KJT

Inklusion als Teil des Theateralltags: Kinder- und Jugendtheater Dortmund zieht Bilanz der Förderung „Neue Wege“

Zahlreiche Maßnahmen, die Barrieren abbauen, Teilhabe stärken und neue Perspektiven auf Theater eröffnen

Szene aus „Das Gewicht der Ameisen“ (c) Birgit Hupfeld

Audiodeskriptionen, Gebärdensprachverdolmetschungen, Angebote in Leichter Sprache, inklusive Theaterprojekte und bauliche Verbesserungen: Mit dem Abschluss der Förderung „Neue Wege“ zieht das Kinder- und Jugendtheater (KJT) Dortmund eine umfassende Bilanz seiner Inklusionsarbeit. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Maßnahmen entwickelt, die Barrieren abbauen, Teilhabe stärken und neue Perspektiven auf Theater eröffnen. Viele dieser Angebote sind inzwischen fester Bestandteil des Theateralltags und prägen die Entwicklung eines Theaters, das allen Menschen offensteht.

„Theater lebt von unterschiedlichen Perspektiven. Die vergangenen Jahre haben uns gezeigt, wie sehr Barrierefreiheit und Teilhabe nicht nur das Publikum, sondern auch unsere künstlerische Arbeit bereichern. Inklusion macht Theater nicht kleiner, sondern größer.“ (Andreas Gruhn – Intendant Kinder- und Jugendtheater)

Wie kann Theater für möglichst viele Menschen zugänglich werden? Mit dieser Frage hat sich das Kinder- und Jugendtheater Dortmund in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt. Die Förderung „Neue Wege“ ermöglichte es, Barrieren abzubauen, neue Zugänge zu schaffen und inklusive Strukturen nachhaltig im Theater zu verankern.

Neue Zugänge zum Theater
Ein Schwerpunkt der Arbeit lag auf der Entwicklung barrierefreier Theaterangebote. Für blinde und sehbehinderte Menschen entstanden Audiodeskriptionen, Audioeinführungen und Tastführungen. Mit der Produktion Das Gewicht der Ameisen wurde zudem erstmals eine künstlerisch integrierte Audiodeskription umgesetzt. Die Produktion wurde beim Westwind-Festival – Theatertreffen für Junges Publikum in NRW sowohl mit dem Publikumspreis als auch mit dem Preis der Fachjury ausgezeichnet. In der Begründung der Fachjury wurde besonders die gelungene und konsequente künstlerische Integration der Audiodeskription hervorgehoben, die nicht als Zusatz, sondern als selbstverständlicher Bestandteil der Inszenierung erscheint und eine gleichberechtigte Theatererfahrung für sehendes und blindes Publikum ermöglicht. Für taube und stark schwerhörige Zuschauer*innen wurden Produktionen wie die Familienstücke Don Quijote, Dornröschen – Hundert Jahre im Land der Träume und Die Schneekönigin mit Deutscher Gebärdensprache zugänglich gemacht. Auch Menschen mit Lernschwierigkeiten oder geringen Deutschkenntnissen wurden stärker in den Blick genommen. Zusammenfassungen in Einfacher Sprache sowie begleitende Workshops erleichtern den Zugang zu den Inszenierungen. Mit Wir Tiere wurde 2026 erstmals eine Produktion in Einfacher Sprache am Kinder- und Jugendtheater Dortmund gezeigt.

Mitbestimmung und künstlerische Vielfalt
Inklusion bedeutet am KJT nicht nur Zugänglichkeit, sondern auch Mitgestaltung. Mit dem Jungen Theater Rat entstand ein dauerhaftes Beteiligungsformat, in dem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene das Theater aktiv mitgestalten und ihre Perspektiven einbringen. Auch bei den Planungen der neuen Jungen Bühne Dortmund wurden ihre Ideen berücksichtigt. Darüber hinaus wurden inklusive Theaterprojekte und Kooperationen mit mixed-abled Ensembles ausgebaut. Im Rahmen der Gastspielreihe MIX IT! waren in den vergangenen Spielzeiten insgesamt neun inklusive Ensembles am KJT zu Gast. Produktionen wie Time to Shine, OTTO AUGENMERK TAPED KUNTERBUNT oder die Zusammenarbeit mit dem Theater Thikwa und dem POUR Ensemble eröffneten neue künstlerische Perspektiven und machten Vielfalt auf der Bühne sichtbar.

Barrierefreiheit nachhaltig verankern
Neben der künstlerischen Arbeit wurden auch die räumlichen Voraussetzungen weiterentwickelt. Neue Beschilderungen, ein Blindenleitsystem, ein optisches Einlasssignal, technische Ausstattung für Audiodeskription sowie Orientierungsvideos erleichtern den Theaterbesuch. Die Erfahrungen aus dem Projekt flossen zudem in die Planungen des Jungen Theater Dortmund ein, damit Barrierefreiheit von Beginn an mitgedacht wird.
Ergänzt wurde die praktische Arbeit durch Sensibilisierungsangebote.

Inklusion als dauerhafte Aufgabe
Mit dem Ende der Förderung „Neue Wege“ endet die Inklusionsarbeit am Kinder- und Jugendtheater Dortmund nicht. Viele der entwickelten Formate sind inzwischen fest im Spielbetrieb verankert und werden kontinuierlich weiterentwickelt.
Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass Barrierefreiheit, Mitbestimmung und künstlerische Qualität eng miteinander verbunden sind. Inklusion wird am Kinder- und Jugendtheater Dortmund deshalb nicht als zeitlich begrenztes Projekt verstanden, sondern als dauerhafte Aufgabe und als wesentlicher Bestandteil eines Theaters für alle.