Schauspiel

2010 -2020

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»Danke für alles!« – Schauspielintendant Kay Voges verabschiedet sich

Das Theater ist geschlossen. Keine Zuschauenden, keine Schauspielenden, keine Proben. Nur noch im Netz ist eine Inszenierung zu sehen, aus dem Jahre 2014. Gestern wäre wieder eine der Premieren des großen Abschiedsfinales am Schauspielhaus gewesen – stattdessen nun die traurige Gewissheit, in dieser Saison den Vorhang nicht mehr öffnen zu dürfen.

25. April 2020. Wegen der COVID-19-Pandemie ist eine Massenkontaktsperre verordnet. Die Orte des kollektiven Kulturerlebens sind geschlossen, als Maßnahme zur Verlangsamung der Ausbreitung des Corona- Virus in Deutschland.
Nun blättere ich die Endkorrekturfahne unseres Abschlussbuches durch, lese die Geschichten und Gedanken, erinnere mich an die vielen Figuren und Worte und Augenblicke aus den letzten 10 Jahren. 

Und neben der Melancholie und Trauer, dem Publikum und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht von Angesicht zu Angesicht Lebewohl sagen zu können, überkommt mich ein Gefühl der Dankbarkeit. Gegenüber der Stadt Dortmund, der Kulturpolitik und besonders Jörg Stüdemann, für das Zutrauen und Vertrauen, für die Unterstützung. Auch gegenüber den Geschäftsführenden Direktor:innen Bettina Pesch und Tobias Ehinger samt der gesamten Verwaltung, die vieles möglich machten und mir so vieles beigebracht haben, von dem ich vorher gar nichts wusste (so werde ich Dortmund auch als Brandschutz und Vergabeverordnungsfachmann verlassen).
Dankbar bin ich all den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Theaters, den Werkstätten, der Kasse und dem Einlassdienst, der Medien-, der Licht- und der Tonabteilung, der Maske und der Garderobe und nicht zuletzt der Bühnentechnik – für den permanenten Versuch, das „unmögliche Theater” möglich zu machen. Und all den Künstlerinnen und Künstlern, die an unser Haus kamen und uns bereicherten durch ihre Arbeiten, ihre Impulse und ihren Mut.
Dankbar bin ich auch meinem Team, der Dramaturgie, der Theaterpädagogik, der Presseabteilung, der Intendanz. Alles was in den letzten 10 Jahren stattfand, entstand wegen dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie haben durch ihre Suche und Arbeit Menschen zusammengebracht, Themen gesetzt, Experimente gewagt, haben mein Weltbild verändert und mich auch in weniger guten Zeiten ausgehalten. Mein Dank gilt natürlich auch dem Ensemble, neben den Assistent:innen, Inspizient:innen, Souffleusen besonders den Schauspielerinnen und Schauspielern. Sie waren das Herz, die Stimme und der Körper des Theaters, mit ihnen habe ich gelacht, geweint und das Theater immer wieder neu gelernt. Wenn auch ihre Kunst eine flüchtige ist, so hat sich ihr Spiel tief in meinen Körper eingebrannt. Sie waren ein Geschenk für mich – und vielleicht auch für die Stadt.
Und nicht zuletzt bin ich Ihnen dankbar, dem Publikum. Es war eine Freude, für Sie Theater machen zu dürfen, denn Sie waren offen, begeisterungsfähig und niemals unkritisch. Danke für die gemeinsame Zeit, ich werde Sie vermissen!

„Man kann nicht aus einem Wald herausgehen, wie man in ihn hineingegangen ist”, lautet ein Sprichwort. Das gilt auch für eine Theaterintendanz. Ich bin älter geworden, grauer, faltiger, und ich habe viele neue Freunde gefunden, habe geheiratet. Und wenn es stimmt, dass jede Zelle des Körpers sich alle sieben Jahre erneuert, so haben sich in Dortmund das Theater und all die Menschen, die ich kennenlernen durfte, in mich eingeschrieben, sind Teil von mir geworden. Da Theaterregisseur:innen eine Neigung zu symbolischen Handlungen haben, wollte ich mir als
Liebeserklärung zum Abschluss meiner Zeit in Dortmund einen Stern über das Herz tätowieren lassen. Nun haben aber auch die Tattoostudios wegen Corona geschlossen. Somit teile ich nun kein Foto meines Sterntattoos mit Ihnen, jedoch dieses Buch, mit Bildern und Gedanken, die der Redaktion unter die Haut gingen – und vielleicht auch ein Teil von Ihnen wurden.

Schön war es, danke und auf Wiedersehen!

Ihr Kay Voges