„Alles bleibt erstaunlich“ beschreibt keine Behauptung, sondern eine Haltung: eine Spielzeit, die Geschichten nicht als fertige Antworten versteht, sondern als Einladung, Gegenwart immer wieder neu zu betrachten. Das Kinder- und Jugendtheater Dortmund eröffnet seine Saison 2026/27 mit einem Programm, das große Erzählstoffe, neue Perspektiven und gesellschaftliche Gegenwartsbezüge miteinander verschränkt. Im Zentrum steht die Frage, wie Theater Räume schafft, in denen Welt nicht nur abgebildet, sondern gemeinsam neu wahrgenommen wird.
Von Erinnerung und Verlust
Die Spielzeit beginnt im Nahen, in Familien, Erinnerungen und biografischen Brüchen. Mit der Uraufführung von Oma Monika – was war? (ab 8 Jahren) von Milan Gather in der Regie von Antje Siebers steht zu Beginn ein Stück, das sich dem Thema beginnende Demenz auf kindgerechte, humorvolle und empathische Weise nähert. Im Zentrum stehen Erinnerung, Verlust und die Frage, wie sich familiäre Nähe verändert, wenn Vertrautes zu verschwinden beginnt. Das Familienstück Hänsel und Gretel (ab 6 Jahren) von Andreas Gruhn wird in der kommenden Spielzeit aufgrund des Neubaus der Jungen Bühne im Fritz-Henssler-Haus gezeigt. Das bekannte Märchen wird dabei in eine Gegenwart verlegt, in der Mangel, Angst und Zusammenhalt neu verhandelt werden. Im Fokus steht eine Erzählung, die vertraute Motive neu auflädt und aus der Perspektive heutiger Lebensrealitäten befragt. Die Odyssee (ab 10 Jahren) von Roy Chen in der Regie von Johanna Weißert erzählt schließlich weniger von einer heroischen Reise als von Orientierung in einer Welt, die sich ständig verschiebt.
Wenn Perspektiven sich verschieben
Wo klassische Stoffe die Welt weiten, verschieben neue Handschriften den Blick auf Verantwortung und Wahrnehmung. Mit dem Auftragswerk Miau. Oder wir könnten es so schön haben (ab 8 Jahren) nach Motiven von Erich Kästners Die Konferenz der Tiere von Anne Lepper übernimmt Ensemblemitglied Sar Adina Scheer erstmals die Regie am KJT Dortmund. Das Stück denkt Zusammenleben radikal neu, poetisch zugespitzt und unmittelbar gegenwärtig.
Ergänzt wird dieser Blick durch das multimediale Projekt Oh, schöne neue Welt, das im Rahmen der IGA 2027 auf der Kokerei Hansa entsteht und die Frage stellt, wie Zukunft überhaupt bewohnbar bleiben kann.
Ein Theater in der Stadt
Aus diesen künstlerischen Bewegungen heraus öffnet sich das Haus weiter in die Stadt. Das Kinder- und Jugendtheater Dortmund versteht sich als Ort, an dem junge Menschen nicht nur zuschauen, sondern selbst Perspektiven einbringen und verändern. Ein zentraler Bestandteil sind partizipative Projekte: Superkraft: Migrakind! (ab 14 Jahren) wird maßgeblich von Regieassistentin Israa Habasch konzipiert und geleitet und stellt Mehrsprachigkeit, Übersetzung und Identität zwischen Systemen, Familien und Erwartungen in den Mittelpunkt. Auch der Jugendclub des KJT bringt eine eigene Produktion auf die große Bühne und probt ab Herbst 2026 unter der künstlerischen Leitung von Christine Appelbaum und Lennard Walter. In Clubs, Projekten und Kooperationen mit Schulen und Partnern der Stadt wird das Theater so zum gemeinsamen Erfahrungsraum.
Auch ausgewählte Produktionen aus dem Repertoire kehren zurück und ergänzen die neue Saison, darunter das beliebte Theatererlebnis Wir Tiere (ab 4 Jahren) in Koproduktion mit JuBB, Käpten Knitterbart und seine Bande (ab 6 Jahren), Job Safari (ab 12 Jahren) und Super – der Markt für alle (ab 14 Jahren).