Das Ballett Dortmund setzt neue Maßstäbe – nicht nur auf der Bühne, sondern auch in der Verantwortung für die Tänzer*innen, die, nach der naturgemäß recht kurzen Karriere auf der Bühne, oftmals eine zweite Berufslaufbahn im bekannten Umfeld suchen. Ob kreativ oder lehrend, die Kernkompetenzen sind bereits vorhanden. Kreativität fördern, Raum und Chancen schaffen – das ist ein erklärtes Ziel von Ballettintendant Jaš Otrin.
Um den Tänzer*innen des Ballett Dortmund und des NRW Juniorballett auch als Choreograf*innen eine Bühne zu geben, wird es ab der Spielzeit 2025/26 Ballettabende in kleinerem Format geben. Durch das von den beiden Artists in Residence Annabelle Lopez Ochoa und Edward Clug geleitete Mentorenprogramm sollen junge Talente Raum und Möglichkeit haben, in einem werkstattcharakterlich angelegten Format ihre choreografischen Visionen in die Tat umzusetzen. Im Laufe der Spielzeit wird dann mehrmals die Möglichkeit geschaffen, die entstandenen Arbeiten zu präsentieren.
In der einzigartigen Kulisse der Kokerei Hansa entsteht mit We DO Dance! ein kreativer Raum für Wandel und Innovation. Hier verschmelzen Tanzkunst und die Geschichte des Steinkohlenbergbaus zu einem visionären Projekt, das die Transformation als Chance begreift – ein Alleinstellungsmerkmal, das nur das Ballett Dortmund und die Kokerei Hansa innehaben.
Sechs Uraufführungen von jungen Choreograf*innen aus den Reihen des Ballett Dortmund und des NRW Juniorballett am Fr, 22. Mai 2026 auf der Kokerei Hansa
Choreografie Damian Huiduc Manolescu
Musik Henryk Mikołaj Górecki
Besetzung Damian Huiduc Manolescu
„Wie wachsen wir auf? Wann verlieren wir unsere Leidenschaft, unsere Fantasie, unsere Freiheit, unsere Unschuld? Und warum akzeptieren wir alle, dass das eben das Erwachsenenleben ist?“
Choreografie Anatole Coste
Sounddesign Anatole Coste
Besetzung Teodora Neacsu, Anatole Coste
„Ich habe mich schon immer gefragt, welche Auswirkungen Angst und Gewalt auf die Beziehungen zwischen Menschen haben können. Angst wovor, soll hier nicht näher spezifiziert werden; vielleicht ist es Angst vor Vergeltung, vor einem Präsidenten, vor einem Gott oder vor dem Krieg … Was sichtbar wird, ist wie die beiden Liebenden gegen diese Angst ankämpfen. Sie müssen gegen sie ankämpfen, um ihre Gefühle zeigen zu können. So entsteht ein Kontrast zwischen Liebe und Gewalt. Die Körpersprache, die ich verwendet habe, ist zeitgenössisch; um sie zu entwickeln, habe ich viel improvisiert.“
Choreografie Jasmine Cameron
Musik Travis Lake
Besetzung Jasmine Cameron, Selen Gür, Sae Tamura
„Das Leben ist in Bewegung. Lass dich darauf ein, nimm das Unerwartete an und genieße die Schönheit des Augenblicks.“
Choreografie Keigo Muto
Musik Johann Sebastian Bach
Besetzung Selen Gür, Simon Jones
„Diese Arbeit basiert auf dem Konzept des Schmetterlingseffekts. Kleine Handlungen, Worte und Denkweisen können im Laufe der Zeit zu bedeutenden Ergebnissen führen. Ich glaube, dass dieser Gedanke im alltäglichen Leben, in der Arbeit und in jeder Art von zwischenmenschlicher Beziehung von Bedeutung ist.“
Choreografie Kaining Dong
Musik Claude Debussy
Besetzung Kaining Dong
„In meinen „egoistischen“ Bewegungen ist Musik nicht mehr nur Klang, sondern etwas, das man deutlich sehen kann. Durch die Musik von Claude Debussy hindurchfließend begibt sich der Körper in einen Zustand des Zuhörens. In der Stille entsteht etwas. Während sich ein Gleichgewicht einstellt, verliert das „Ego“ an Kontur – was bleibt, bist du, bin ich, und wir.
„Self-ish“, auch „selfish“. Es ist sowohl ein isoliertes „Selbst“ als auch ein falsch verstandenes „Ego“. Und meine Arbeit entsteht irgendwo zwischen diesen beiden Polen.
Der Beginn dieses Schaffensprozesses war nie stabil. Fünf Besetzungen wurden angedacht, drei Konzepte verworfen – von einem Ensemble aus sechs Körpern, bis dann doch nur noch ich allein hier übrig blieb. Durch ständiges Abtragen wurde mir langsam klar: Am Ende ist das Einzige, worauf man sich verlassen kann, man selbst. So entstand „Self“ – eine Einsamkeit, doch eine klare Existenz.
Aber „Selbst“ ist niemals absolute Isolation. In jenen Momenten, in denen ich kurz davor bin aufzugeben, gibt es immer Menschen, Stimmen, die mich sanft festhalten. Seit dem Moment, als ich mich für den Tanz entschied, hat sich das, was ich gehört, gesehen und erlebt habe – und sei es nur für einen flüchtigen Augenblick –, langsam in den Tiefen meines Körpers angesammelt. Man erinnert sich vielleicht nicht klar daran, doch sie kehren zurück, in einer bestimmten Bewegung,
Für mich ist „ish“, das „so ungefähr“, also nichts Vages, sondern ein realer Seinszustand – ich werde ständig geformt, ich verändere mich ständig.
„Selfish“ („Egoistisch“) ist meine Entscheidung und meine Urheberschaft über das Werk selbst.
Ich versuche weder zu unterhalten noch verstanden zu werden. Ich versuche nicht, emotionale Brücken zu schlagen, und weigere mich, eine gemeinsame Resonanz mit dem Publikum herzustellen. Dieses Mal – erlaube ich mir, egoistisch zu sein.
Wie es konzipiert ist, entscheide ich; wie es sich bewegt, bestimmt allein der Körper selbst; ich wähle die Musik, die ich liebe, ohne sie jemandem zu erklären.
Ich schaffe einen Moment für mich selbst – tanzende Bewegungen, die ganz natürlich aus dem Körper heraus entstehen, und dann teile ich sie.
Lass die Bewegungen geschehen. Lass die Zeit fließen. Lass das Zuschauen beim Zuschauen bleiben.
Du kannst es spüren, aber es besteht keine Notwendigkeit, teilzunehmen.
Und ich bin hier,
einfach so, egoistisch,
und tanze die Bewegungen, die nur mir gehören.“
Choreografie Yingyue Wang
Musik Ludovico Einaudi
Besetzung Liberty Fergus, António Ferreira
„Zwei künstliche Wesen entdecken Bewusstsein und Gefühle, erschaffen kurz eine zarte Verbindung jenseits ihrer Programmierung, bevor sie in ihre Realität zurückkehren – eine poetische Reflexion über Menschlichkeit.“