Neu.Start!
Kalender
Schauspiel 2020/21

So nah, so fern

Der Start in eine neue Spielzeit ist immer etwas Besonderes, doch in diesem Jahr ist der Neustart am Theater Dortmund außergewöhnlich. Zum einen starten wir am Schauspiel mit der Intendantin Julia Wissert, dem neuen Team und dem neuen Ensemble. Zum anderen starten die sechs Sparten in eine neue Spielzeit, die uns alle vor Herausforderungen stellt. Denn noch immer sind wir aufgefordert, aufeinander achtzugeben und unsere Gesundheit zu schützen. Wir müssen Distanz halten – auch wenn wir uns, unsere Freund:innen und Familie herzlich umarmen und begrüßen möchten. Wir sollen Versammlungen in geschlossenen Räumen meiden  - und müssen doch zur Arbeit und zur Schule gehen. Und jetzt laden wir Sie ein ins Theater zu kommen  - ist das sicher und möglich in diesen Zeiten?

Wir laden Sie ein, zu uns zu kommen, denn wir haben ein Hygiene- und Sicherheitskonzept, das die Gesundheit aller schützt - die Gesundheit unserer Mitarbeiter:innen und Ihre Gesundheit im Zuschauerraum.

Wir laden Sie ein, weil das Theater ein hervorragendes Distanzmedium ist. Sie halten Abstand: zu den Menschen, die neben Ihnen sitzen und zu den Ereignissen auf der Bühne. Sie halten Abstand und sind doch ganz nah dran. Denn während Sie sicher auf ihrem Platz sitzen, kommen sie ganz nah. Nah an die Gefühle und Geschichten auf der Bühne, sie erleben hautnah Freude und Glück, aber auch Leid und Schmerz. Sie reisen durch Zeit und Raum, werden mitgenommen in andere Welten oder sehen die Welt mit anderen Augen. Oder Sie lernen Dortmund ganz neu kennen und entdecken das Theater neu.  Mit Abstand eine intensive und spannende Erfahrung, eine Reise ohne Risiko. Kommen Sie mit!

Das neue Schauspiel Dortmund setzt sich mit drei Premieren in Bewegung: 

Einmal quer durchs Theater geht es am 24.09.: Lernen Sie das neue Ensemble kennen und entdecken Sie das Schauspiel neu. Das Ensemble führt Sie an ungewöhnliche Orte und zeigt in kurzen Szenen, wer sie sind, was wie wollen und was sie beschäftigt.

Quer durch die Stadt und die Zeiten bewegen wir uns mit der Eröffnungs-Inszenierung von Julia Wissert 2170 – WAS WIRD DIE STADT GEWESEN  SEIN, IN DER WIR LEBEN WERDEN?  Ein Weg durch die Stadt in fünf Texten und vielen Schritten (25.9. – 03.10.). KeineAngst vor Morgen verspricht der musikalische Abend LUST FOR LIFE (Premiere 07.10.).

Hinter den Kulissen

Aktuelles

Schauspiel

Schauspiel startet mit Uraufführung »2170« in die neue Spielzeit

Julia Wissert stellt in »2170 – Was wird die Stadt gewesen sein, in der wir leben werden?« die Geschichte und Zukunft Dortmunds ins Zentrum.

Schauspiel

Immer wieder sonntags: Blicke hinter die Kulissen des Schauspiels

Ab Oktober finden Matineen und Werkstattgespräche zu den Produktionen statt

KJT, Schauspiel

Vorverkauf für Schauspiel und KJT beginnt

Ab dem 26. August sind Tickets für die Vorstellungen im September und Oktober erhältlich

Philharmoniker, Schauspiel

Theater Dortmund geht „Neue Wege“

Das NRW Kultursekretariat fördert Dortmunder Philharmoniker und Schauspiel Dortmund

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Zukunft ändern

Vor sechs Monaten haben wir begonnen, über die Zukunft nachzudenken: über die Zukunft des Theaters, die Zukunft der Stadt, die Zukunft von Dortmund, unsere Zukunft in Dortmund, und wir haben uns gefragt, wie man überhaupt über Zukunft nachdenken kann. Wann beginnt die Zukunft und wo bleibt sie, wenn sie vergangen ist? Wo lagert sich vergangene Zukunft ab? Liegt sie wie feiner Staub in den Rissen der Mauern, finden wir sie unter dem Pflaster?

Sicher waren wir, dass das Theater der richtige Ort ist, um Zukunft zu denken, denn im Theater können wir uns alles ausdenken. Wir können Zukünfte entwerfen und erfinden – und das alles nicht nur im Kopf, sondern spielend auf der Bühne. Wir zeigen Welten, die keiner zuvor gesehen hat. Dachten wir.

Doch was dann geschah, konnten wir uns nicht ausdenken. Heute, sechs Monate später, ist unsere Zukunft längst vergangen. Denn alles blieb stehen. Von einem Moment zum anderen. Plötzlich und unerwartet blieb alles stehen und nichts war wie zuvor. Alles ändert sich. Dachten wir.

Selten zuvor wussten wir so wenig über die Zukunft, dachten wir. Pläne, Programme und Prognosen scheinen plötzlich sinnlos zu sein, stumpf die Entwürfe und Theorien, die Systeme und die Sicherheit. Oder waren sie das immer schon? Haben wir nur geglaubt und gehofft, wir würden wissen und planen und kontrollieren? Wir stellen Fragen und merken, dass sie falsch sind.

Können wir im Herbst Theater machen? – Ja. Bestimmt. Aber: Wie gut, das zu wissen. Nur wenige Theatermacher:innen und Künstler:innen auf dieser Welt können sicher planen und arbeiten.

Werden wir noch Publikum haben? – Das weiß man nie. Hoffentlich. Oder Partner:innen. Kollaborateur:innen.

Werden wir unsere Arbeit behalten?  - Wir schon. Erst mal. Andere nicht.

Was wird Arbeit in Zukunft sein? – Andere Frage: Welche Arbeit wollen und brauchen wir in Zukunft?

Werden wir in Zukunft noch Stadttheater haben?  - Hoffen wir. Wenn die Stadt uns braucht.

Theater sind systemrelevant! – Für welches System?

Theater sind relevant! – Für wen?

Corona ändert nicht die Welt, sie hält sie an und erlaubt uns einen langen, scharfen Blick. Einen Blick auf ein Karussell, das sich sonst rasend schnell dreht und von dem wir nichts als die bunten Lichter vorbei rauschen sehen, doch hält es an, erkennen wir scharfe Kanten. Corona macht sichtbar, was zu übersehen so leicht war in all dem Lärm der falschen Hoffnungen und gutgemeinten Absichten. Ungleichheit und Ungerechtigkeit, Privilegien  und Hierarchien, Macht und Ohnmacht, Gewinner und Verlierer  - all das tritt zu Tage. Wird sichtbar. Mehr ist nicht passiert. Ob sich was ändert, liegt an uns.

Sabine Reich