Theater

Die Spielzeit 2026|27 des Schauspiels, des KJT sowie der Akademie ist veröffentlicht!

Schauspiel Dortmund, Kinder- und Jugendtheater Dortmund und Akademie für Theater und Digitalität stellen ihre Spielpläne 2026|27 vor

Heimat im Wandel: Theater zwischen Stadt, Erinnerung und Gegenwart: Spielplan 2026/27 im Schauspiel Dortmund
Mit acht Premieren zwischen Kokerei Hansa, neuer Raumbühne im ehemaligen C&A-Gebäude und der Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2027

„Heimat ist kein gegebener Zustand, sondern eine Aushandlung“, so Schauspielintendantin Julia Wissert. Die neue Spielzeit des Schauspiel Dortmund versteht die Interimszeit als Bewegung durch die Stadt selbst. Spielorte werden zu künstlerischen Setzungen, der Stadtraum zum Resonanzraum von Zugehörigkeit, Differenz und Gegenwart.
Fünf Premieren, zwei Wiederaufnahmen und ein erweitertes Rahmenprogramm entfalten sich über drei Orte hinweg. Theater erscheint dabei weniger als Institution, denn als Praxis in ständiger Verlagerung.

Stimmen, Körper, Gegenwart
Im September 2026 eröffnet die Spielzeit im Studio im Schauspielhaus mit Einar Schleefs Salome in der Regie von Regieassistentin Madita Scülfort. Aus der Perspektive der Mutter, Herodias, entsteht ein konzentriertes Kammerspiel über Körper, Begehren und Gewalt. Fragment und Verdichtung verschieben den Stoff in eine Gegenwart, in der private und gesellschaftliche Machtverhältnisse ineinandergreifen. Parallel dazu entwickelt das Schauspiel Dortmund seine inklusive Theaterpraxis weiter. Unter dem Titel „Theater für Viele“ werden Kooperationen mit inklusiven Künstler*innen sowie Expert*innen für Barrierefreiheit ausgebaut. Mit „Studio Hurra!“ entsteht ein zweistufiges Residency-Programm für inklusive künstlerische Praxis. Eine Werkschau am 28. und 29. November 2026 gibt Einblick in die in zwei Phasen entwickelten Arbeiten.

Industrie als Resonanzraum von Arbeit und Öffentlichkeit
Im November 2026 wird die Kokerei Hansa mit Bertolt Brechts Die heilige Johanna der Schlachthöfe in der Regie von Ariane Kareev zum zentralen Ort der ersten Spielzeithälfte. Kareev, dem Publikum bereits durch ihre Antigone aus der Spielzeit 2024/25 bekannt, entwickelt mit dem Ensemble des Schauspiel Dortmund eine vielstimmige Auseinandersetzung mit ökonomischer Gewalt, Moral und Verantwortung. Waschkaue und Kompressorenhalle werden zum Spielraum eines Gefüges, in dem Theater und Industriearchitektur ineinandergreifen. Neben dem Ensemble wirken Zirkusartistik und der Sprechchor Dortmund mit und erweitern den Raum um körperliche und kollektive Formen des Erzählens. Brechts Johanna erscheint als Suchende nach Gerechtigkeit in einer Ordnung, die Mitgefühl zur Ware macht und Handlungsspielräume systematisch begrenzt.
Bereits im Oktober kehrt Die Dreigroschenoper in der Inszenierung von Julia Wissert ins Salzlager zurück und vertieft die Auseinandersetzung mit Ökonomie und Macht.

Neue Räume für neue Erzählungen im C&A-Gebäude
Die neue Raumbühne im ehemaligen C&A-Gebäude öffnet einen weiteren Ort für zeitgenössisches Erzählen im Stadtraum. „Die blutige Kammer“ nach Angela Carter in der Regie von Julia Wissert markiert den Beginn der künstlerischen Arbeit an diesem neuen Spielort. Märchen erscheinen hier als erste Ordnungen von Welt, als frühe Bilder von Angst, Begehren und Kontrolle. Bei Angela Carter kippen diese vertrauten Strukturen in opulente, brüchige Räume, in denen Figuren sich neu verhandeln müssen. Die Bearbeitung von Şeyda Kurt übersetzt diese Bildwelten in eine theatrale Gegenwart zwischen Körper, Sprache und politischer Zuspitzung. Weitere Produktionen sowie das „Sommernacht Festival“ im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung (IGA) öffnen den Ort im Verlauf der Saison für unterschiedliche künstlerische Arbeitsweisen.

 

Geschichten, die uns anders sehen lassen und neue Perspektiven eröffnen: Spielplan 2026/2027 im Kinder- und Jugendtheater Dortmund

„Alles bleibt erstaunlich“ beschreibt keine Behauptung, sondern eine Haltung: eine Spielzeit, die Geschichten nicht als fertige Antworten versteht, sondern als Einladung, Gegenwart immer wieder neu zu betrachten. Das Kinder- und Jugendtheater Dortmund eröffnet seine Saison 2026/27 mit einem Programm, das große Erzählstoffe, neue Perspektiven und gesellschaftliche Gegenwartsbezüge miteinander verschränkt. Im Zentrum steht die Frage, wie Theater Räume schafft, in denen Welt nicht nur abgebildet, sondern gemeinsam neu wahrgenommen wird.

Von Erinnerung und Verlust
Die Spielzeit beginnt im Nahen, in Familien, Erinnerungen und biografischen Brüchen. Mit der Uraufführung von Oma Monika – was war? (ab 8 Jahren) von Milan Gather in der Regie von Antje Siebers steht zu Beginn ein Stück, das sich dem Thema beginnende Demenz auf kindgerechte, humorvolle und empathische Weise nähert. Im Zentrum stehen Erinnerung, Verlust und die Frage, wie sich familiäre Nähe verändert, wenn Vertrautes zu verschwinden beginnt. Das Familienstück Hänsel und Gretel (ab 6 Jahren) von Andreas Gruhn wird in der kommenden Spielzeit aufgrund des Neubaus der Jungen Bühne im Fritz-Henssler-Haus gezeigt. Das bekannte Märchen wird dabei in eine Gegenwart verlegt, in der Mangel, Angst und Zusammenhalt neu verhandelt werden. Im Fokus steht eine Erzählung, die vertraute Motive neu auflädt und aus der Perspektive heutiger Lebensrealitäten befragt. Die Odyssee (ab 10 Jahren) von Roy Chen in der Regie von Johanna Weißert erzählt schließlich weniger von einer heroischen Reise als von Orientierung in einer Welt, die sich ständig verschiebt.

Wenn Perspektiven sich verschieben
Wo klassische Stoffe die Welt weiten, verschieben neue Handschriften den Blick auf Verantwortung und Wahrnehmung. Mit dem Auftragswerk Miau. Oder wir könnten es so schön haben (ab 8 Jahren) nach Motiven von Erich Kästners Die Konferenz der Tiere von Anne Lepper übernimmt Ensemblemitglied Sar Adina Scheer erstmals die Regie am KJT Dortmund. Das Stück denkt Zusammenleben radikal neu, poetisch zugespitzt und unmittelbar gegenwärtig.
Ergänzt wird dieser Blick durch das multimediale Projekt Oh, schöne neue Welt, das im Rahmen der IGA 2027 auf der Kokerei Hansa entsteht und die Frage stellt, wie Zukunft überhaupt bewohnbar bleiben kann.

Ein Theater in der Stadt
Aus diesen künstlerischen Bewegungen heraus öffnet sich das Haus weiter in die Stadt. Das Kinder- und Jugendtheater Dortmund versteht sich als Ort, an dem junge Menschen nicht nur zuschauen, sondern selbst Perspektiven einbringen und verändern. Ein zentraler Bestandteil sind partizipative Projekte: Superkraft: Migrakind! (ab 14 Jahren) wird maßgeblich von Regieassistentin Israa Habasch konzipiert und geleitet und stellt Mehrsprachigkeit, Übersetzung und Identität zwischen Systemen, Familien und Erwartungen in den Mittelpunkt. Auch der Jugendclub des KJT bringt eine eigene Produktion auf die große Bühne und probt ab Herbst 2026 unter der künstlerischen Leitung von Christine Appelbaum und Lennard Walter. In Clubs, Projekten und Kooperationen mit Schulen und Partnern der Stadt wird das Theater so zum gemeinsamen Erfahrungsraum.
Auch ausgewählte Produktionen aus dem Repertoire kehren zurück und ergänzen die neue Saison, darunter das beliebte Theatererlebnis Wir Tiere (ab 4 Jahren) in Koproduktion mit JuBB, Käpten Knitterbart und seine Bande (ab 6 Jahren), Job Safari (ab 12 Jahren) und Super – der Markt für alle (ab 14 Jahren).

 

Spielplan 2026/27 in der Akademie für Theater und Digitalität

In der Spielzeit 2026/27 begreift die Akademie für Theater und Digitalität digitale Transformation nicht ausschließlich als technologische Entwicklung, sondern explizit als künstlerisches Handlungsfeld. In der Zusammenarbeit mit lokalen, nationalen und internationalen Partner*innen entstehen Konstellationen, in denen Datenökosysteme, kreative Praxis und gesellschaftliche Verantwortung systematisch ineinandergreifen. Daraus formiert sich ein dynamischer Raum, der künstlerische Produktion, institutionelle Strukturen und digitale Innovation neu miteinander verzahnt.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt [Who] Rules To Encounter untersucht, wie Begegnungen mit humanoiden Robotern künftig ästhetisch, ethisch und körperlich erfahrbar gestaltet werden können. In Kooperation mit der Künstlerin und Choreografin Silke Grabinger sowie Tänzer*innen des NRW Juniorballett und des JugendTanzTheaterBallettDortmund (beide am Theater Dortmund) sowie Studierenden und inklusiven Gruppen entstehen neue Formen der Interaktion unter veränderten technologischen Bedingungen. Diese erweitern das Spektrum möglicher Begegnungen und werden mithilfe generativer KI analysiert, transformiert und weiterentwickelt. Sie bilden zugleich die Grundlage neuer choreografischer Ansätze. Parallel wird der Prozess durch Forschende aus Dortmund (Fraunhofer IML), Wien (TU Wien) und Linz (JKU Linz) begleitet. Aus der Verbindung von künstlerischer Praxis und wissenschaftlicher Reflexion entstehen Performances, die Begegnungen mit humanoider Robotik sinnlich erfahrbar machen und zentrale Fragestellungen adressieren: Wie lässt sich das Menschliche im Verhältnis zu einer neuen technologischen Gegenüberform bestimmen und behaupten?

Vor dem Hintergrund zunehmend digitaler und hybrider Erfahrungsräume positionieren sich auch kulturelle Institutionen neu. Die Akademie setzt hier gezielt an datenbasierten Innovationsprozessen sowie an der Erforschung von Beziehungen zwischen Mensch und KI-gestützten Systemen an. Gemeinsam mit den Dortmunder Philharmonikern stellen wir uns im Horizon Europe-Projekt „EXCENTRIC“ der Herausforderung, das Publikum stärker in die darstellenden Künste einzubeziehen. Ziel ist es, ko-kreative Aufführungsformate zu erforschen, bei denen die Beiträge des Publikums den Verlauf von Live-Musik- und Theateraufführungen aktiv mitgestalten, wobei Daten nicht als analytische Ressource, sondern als künstlerisches Material betrachtet werden. Es wird ein prototypischer Ansatz entwickelt, bei dem KI-gestützt Publikumsdaten in Echtzeit in musikalische Parameter übersetzt und unmittelbar in kompositorische Prozesse mit den Dortmunder Philharmonikern integriert werden.