Schauspiel

Klasse #3 mit Stephan Lessenich

Eine Gesprächsreihe am Schauspiel • Begleitend zu der Produktion »Der Platz«

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Klasse!

Klasse! #3

Grenzen der Demokratie – Teilhabe als Verteilungsproblem

Input von und Gespräch mit Stephan Lessenich, moderiert von Lola Fuchs (Schauspielerin) und Raphael Westermeier (Schauspieler)

Die moderne Demokratie soll allen Bürger*innen gleichermaßen politische Teilhaberechte gewährleisten. Doch als nationale Demokratie in globalen kapitalistischen Ökonomie ist durch eine ebenso komplexe wie dynamische Konstellation der Öffnung und Schließung von Teilhaberäumen charakterisiert. Die analytische Rede von der modernen Gesellschaft als Klassengesellschaft wird dadurch keinewegs falsch – wohl aber fundamental ergänzungsbedürftig.

Stephan Lessenich lehrt Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Politische Soziologie der sozialen Ungleichheit sowie Kapitalismusanalyse und Kapitalismuskritik. Er war von 2013 bis 2017 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS).
Das digitale Gespräch findet auf dem Schauspiel-Blog statt: Direkt zum Blog

Achtung: begrenzte Platzkapazitäten. Bitte anmelden unter: alopper@theaterdo.de.


Die französische Schriftstellerin Annie Ernaux begibt sich in Der Platz in eine literarische Auseinandersetzung mit der Beziehung zu ihrem verstorbenen Vater und ihren Herkunftsverhältnissen. Bereits 1983 – lange bevor Didier Eribon mit seinem Bestseller Rückkehr nach Reims autobiografische Erzählung mit soziologischer Analyse verschränkt – untersucht Annie Ernaux in einer leisen und zärtlichen Selbstbetrachtung die Herausforderungen und Verluste, die mit einem sozialen Aufstieg aus der Arbeiterklasse verbunden sind. Was musste geopfert werden, damit sie, als erste in der Familie, studieren konnte? Was muss zurückgelassen werden, um den Erwartungen, die mit dieser Chance verbunden sind, gerecht zu werden? Und was muss neu erlernt werden, um sich in den Regeln des Bürgertums zurecht zu finden? Die Regisseurin Julia Wissert geht diesen Fragen zusammen mit dem Ensemble nach und wird sich in einer theatralen Recherche mit den Themen Herkunft und Klasse auseinandersetzen. 

Auf Grund der Corona-Pandemie musste die Uraufführung von Der Platz auf die nächste Spielzeit verschoben werden. Doch das Produktionsteam befindet sich derzeit in einem intensiven Rechercheprozess. Das Team spürt den Beziehungen zu den eigenen Vätern nach, befragt die eigene soziale Herkunft und wie sich diese auf die Biografien auswirkt und wirft einen Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse im Bezug zu Klasse. Im Rahmen der Recherchephase finden im März vier Expert*innengespräche per Zoom statt. Die Expert*innengespräche werden von dem Produktionsteam moderiert.