Bildhaftigkeit und Klangsinnlichkeit stehen im Zentrum des 6. Philharmonischen Konzerts der Dortmunder Philharmoniker. Unter der Leitung von Generalmusikdirektor Jordan de Souza entfaltet sich am Dienstag, 17. März, und Mittwoch, 18. März 2026, jeweils um 19:30 Uhr im Konzerthaus ein Programm französischer Prägung, das Klangfarben in leuchtenden Schattierungen aufscheinen lässt: Claude Debussys Prélude à l’après-midi d’un faune, Thierry Escaichs Orgelkonzert Nr. 3 Quatre Visages du temps sowie Modest Mussorgskys Bilder einer Ausstellung in der legendären Orchestrierung von Maurice Ravel. Gast der Dortmunder Philharmoniker ist an beiden Abenden der französische Ausnahmeorganist Thierry Escaich.
Undenkbar wäre der Aufschwung der französischen Musik im 20. Jahrhundert ohne die Leitfiguren Claude Debussy und Maurice Ravel. Debussys erstes Meisterwerk, das Prélude à l’après-midi d’un faune, öffnete mit seinem geradezu magischen Flötenbeginn das Tor zu einer neuen, verführerischen Klanglichkeit. Inspiriert von Stéphane Mallarmés symbolistischer Dichtung, entfaltet Debussy eine schwebende, irisierende Musik, die weniger erzählt als andeutet – ein Klanggemälde von betörender Sinnlichkeit und subtiler Farbigkeit.
Mit Thierry Escaich rückt eine der bedeutendsten Musikerpersönlichkeiten Frankreichs in den Fokus des Abends. Escaich gehört zur Crème de la Crème der Organisten unserer Zeit. Im Dezember 2024 wurde er zum Titularorganisten der Pariser Kathedrale Notre-Dame ernannt, als das berühmte Gotteshaus nach dem verheerenden Brand feierlich wiedereröffnet wurde. Zugleich ist Escaich einer der führenden französischen Komponisten der Gegenwart und setzt mit dieser Doppelbegabung eine ehrwürdige, bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition fort.
In Dortmund ist er in eben dieser Doppelfunktion zu erleben – als Solist seines Orgelkonzerts Nr. 3 Quatre Visages du temps. Das groß angelegte viersätzige Werk ist eine klangliche Reise durch die Musikgeschichte: von der barocken Passacaglia über sinfonische Verdichtungen bis hin zu rhythmischen Impulsen, die an die Discomusik unserer Zeit erinnern. Escaich erweist sich darin als Meister der Klangfarbe, der die Orgel nicht nur als sakrales Instrument, sondern als schillerndes, orchestral gedachtes Klangzentrum begreift. Virtuosität, architektonische Klarheit und spontane Energie verbinden sich zu einem Werk, das Tradition und Gegenwart miteinander verzahnt.
Als beispielloser Orchesterzauberer zeigt sich Maurice Ravel in seiner Instrumentation von Modest Mussorgskys Klavierzyklus Bilder einer Ausstellung. Der immense Erfolg des Werkes ist untrennbar mit Ravels farbenreicher Orchestrierung verbunden, die den verschiedenen musikalischen Charakterstudien ein individuelles, unverwechselbares Klanggewand verleiht. Wie bei einem Gang durch eine Galerie entfaltet sich eine Folge scharf konturierter Szenen – mal verspielt und quirlig, mal düster und abgründig –, die schließlich im triumphalen „Großen Tor von Kiew“ ihren glanzvollen Höhepunkt findet. Hier verschmelzen orchestrale Pracht und architektonische Monumentalität zu einem überwältigenden Finale.
Thierry Escaich studierte am Pariser Conservatoire, wo er zahlreiche erste Preise erhielt, und machte sich früh als Improvisator, Organist und Komponist einen Namen. Seine Werke werden weltweit von führenden Orchestern und Solisten aufgeführt. Neben seiner langjährigen Tätigkeit an der Pariser Kirche Saint-Étienne-du-Mont, die mit einer der berühmten Orgeln von Aristide Cavaillé-Colle ausgestattet ist, wirkte er lange als Professor für Komposition und Improvisation in Paris. Sein Schaffen verbindet französischen Klangsinn mit rhythmischer Energie und einem besonderen Sinn für einen überzeugenden, die Hörerschaft mitnehmenden Aufbau der Musik.
Am Pult steht Generalmusikdirektor Jordan de Souza, der seit Beginn seiner Dortmunder Amtszeit mit klug konzipierten Programmen und stilistischer Vielseitigkeit Akzente setzt. Mit feinem Gespür für Transparenz und dramatische Entwicklung widmet er sich an diesem Abend ganz der Kunst der Klangmalerei – vom schwebenden Impressionismus Debussys über Escaichs zeitgenössische Klangvision bis hin zu Ravels orchestraler Brillanz.
Bilder einer Ausstellung – neu gesehen
Was passiert, wenn Musik Bilder zum Leben erweckt?
Inspiriert von Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung entstanden in einem Kooperationsprojekt zwischen der VHS Dortmund und den Dortmunder Philharmonikern zehn zeitgenössische Bildwerke, die im Rahmen des 6. Phillharmonischen Konzertes präsentiert werden. Unter Anleitung zweier Künstlerinnen der VHS Dortmund (Annette Endtricht & Anette Göke) näherten sich die Teilnehmenden einer eigentümlichen Verbindung von Kunst und Musik – zwischen Fantasie, Erinnerung und Gegenwart. Die Werke greifen die Ideen der teilweise verschollenen Bilder Viktor Hartmanns auf und fragen:
Welche Bilder entstehen heute im Kopf, wenn diese Musik zu uns spricht?
Ausstellung und Einführung zu Bilder einer Ausstellung im Konzerthausfoyer ab 18:30 Uhr
Konzerteinführung um 19:00 Uhr im Komponistenfoyer
Deutschlandfunk Kultur überträgt dieses Konzert live, danach steht es für 30 Tage in der Deutschlandfunk-App zum Nachhören bereit.
Karten für das 6. Philharmonische Konzert sind im Vorverkauf an der Theaterkasse im Kundencenter, telefonisch unter 0231/50 27 222 und im Webshop ▶ erhältlich.