Schauspiel • Ab Juni 2026

Die Dreigroschenoper

von Bertolt Brecht (Text) und Kurt Weill (Musik) • unter Mitarbeit von Elisabeth Hauptmann

(c) Sofia Brandes & Max Slobodda

Ă–ffentliche Proben zum StĂĽck am 22. und 30. Mai â–¶

Ă–ffentliche Proben zum StĂĽck am 22. und 30. Mai â–¶

Dreigroschenoper

Die Dreigroschenoper ist keine nostalgische Operette, sondern Elisabeth Hauptmanns, Bertolt Brechts und Kurt Weills Frontalangriff auf die sogenannte bĂĽrgerliche Moral. Unter der Regie von Julia Wissert und der musikalischen Leitung von Yotam Schlezinger wird dieser zeitlose Klassiker in Dortmund zu einer sinnlich-akustischen Konfrontation an einem einzigartigen Ort: im Salzlager auf der Kokerei Hansa.

Im Zentrum steht der berüchtigte Ganove Macheath, Mackie Messer, und seine Verstrickung in die korrupte Unterwelt Londons. Kurz vor den Krönungsfeierlichkeiten heiratet er heimlich Polly Peachum – gegen den Willen ihres Vaters. Peachum, als Bettlerkönig Profiteur organisierter Armut, erkennt in Mackie keine moralische, sondern eine ökonomische Bedrohung: Ein Machtkampf beginnt. Intrigen, Bestechung, Verrat und Mord sind dabei keine Ausnahmen, sondern Mittel der Ordnung – und Mackie entzieht sich immer wieder, gestützt von alten Verbindungen und zweifelhaften Loyalitäten.

Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die GrĂĽndung einer Bank?

Die Dreigroschenoper ist nicht als Gangsterromanze gebaut. Sie lädt uns nicht zur Identifikation ein. Wir sollen im Gedächtnis behalten, dass alle Figuren falsch sind – heuchlerisch, opportunistisch, permanent mit dem Vorspielen beschäftigt. Es gibt keine moralischen Zufluchtsorte. Nicht einmal die Bettler*innen sind „echte“ Arme, sondern Teil eines kalkulierten Geschäftsmodells: Sie sind, wie der Regisseur der Uraufführung Erich Engel festhielt, Menschen, die sich mit betrügerischen Mitteln durchs Leben schwindeln.

Wo hört das Geschäft auf – und wo fängt das Verbrechen an?
Diese Frage strukturiert das ganze StĂĽck. Sie zielt nicht auf eine platte Kapitalismuskritik, nicht auf das einfache „Geld ist böse“, sondern auf jene bĂĽrgerliche Moral, die sich als Anstand tarnt und darin nichts anderes tut, als Interessen zu verwalten. Brecht und Hauptmann konfrontieren sie mit der eigenen Form: Glanz, Nummer, Ohrwurm, theatrale Größe – all das wird nicht zur Verklärung eingesetzt, sondern als Oberfläche, die sich selbst verrät. 

Kurt Weills Musik bleibt rau, direkt und widerständig – Kabarett und Jazz als Intervention, nicht als Dekor. Die Moritat von Mackie Messer zählt Verbrechen beinahe beiläufig auf: Und der Haifisch, der hat Zähne … Gerade die eingängige Melodie erzeugt Distanz: Die Musik widerspricht dem Inhalt – und macht ihn dadurch erst kenntlich. Und wenn die Diagnose fällt Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral, dann ist das keine Entschuldigung, sondern eine Zustandsbeschreibung – eine, die bis heute nichts an Schärfe verloren hat.

Im Salzlager auf der Kokerei Hansa bekommt diese Konfrontation eine zweite Ebene. Der Ort ist nicht Kulisse, sondern Resonanzraum. Seine Geschichte von harter Arbeit, Disziplin, ökonomischen Zwängen und moralischen Grenzbereichen spiegelt die sozialen Konflikte des Stücks. Backstein, Industrie, Schichtung: Hier wird unmittelbar greifbar, wie nah sich „legal“ und „legitim“ kommen können – und wie selbstverständlich Gewalt wird, wenn sie als Teil von Ordnung und Geschäft erscheint.

Der Abend arbeitet bewusst mit der Oberfläche – weil sie der eigentliche Tatort ist. Die opulenten Kostüme von Lorena Díaz Stephens sind genau das Element, das diese Moral visuell entlarvt: düster funkelnd, opernhaft, irritierend schön. Glanz wird zur Maske – und als Maske sichtbar. In Spannung dazu legt die Bühne von Thilo Ulrich den Raum frei und macht ihn zur Spielfläche und zum Kommentar: Industriearchitektur als Spiegel einer Gesellschaft, die ihre Abgründe gern hinter Ordnung, Moral und Geschäft verbirgt.

So entfaltet Die Dreigroschenoper im Salzlager auf der Kokerei Hansa ihre ganze Wirkung: lustvoll, ironisch, musikalisch verführerisch und analytisch präzise. Sie fordert keine Empathie, sondern Aufmerksamkeit. Und sie stellt keine tröstende Frage, sondern eine unbequeme: Welche Formen von Gewalt erkennen wir bereitwillig an – weil sie legal sind, gut organisiert erscheinen und sich hinter Ordnung, Moral und Geschäft verstecken?

Termine

Premiere Juni 2026 04 Donnerstag Kokerei Hansa (Salzlager) 19:00 Uhr EinfĂĽhrung: 18:30 Uhr
Tagesbesetzung
Tagesaktuelle Besetzung am 04. Juni 2026
(Änderungen vorbehalten)

Juni 2026 05 Freitag Kokerei Hansa (Salzlager) 19:00 Uhr EinfĂĽhrung: 18:30 Uhr
Tagesbesetzung
Tagesaktuelle Besetzung am 05. Juni 2026
(Änderungen vorbehalten)

Juni 2026 06 Samstag Kokerei Hansa (Salzlager) 19:00 Uhr EinfĂĽhrung: 18:30 Uhr
Tagesbesetzung
Tagesaktuelle Besetzung am 06. Juni 2026
(Änderungen vorbehalten)

Juni 2026 07 Sonntag Kokerei Hansa (Salzlager) 18:00 Uhr EinfĂĽhrung: 18:30 Uhr
Tagesbesetzung
Tagesaktuelle Besetzung am 07. Juni 2026
(Änderungen vorbehalten)

Oktober 2026 16 Freitag 19:00 Uhr
Tagesbesetzung
Tagesaktuelle Besetzung am 16. Oktober 2026
(Änderungen vorbehalten)

Oktober 2026 17 Samstag 19:00 Uhr
Tagesbesetzung
Tagesaktuelle Besetzung am 17. Oktober 2026
(Änderungen vorbehalten)

Oktober 2026 18 Sonntag 18:00 Uhr
Tagesbesetzung
Tagesaktuelle Besetzung am 18. Oktober 2026
(Änderungen vorbehalten)

Weitere Termine folgen.

Besetzung

Mackie Messer Lukas Beeler
Polly Peachum Rose Lohmann
Jonathan J. Peachum Luis Quintana
Celia Peachum Antje Prust
Tiger Brown Viet Anh Alexander Tran
Lucy Brown Fabienne-Deniz Hammer
Spelunken-Jenny Marlene Goksch, Nika Mišković
Moritatensängerin / Pastor Kimball Linda Elsner
Filch / MĂĽnzmatthias / Konstabler Sarah Quarshie
Hakenfingerjakob / Smith Puah Abdellaoui

Orchester
Klavier und Harmonium Elisabeth Waanders
Altsaxofon, Klarinette und Flöte Maximilian Shaikh-Yousef
Tenorsaxofon, Bassklarinette und Flöte Jakob Jentgens
Fagott, Bassklarinette oder Posaune Henning Nierstenhöfer
Trompete Lars Däubler
Bass, Banjo und Gitarre Yotam Schlezinger
Schlagzeug, Percussion, Multiinstrumentalist Martin Engelbach

Chorleitung Linda Michels, Isabell Zehaczek
Chor Assiba Akoho, Eva Cantürk, Elif Demirhan, Züleyha Er, Gülizar Genç, Janina Goerhke-Sander, Nesrin Hatun, Sabah Kamcili, Beate Marschke, Candan Onsoni, Perihan Özen, Ramona Pöpping, Regina Schulz, Christof Schubert, Aliye Tepe, Sema Uzun
 

Regie Julia Wissert
Musikalische Leitung Yotam Schlezinger
BĂĽhne Thilo Ullrich
KostĂĽme Lorena DĂ­az Stephens
Video Tobias Hoeft
Gesangscoaching / musik. Stimmbildung Isabelle Pabst
Dramaturgie Jasco Viefhues, Cosima Schubert
KĂĽnstlerische Produktionsleitung Frauke Becker, Mara Henni Klimek
Theatervermittlung Sarah Jasinszczak
Sprechtraining Sybille Krobs-Rotter
Licht / Video Markus Fuchs
Ton Robin Lockhart, Björn Netten, Gürkan Erdugan, Jörn Michutta
Regieassistenz Jasmin Johann, Madita ScĂĽlfort
BĂĽhnenbildassistenz Sandra Maria Kania, Constanze Kriester
KostĂĽmassistenz Slynrya Kongyoo, Soraya Ouderhm
Inspizienz Monika Gies-Hasmann, Christoph Ă–hl
Soufflage Klara Brandi, Fiona Holl
Regiehospitanz Dana Ilske
Dramaturgiehospitanz Quinn Mengs