Die Künstler*innenresidenz

Auf die Wut, nicht das, was ohnehin an Arbeit geleistet wird, sichtbar zu machen, reagiert die Künstler*innenresidenz mit Raum, Zeit und finanziellen Ressourcen. Künstler*innenresidenzen geben den Raum, um Ideen zu entwickeln, Konzepte auszuarbeiten, eigenen künstlerischen Interessen Raum zu geben. Bei gesellschaftlich marginalisierten Künstler*innen aber zeigt sich auch, dass oft bereits alles vorhanden ist an Recherche und Konzept, und das Einzige, was fehlt, lediglich ein Theater ist, dass Ressourcen zur Verfügung stellt. Und noch wichtiger – im Sinne von Gayatri Chakravorty Spivak – denen zuhört, die durch national bestimmte Narrative in der Unsichtbarkeit sprechen. Die erste Phase findet im September/Oktober 2022, die zweite Phase im April/Mai 2023 statt.

Das Tor

Havin Al-Sindy mit Sinthujan Varatharajah und Eva Busch

Havin Al-Sindy, Sinthujan Varatharajah und Eva Busch

 

Die bildende Künstlerin Havin Al-Sindy, die Kulturarbeiterin Eva Busch und der*die Performancekünstler*in Sinthujan Varatharajah haben Tore im öffentlichen Raum bauen lassen, um diese als Gesprächs- und Workshopanlässe zu nutzen. Aus dem daraus gesammelten Wissen entwickeln die Künstler*innen eine Performance, die sich im Kontext von Flucht und verlassener Architektur bewegt und dabei unkonventionellen Perspektiven Raum bietet.

Die erste Phase findet vom 17. -28. Oktober 2022 und 07. 13. November 2022, die zweite Phase im April/Mai 2023 statt; am 25. Mai 2023 wird es eine öffentliche Präsentation geben.

Das Tor als Eingang

„Das Haus, das vor mir stand, war nicht das Haus, an das ich mich erinnern sollte.“  (Mutter)

Der Ausgang der Idee war ein gemeinsames Gespräch zwischen Havin Al-Sindy und Sinthujan Varatharajah. Sie tauschten sich darüber aus, woran sie sich erinnern, wenn sie an die Wohnorte denken, die sie oder ihre Eltern verlassen mussten. Diese Orte liegen auf verschiedenen Kontinenten. Im Gespräch ist den beiden aufgefallen, dass die Erfahrungen zwar unterschiedlich waren, die Erinnerungen daran sich aber ähnlich anfühlen. Zentraler Moment in den Erinnerungen beider war das Tor als Eingang zu ihren Häusern.

In der diesjährigen Künstler*innenresidenz werden die beiden Tore nachgebaut und sollen den Erinnerungen dabei möglichst ähnlich sein. Die Nachbildungen werden im öffentlichen Raum in Dortmund aufgestellt, wo die Künstler*innen selbst und andere ihnen erneut begegnen können.

Neben der Arbeit mit den nachgebauten Toren entsteht ein Film. Hierfür möchte die Künstlerin auf der Suche nach gemeinsamen Erinnerungen Interviews mit kurdischen und tamilischen Müttern führen, vor allem weil es auch Havin Al-Sindys und Sinthujan Varatharajahs Mütter waren und sind, die ihre Erinnerung an das Tor weitergegeben haben.

Aufruf zum Mitmachen

Für diese Begegnung sucht Havin Dortmunder*innen ab 14 Jahren, die dabei mitmachen wollen, sich performativ, also mit ihren Körpern, den Toren anzunähern. Gemeinsam entwickeln sie Bewegungsabläufe, die sich mit den Toren beschäftigen, aber auch neue Gebäude entstehen lassen. Vielleicht tragen einige von ihnen ähnliche Erinnerungen in sich. Wie könnte das aussehen, gemeinsam mit Körpern ein neues Haus zu bauen? Wie fühlt es sich an, sich einer Erinnerung zu nähern, die nicht meine eigene ist?

Havin Al-Sindy wird für die Zusammenarbeit mehrere Schulen besuchen und dort in Workshops mit den Jugendlichen zusammen an der Performance arbeiten. Bei Interesse können einzelne Klassen sich auch eigenständig anmelden, damit die Künstler*innen bei ihnen vorbeikommen.

Anmeldung unter stadtdrama@theaterdo.de