Kopf stellt: Dr. Gerd Stein, Leiter des renommierten „Instituts für Digitalität und Gedächtnis“, wird auf einer Brüsseler Straße von einem Auto zerquetscht, kurz nachdem er im Europaparlament öffentlich vor der chinesischen Super-SCHUFA gewarnt hat. Wer saß hinterm Lenkrad? Stein begibt sich auf Spurensuche rückwärts durch die Zeit. Knapp zwei Monate zuvor hatte seine Frau, die berühmte Gedächtnis-Forscherin Johanna Kleinert, mit der natürlichen Fehleranfälligkeit des menschlichen Gedächtnisses experimentiert: Im Rahmen einer epochalen False-Memory-Studie hackte Kleinert das Gedächtnis von ihrem Probanden Sebastian Grünfeld – und zwar so, dass dieser sich nun hochpräzise an ein Erlebnis erinnert, welches es nie gegeben hat. Und dann ist da noch Steins Schwester Charlotte – eine von nur 57 weltweit bekannten Menschen, die schwer vergessen können…

Das menschliche Gehirn ist die komplexeste Struktur im uns bekannten Universum. Doch wie gut und sicher kann es Erinnerungen abspeichern – und was bedeutet das für unser Gefühl von Identität und unsere Definition vom Menschsein? Und wie treffen die Fehleranfälligkeit der menschlichen Erinnerung und die ungeahnten Möglichkeiten von elektronischen Gedächtnissen aufeinander? Wird es bald eine Zeit geben, in der der Satz „Irren ist menschlich“ nicht mehr gilt?

Autorin Anne-Kathrin Schulz studierte Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. 2001 wurde ihr Stück Unter Land am Jungen Theater Göttingen uraufgeführt, 2003 dann Silly Songs am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Ebenfalls 2003 entstand nach ihrer Kurzgeschichte Bericht vom Rand der Festung der Kurzfilm Nobody Kers (Regie: Philipp Reuter, Ruhrgebietspreis 2003). Seit 2000 auch Arbeit als Dramaturgin, z.B. am Schauspiel Bochum, dem Deutschen Theater Berlin und (seit 2010) am Schauspiel Dortmund, wo sie z. B. Mike Daiseys Die Agonie und die Ekstase des Steve Jobs und TRUMP ins Deutsche übersetzte sowie Co-Autorin von DIE SHOW war. 2016 wurde Die Schwarze Flotte in der Regie von Kay Voges uraufgeführt. 

Besetzung

Pressestimmen

„Die Dortmunder haben ein großartiges und sehr leidenschaftlich spielendes Ensemble, und der Regisseur Ed. Hauswirth hat den Titel ernstgenommen: Memory, wie das Spiel, wo man sich erinnern muss, wo welches Plättchen ist – und wir haben ein schräges Dach im Studio, wo immer wieder Bilder aufflammen. (…) Es ist sogar ein Theaterabend, der eine Botschaft hat: Ist es nicht schön, dass sogar die Konstruktion von Erinnerung und von Identität etwas Kreatives ist, was Spaß machen kann? (…) Hingehen!“
WDR 3 Mosaik, 7.4.2018

„Im Jahr 2020, also schon recht bald, soll es in China, diesem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wieder eine sehr schöne Neuerung geben. Es wird ein allgemein verpflichtendes Punktesystem eingeführt: Je nachdem, wie rasch jemand seine Rechnungen begleicht oder wie oft er bei Rot über die Ampel geht, bekommt diese Person Plus- oder Minuspunkte, die natürlich für immer gespeichert werden und sogar öffentlich einsehbar sind. Mit anderen Worten: Eine ganze Nation wird lebenslang auf die Schulbank gesetzt. Sei bloß immer schön lieb! Social Scoring nennt man das Ganze. George Orwell hat sich nur um 36 Jahre verrechnet. Dafür ist seine Vision dank eines "technologischen Supergedächtnisses" perfekter, als der britische Schriftsteller gedacht hätte.
Selbstverständlich gehört es zu den Aufgaben des Theaters, auf solche Entwicklungen hinzuweisen. Davor zu warnen, dürfte vergeblich sein; sie lassen sich kaum aufhalten. China ist weit weg? Weit gefehlt, meint Dr. Gerd Stein, Soziologe, eine der vier Figuren in einem neuen Stück von Anne-Kathrin Schulz, das den Titel trägt: Memory Alpha oder Die Zeit der Augenzeugen. In einem langen Monolog, dem frühen Höhepunkt des Dortmunder Studioabends, simuliert der Schauspieler Uwe Schmieder, entblößt bis auf die Unterhose, eine Rede, die Dr. Stein vor dem Europaparlament gehalten hat. Anschließend wird der Wissenschaftler von einem Unbekannten überfahren. (…) Die besten Effekte macht die Aufführung mit ihrer optischen Aufbereitung, die seit Langem eine Spezialität des Dortmunder Hauses darstellt. Nicht Bühnenbild, sondern Graphic Art sowie Film-Still-Photography (Susanne Priebs beziehungsweise Laura N. Junghanns) bestimmen das Design: verblüffend, wenn die namenlosen Gesichter von europäischen Politikern auf vielen Screens verschwinden und durch ebenso namenlose, nur sekundenkurz aufzuckende Gesichter von Chinesen ersetzt werden. Wahrhaftig, China ist nah!“ 
Süddeutsche Zeitung, 9.4.2017

„Spannend genug ist es ja, bei Memory Alpha im Studio des Schauspiels Dortmund vorgeführt zu bekommen, wie wenig verlässlich das menschliche Gedächtnis ist. Ed. Hauswirth inszeniert die Uraufführung des Stücks von Anne-Kathrin Schulz. Sie hat auch Die Schwarze Flotte geschrieben, jenen monumentalen Monolog über die Schmuggelwege für Flüchtlinge über das Mittelmeer. In der aktuellen Produktion geht es ebenfalls um ein brisantes Thema: Die Gefahr durch das digitale Gedächtnis. (..) Da ist der Soziologe Dr. Stein (Uwe Schmieder), der vor führenden EU-Politikern in Brüssel davor, die Privatsphäre aufzulösen. Und kurz darauf erleidet er einen tödlichen Verkehrsunfall. Da ist seine Frau, die Gedächtnisforscherin Prof. Kleinert (Friederike Tiefenbacher), die in ihren Experimenten Versuchspersonen falsche Erinnerungen einpflanzt, so dass der Biologie-Student Grünfeld (Christian Freund) glaubt, er habe als Kind den Hund der Nachbarn mit dem Messer getötet. Und da ist Steins Schwester (Caroline Hanke), die an einem seltenen Syndrom leidet, an Highly Superior Autobiographical Memory (HSAM), was dazu führt, dass sie sich an alle persönlichen Erlebnisse detailliert erinnert. Packend sind die Momente, in denen die realen Hintergründe des Textes ausgebreitet werden. Susanne Priebs hat als Bühnenbild eine Architektur aus Bildschirmen geschaffen. Wenn Schmieder als Stein seine Brüsseler Rede hält, sieht man ihn vor einer Wand aus Passfotos, eben den zuhörenden Politikern. Und immer, wenn er von China spricht, blitzt kurz eine parallele Galerie aus asiatischen Gesichtern auf. Wenn das Ensemble wichtige Momente im kollektiven Gedächtnis aufschlüsselt – Mondlandung, Unfall Lady Di, Terroranschlag vom 11. September 2001 –, dann erscheinen entsprechende Fotos. Eine Erinnerungsszene wiederholen Schmieder und Tiefenbacher, aber mit leicht verändertem Text, was die Unzuverlässigkeit der Erinnerung treffend verdeutlicht. (…) Wunderbar engagiert und konzentriert auftretende Darsteller!“
Westfälischer Anzeiger, 9.4.2018

„Das Internet vergisst nichts. Der Mensch schon – und da kann man sogar nachhelfen. Sogar Erinnerungen an nie geschehene Ereignisse lassen sich ins menschliche Gedächtnis einspeisen. Wer sind wir, wenn wir unseren eigenen Erinnerungen nicht mehr trauen können?“ 
Ruhr Nachrichten, 9.4. 2018 

„Im Stück Memory Alpha oder Die Zeit der Augenzeugen dreht sich alles um das Thema Gedächtnis. Das Vergessen von Erinnerungen, das Behalten von Erinnerungen und vor allem das Verändern von Erinnerungen. Wenn das menschliche Gedächtnis fehlbar ist, was ist eigentlich mit dem elektronischen? Vergisst die Cloud? Können elektronische Gedächtnisse manipuliert werden? Ed. Hauswirth macht aus dem Stück zwar keine wissenschaftliche Vorlesung, doch während der 90 Minuten lernen die Zuschauer einiges über das menschliche Gehirn. Wie kollektive Erinnerungen entstehen (jeder weiß sicher, wo er sich am 11.09.2001 befand), aber auch wie Erinnerungen durch Experimente gefälscht werden können. Was bringt die Zukunft? Werden uns gefakte Erinnerungen eingepflanzt wie im Film Total Recall und wir erinnern uns an Dinge, die wir gar nicht getan haben? Werden wir von einem elektronischen Gedächtnis kontrolliert, das sich unsere guten und bösen Taten merkt? Memory Alpha ist ein gelungenes Stück im besten Sinne des Aufklärungstheaters.“ 
ars tremonia, 9.4.2018

„‚Es geht um Hirnforscher, die Menschen falsche Erinnerungen einpflanzen und die Frage, ob Algorithmen nicht für eine viel bessere Welt sorgen könnten, wenn Menschen doch so unzuverlässig sind. [Am Tag darauf dann Claudia Bauers Schöpfung:] Beide Aufführungen zusammen ergeben eine spannende Annäherung an die Frage, ob der Mensch die Kontrolle über seine Schöpfung behalten wird.“ 
Deutschlandfunk, 8.4. 2018

Kommentare

Andreas Schröter, 03. Juni 2018
„Memory Alpha oder Die Zeit der Augenzeugen“, ein Theaterstück das ich gestern nun auch endlich im Dortmunder Schauspielstudio gesehen habe (Premiere war schon Anfang April), hat mich nicht recht überzeugt. Meiner Ansicht nach werden (mindestens) zwei Themen verwoben, die nichts miteinander zu tun haben. Zunächst hält Uwe Schmieder einen langen Monolog gegen das Orwellsche Vorhaben Chinas, seine Bürger zu überwachen und sie mit einem Punktesystem zu loben und zu bestrafen. Verbunden ist dieser Monolog mit der Warnung, so etwas könne auch hier passieren. Im weiteren Verlauf des Stücks, an dem neben Schmieder die Schauspieler Caroline Hanke, Friederike Tiefenbacher und Christian Freund beteiligt sind, geht es dann aber um die Unsicherheit der eigenen Erinnerung und die Möglichkeit, jemandem per Suggestion eine Erinnerung zu etwas einzupflanzen, das nie stattgefunden hat. Caroline Hanke verkörpert eine Frau, die nichts vergessen kann und über die totale Erinnerung verfügt. Insofern zerfällt diese Produktion ein wenig in ihre Einzelteile und ergibt kein geschlossenes Ganzes. Regie führt Ed. Hauswirth, das Stück stammt von Anne-Kathrin Schulz.
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04. Juli 2018

Beginn: 20:00 Uhr

ENDE: 21:30 Uhr

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