KJT • Spielzeit 2015/16 -2018/19

Tschick

Von Wolfgang Herrndorf • Bühnenfassung von Robert Koall • ab 14 Jahren

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Tschick

Maik Klingenberg wohnt in Berlin-Marzahn und wird die großen Ferien allein verbringen, denn seine Mutter besucht mal wieder die „Beauty-Farm“, wie sie die Entzugsklinik für Alkoholiker nennt und sein Vater muss dringend mit einer jungen Assistentin auf „Geschäftsreise“. Doch Maik ist nicht böse, sein Vater hat ihm zweihundert Euro und eine sturmfreie Bude hinterlassen. Vielmehr beschäftigt ihn Tatjana, die Klassenschönheit, die ihn nicht auf die angesagteste Geburtstagsparty des Sommers eingeladen hat.

Doch dann biegt Tschick um die Ecke, der Assi-Russe, der gelegentlich mit Alkohol-Fahne zum Unterricht erscheint und meistens allgemeines Desinteresse ausstrahlt. Der kommt mit einem geklauten Lada und plötzlich riecht der Sommer nach Freiheit und Abenteuer. Ein wild-romantischer Trip durch die brandenburgische Provinz mit vielen seltsam-schönen Begegnungen beginnt. Auf einer Müllkippe mitten im Nirgendwo begegnen sie Isa, dem geheimnisvollen verrückten Mädchen. Unerwartet kommen Maik und Isa sich kurz näher...

Tschick beschreibt den Beginn einer großen Freundschaft zwischen zwei Außenseitern, den Schmerz des Erwachsenwerdens, den Wunsch nach Abenteuer und immerwährenden Sommerferien. Ein Roadmovie für Jung und Alt, das längst zum Klassiker geworden ist.

„Wenn man Nachrichten guckte: Der Mensch ist schlecht. Wenn man Spiegel-TV guckte: Der Mensch ist schlecht. Und vielleicht stimmte das ja auch, und der Mensch war zu 99 Prozent schlecht. Aber das Seltsame war, dass Tschick und ich auf unserer Reise fast ausschließlich dem einen Prozent begegneten, das nicht schlecht war.“

„Tschick ist ein schöner, trauriger Abenteuerroman aus dem rätselhaften deutschen Osten, der nur einen Nachteil hat: dass er viel zu schnell zu Ende geht.“
Jörg Magenau, Deutschlandradio

„Tschick hat lässigen Glanz und Frische“
Dieter Hildebrandt, Die Zeit 

Wolfgang Herrndorf wurde für seinen Roman Tschick 2011 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, dem Clemens-Brentano-Preis und 2012 mit dem Hans-Fallada-Preis ausgezeichnet. Außerdem war er für den Preis der Leipziger Buchmesse 2011 nominiert. Wolfgang Herrndorf starb am 26. August 2013 in Berlin. 2014 veröffentlichte Rowohlt die Fortsetzung von Tschick aus der Sicht von Isa als unvollendeten Roman unter dem Namen Bilder deiner großen Liebe. Herrndorf habe noch der Veröffentlichung zugestimmt und den Titel selbst festgelegt. 

Video Die Youngsters Akademie blickt hinter die Kulissen von Tschick

Besetzung

Maik Klingenberg Jan Westphal
Tschick Thorsten Schmidt
Isa, Tatjana, Assistentin, Friedmann Ann-Kathrin Hinz
Vater, Wagenbach, Elisabeth (Friedemanns Schwester), Fricke, Stimme am Telefon Rainer Kleinespel
Mutter, Friedemanns Mutter, Frau mit Feuerlöscher, Krankenschwester Bettina Zobel

Regie Andreas Gruhn
Ausstattung Oliver Kostecka
Video Peter Kirschke
Dramaturgie Isabel Stahl
Regieassistenz Christina Keilmann

Meinungen

Kritiken und Pressestimmen

Dortmunder Kulturblog

„Was für ein Spaß! Die neueste Produktion im Kinder- und Jugendtheater, ‚Tschick‘ , ist nichts anderes als auf ganzer Linie gelungen. Das liegt natürlich schon an der grandiosen Roman-Vorlage von Wolfgang Herrndorf aus dem Jahre 2010. Aber nicht nur. Es ist bewundernswert, wie das KJT-Team unter der Regie von Andreas Gruhn dieses Stück für Zuschauer ab 14 Jahren auf die Bühne bringt. Maik (Philip Pelzer) hat Probleme. Sein Vater ist Choleriker, seine Mutter Alkoholikerin und die angebetete Klassen-Schönheit Tatjana hat ihn nicht zu ihrer Geburtstagsparty eingeladen. Da taucht Tschick (Thorsten Schmidt) auf, ein Russland-Deutscher aus prekären Verhältnissen, der eigentlich Andrej Tschichatschow heißt. Er bittet Maik, ihn auf einen Trip mit einem geklauten Lada in die Walachei zu begleiten, ohne zu wissen, wo genau das sein könnte. Gesagt, getan.

Ein theatrales Roadmovie, bei dem Spaß und die Anarchie im Mittelpunkt stehen. 'Carpe Diem – nutze den Tag' ist die fröhliche Message dieses Stücks, das einfach gute Laune macht. Am Ende packt sich die alkoholkranke Mutter ein Ölgemälde von der Wohnzimmerwand, um es als Segel zu benutzen und damit in den hauseigenen Pool zu fliegen. Maik sitzt danach ein wenig mit seiner Mutter auf dem Grund des Pools, hält die Luft an und findet, dass es Schlimmeres gibt, als eine betrunkene Mutter zu haben. Herrlich!

Hervorzuheben sind nicht nur Philip Pelzer und Thorsten Schmidt, sondern auch Bettina Zobel, Rainer Kleinespel und Talisa Lara, die allesamt durch extreme Vielseitigkeit glänzen. Rainer Kleinespel gibt genauso glaubwürdig einen strengen Lehrer mit Bierbauch wie den irren langhaarigen Ex-Kommunisten oder den cholerischen Vater. Talisa Lara ist mal anbetungswürdige Schul-Schönheit, mal rotzfreche Müllkippen-Göre, und Bettina Zobel spielt die Betrunkene genauso gut wie die Öko-Mutti oder das Brachial-Weib mit Feuerlöscher.  Am Ende gibt's den verdienten Mega-Applaus.

Falls Sie kein Jugendlicher mehr sind: Egal, gehen Sie in dieses Stück! Aber falls Sie doch ein Jugendlicher sind: Gehen Sie in dieses Stück!"

21. Mai 2016
Ruhr Nachrichten

„Thorsten Schmidt gibt den lässigen Russlanddeutschen Tschick und Philip Pelzer den schüchternen Maik aus wohlhabend-derangiertem Elternhaus. Die 14-Jährigen nimmt man den Schauspielern ab – vor allem durch Herrndorfs Sprache. In witzig-pointierten Dialogen wird ihr einwöchiger Ausbruch rückblickend erzählt gespielt. (…) Viel Applaus vom Premieren-Publikum für das spielfreudige Ensemble und einen Roadtrip, der von der ersten Liebe und vor allem von der Freundschaft erzählt.“ 

23. Mai 2016