Schauspiel • Ab Oktober 2025

Unmute – Eine Reihe über das Sprechen im Konflikt

Gesprächs-/Diskurs-Format mit wechselnden Gäst*innen

Unmute

Unmute – Sonderedition zum internationalen Frauenkampftag

Seit dem 7. Oktober 2023 haben sich die öffentlichen Debatten in Deutschland spürbar verengt. Solidarität wird selektiver, Zugehörigkeit enger definiert, Positionierungen werden eingefordert. Diese Verschiebung betrifft feministische Räume in besonderer Weise – vor allem dort, wo Schwarze und jüdische Perspektiven sprechen. Stimmen, die Rassismus und Antisemitismus zugleich thematisieren, geraten unter Rechtfertigungsdruck, werden instrumentalisiert oder gegeneinander ausgespielt. Wer sich nicht eindeutig verorten lässt, riskiert Ausschluss.

Die Sonderedition von Unmute fragt, wie sich diese Verengung auf feministische Diskurse auswirkt: Wer gilt als legitime Sprecherin? Wessen Wut wird gehört – und wessen als „zu radikal“ markiert? Wie lässt sich über Antisemitismus, Rassismus, Krieg und Erinnerung sprechen, ohne in Opferkonkurrenz oder moralische Frontstellungen zu geraten?

Mit Alice Hasters und Hadija Haruna-Oelker kommen zwei Autorinnen zusammen, die diese Fragen aus unterschiedlichen, sich ergänzenden Perspektiven bearbeiten.

Alice Hasters analysiert in ihren Arbeiten zu Rassismus und in ihrem kommenden Buch Anti Opfer, wie Betroffenheit politisch funktionalisiert wird – und wie Zuschreibungen von „Opfersein“ Handlungsmacht untergraben können. Sie schärft den Blick dafür, wie mediale und gesellschaftliche Diskurse Schwarze Stimmen zugleich sichtbar machen und entmündigen.

Hadija Haruna-Oelker beschäftigt sich mit Fragen von Zugehörigkeit, Erinnerung und struktureller Gewalt. In Alles auf Anfang (gemeinsam mit Max Czollek) untersucht sie, wie deutsche Erinnerungskultur gesellschaftliche Hierarchien stabilisieren kann – etwa wenn Antisemitismus externalisiert und rassistische Gewalt individualisiert wird. Ihre Perspektive verbindet intersektionale Analyse mit der Frage, wie Differenz politisch produktiv gemacht werden kann, ohne sie zu nivellieren.

Moderiert wird der Abend von Miryam Schellbach, Mitherausgeberin von Trotzdem sprechen. Sie eröffnet einen Raum für die zentrale Frage der Reihe: Wie können wir weiter miteinander sprechen, wenn Gewissheiten brüchig geworden sind – und wie bleiben feministische Räume Orte, in denen Ambivalenz, Widerspruch und Schmerz ausgehalten werden?

Ein Gespräch über Sprechmacht, Erinnerung und die Herausforderung, Solidarität neu zu denken.

Zu Gast
30.01.26: Joana Osman
20.02.26: Asal Dardan
08.03.26: Alice Hasters und Hadija Haruna-Oelker
Moderation: Miryam Schellbach

Termine

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