Schauspiel, Musik, Bühne und Kostüm treffen auf ein Industriedenkmal, das den Abend wesentlich mitprägt und selbst Teil der Inszenierung wird. Unter der Regie von Intendantin Julia Wissert und der musikalischen Leitung von Yotam Schlezinger entsteht ein konzentrierter Ensembleabend aus Sprache, Musik und Körpern.
Zwischen Unterwelt, Geschäft und Moral
Im Zentrum steht der Ganove Macheath, genannt Mackie Messer, der in die kriminellen Netzwerke Londons verstrickt ist. Kurz vor den Krönungsfeierlichkeiten heiratet er heimlich Polly Peachum gegen den Willen seines Vaters. Peachum, der als Bettlerkönig vom organisierten Elend profitiert, erkennt in Mackie keine moralische, sondern vor allem eine wirtschaftliche Bedrohung. Ein Machtkampf beginnt, in dem Intrigen, Bestechung, Verrat und Gewalt Teil der gesellschaftlichen Ordnung sind.
Mit Die Dreigroschenoper richten Bertolt Brecht, Elisabeth Hauptmann und Kurt Weill den Blick auf die Verflechtungen von Geschäft, Macht und Moral. Das Stück erzählt keine klassische Gangsterromanze und bietet keine Identifikationsfiguren. Stattdessen zeigt es eine Welt, in der Heuchelei, Opportunismus und das Spiel mit Rollen zum Alltag gehören. Die Figuren bewegen sich in einem System, in dem wirtschaftliche Interessen gesellschaftliche Regeln bestimmen und sich die Grenzen zwischen legalem Handeln und Verbrechen zunehmend verschieben.
Ein Musiktheaterabend im Industriedenkmal
Im Salzlager der Kokerei Hansa erhält diese Konfrontation eine zusätzliche räumliche Ebene. Das Industriedenkmal wird nicht zur Kulisse, sondern zum Resonanzraum der Inszenierung. Seine Geschichte von Arbeit, Disziplin und wirtschaftlichen Abhängigkeiten spiegelt die sozialen Konflikte des Stücks und verstärkt ihre Aktualität im Hier und Jetzt.
Die Industriearchitektur mit ihrer Weite, Materialität und offenen Struktur prägt den Abend sichtbar mit. Das Publikum sitzt sich auf zwei gegenüberliegenden Seiten der Spielfläche gegenüber und erlebt das Geschehen in unmittelbarer Nähe. Bühne und Kostüm greifen dabei eng ineinander: Während Thilo Ulrich den Raum öffnet und ihn zugleich zur Spielfläche werden lässt, entwirft Lorena Díaz Stephens eine opulente Bildwelt voller Kontraste, Überhöhung und irritierender Schönheit. Glanz wird hier zur Maske und als Maske sichtbar.
Die Inszenierung entsteht gemeinsam mit Dramaturgin Cosima Schubert und Dramaturg Jasco Viefhues. Insgesamt stehen bis zu 33 Mitwirkende auf der Bühne. Schauspiel, Chor und Live-Band formen einen dichten Ensembleabend aus Musik, Körperlichkeit und Präsenz.
Tickets und Infos
Die Premiere von „Die Dreigroschenoper“ findet am Donnerstag, 4. Juni 2026, um 19:00 Uhr im Salzlager der Kokerei Hansa in Dortmund statt. Alle Vorstellungen im Juni sind bereits ausverkauft, weitere Termine folgen im Herbst 2026.