Seine Opern werden an der Metropolitan Opera gespielt, als Dirigent steht er selbst am Pult und als Komponist arbeitet er mit einigen der bedeutendsten Künstler*innen unserer Zeit zusammen. In Dortmund ist Matthew Aucoin in dieser Spielzeit als Featured Composer & Creative Partner der Dortmunder Philharmoniker zu erleben. Den Auftakt macht am Samstag, 26. September 2026, die von ihm kuratierte und dirigierte das 1. Konzert Late Night: Maloche auf der Kokerei Hansa; wenige Tage später erklingt sein Orchesterwerk Heath zum Saisonauftakt mit Jordan de Souza im 1. Philharmonischen Konzert: Seelenklänge.
Als Yannick Nézet-Séguin 2023 mit dem Orchester der Metropolitan Opera zur ersten Europatournee seit mehr als 20 Jahren aufbrach, standen große Namen auf den Programmen: Bernstein, Tschaikowski, Verdi, Berlioz – und Matthew Aucoin. Nézet-Séguin nahm Aucoins damals neues Orchesterwerk Heath (King Lear Sketches) mit nach Paris, London und Baden-Baden. Drei Jahre später ist der 1990 in Boston geborene Komponist, Dirigent, Pianist und Autor nun über eine ganze Spielzeit hinweg in Dortmund präsent: als Featured Composer & Creative Partner der Dortmunder Philharmoniker.
Den Anfang macht ein Abend, der bereits viel darüber erzählt, wie Aucoin Musik denkt. Für die Late Night: Maloche am Samstag, 26. September, verlässt das Orchester den Konzertsaal und zieht ins Salzlager der Kokerei Hansa. Aucoin hat das Programm selbst zusammengestellt, dirigiert und moderiert. Im Zentrum stehen Arbeit, Maschinen und Rhythmus: Pierre Schaeffers Fabrikgeräusche treffen auf Louis Andriessens Worker’s Union, Benjamin Britten auf John Adams, Duke Ellington auf Henry Purcell. Zwei Stücke hat Aucoin eigens für den Abend arrangiert. Bereits vor Konzertbeginn setzt György Ligetis Poème Symphonique 100 Metronome gleichzeitig in Bewegung.
Zwischen Oper und Orchester
Aucoins künstlerischer Weg führt immer wieder ins Musiktheater. Seine Oper Crossing, inspiriert von Walt Whitmans Tätigkeit als freiwilliger Krankenpfleger während des Amerikanischen Bürgerkriegs, entstand bereits zu Beginn seiner Karriere. Für Eurydice arbeitete Aucoin mit der Dramatikerin Sarah Ruhl zusammen und erzählte den Orpheus-Mythos konsequent aus der Perspektive Eurydikes. Nach der Uraufführung an der Los Angeles Opera brachte die Metropolitan Opera das Werk 2021 in New York heraus; am Pult stand Yannick Nézet-Séguin.
Auch Aucoins jüngstes Musiktheater führt diese Arbeit weiter. Music for New Bodies entstand gemeinsam mit Regisseur Peter Sellars nach Texten der Pulitzer-Preisträgerin Jorie Graham. Körper, Krankheit, Umwelt und die Frage, wie sich menschliche Erfahrung in Musik übersetzen lässt, werden darin zum Ausgangspunkt eines zeitgenössischen Musiktheaters. Aucoin bewegt sich dabei wie selbstverständlich zwischen verschiedenen Rollen: Er komponiert, dirigiert und spielt Klavier, schreibt über Musik und arbeitet mit Künstlerinnen und Künstlern wie Peter Sellars und Yo-Yo Ma sowie mit führenden amerikanischen Orchestern zusammen.
Nur drei Tage nach Maloche lässt sich in Dortmund eine andere Seite dieses Musikers kennenlernen. Am 29. und 30. September eröffnet Generalmusikdirektor Jordan de Souza mit den Dortmunder Philharmonikern die neue Philharmonische Saison. Im Programm Seelenklänge trifft Aucoins Heath auf Benjamin Brittens Four Sea Interludes aus Peter Grimes und Gustav Mahlers Lied von der Erde. Aucoin nimmt für Heath Shakespeares King Lear zum Ausgangspunkt: jene Heide, auf der der König Sturm, Orientierungslosigkeit und dem Zerfall seiner bisherigen Welt ausgesetzt ist. Am 29. September ist Aucoin selbst im Konzerthaus zu Gast und gibt im Anschluss gemeinsam mit Jordan de Souza bei einem Meet & Greet Einblicke in seine Arbeit.
Im Dialog mit Dortmund
Damit beginnt eine Zusammenarbeit, die sich durch die gesamte Spielzeit zieht: Aucoin wird in Dortmund nicht allein über seine Kompositionen präsent sein, sondern selbst mit den Dortmunder Philharmonikern arbeiten. Im Frühjahr übernimmt er beim Deep Dive, dem neuen beliebten Format der Dortmunder Philharmoniker, zu Beethovens 3. Sinfonie Eroica das Dirigat und nähert sich einem der bekanntesten Werke des Repertoires aus der Perspektive eines Komponisten des 21. Jahrhunderts.
Zum Abschluss der Saison rückt schließlich seine eigene Musik noch einmal ins Zentrum. Im 8. Philharmonischen Konzert Farbenrausch am 29. und 30. Juni 2027 spielen die Dortmunder Philharmoniker die europäische Erstaufführung von Aucoins neuem Orchesterwerk Two Thresholds (Symphony). Das Werk entstand erneut in Zusammenarbeit mit der Dichterin Jorie Graham und ist ein gemeinsamer Kompositionsauftrag der Dortmunder Philharmoniker, des Aspen Music Festival and School und des Lakes Area Music Festival. Zusammen mit Strawinskys vollständiger Ballettmusik Der Feuervogel setzt es den Schlusspunkt unter eine Spielzeit, in der Aucoin in Dortmund aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen ist: als Komponist und Dirigent, als Kurator und Interpret – und als Künstler, für den Oper und Konzert keine voneinander getrennten Welten sind.
Termine
Late Night: Maloche
Samstag, 26. September 2026, 21:00 Uhr, Rahmenprogramm ab 20:15 Uhr
Salzlager, Kokerei Hansa
Matthew Aucoin – Leitung, Moderation und Kuratierung
1. Philharmonisches Konzert: Seelenklänge
Dienstag, 29. September und Mittwoch, 30. September 2026, jeweils 19:30 Uhr
Konzerthaus Dortmund
Matthew Aucoin: Heath
Benjamin Britten: Four Sea Interludes aus Peter Grimes
Gustav Mahler: Das Lied von der Erde
Dortmunder Philharmoniker
Leitung: Generalmusikdirektor Jordan de Souza
Meet & Greet mit Matthew Aucoin und Jordan de Souza am 29. September
Deep Dive: Beethoven – Eroica
19. April 2027, 19:00 Uhr
Konzerthaus Dortmund
Dortmunder Philharmoniker
Leitung: Matthew Aucoin
8. Philharmonisches Konzert: Farbenrausch
29. und 30. Juni 2027, 19:30 Uhr
Konzerthaus Dortmund
Matthew Aucoin: Two Thresholds (Symphony) – Europäische Erstaufführung
Igor Strawinsky: Der Feuervogel
Leitung: Generalmusikdirektor Jordan de Souza
Karten und weitere Informationen unter www.theaterdo.de