Das Schauspiel Dortmund stellt seine Arbeitsweise für die kommenden Jahre neu auf und nutzt die Bauphase der Jungen Bühne für eine grundlegende Erweiterung seiner Spielorte und Formate. Im Rahmen einer Pressetour am Mittwoch, 29. April, gaben Intendantin Julia Wissert und ihr Team erste Einblicke in diese Interimssituation.
Die Studiobühne fungiert derzeit als zentrale Spielstätte. Für größere Produktionen weicht das Schauspiel Dortmund auf alternative Orte aus – darunter die Kokerei Hansa, die in diesem Jahr zur Bühne für gleich zwei Brecht-Inszenierungen wird: Die Dreigroschenoper und Die heilige Johanna der Schlachthöfe. Auch im Stadtraum bleibt das Ensemble präsent, etwa bei den Veranstaltungen „Extraschicht“ und „Sommer am U“ im Juni.
Brecht in der Industriekulisse
Ein besonderes Highlight ist die Premiere der Dreigroschenoper am 4. Juni im Salzlager der Kokerei Hansa. Unter der Regie von Intendantin Julia Wissert und der musikalischen Leitung von Yotam Schlezinger entsteht eine Inszenierung, die Architektur, Musik und Bewegung eng miteinander verzahnt. Bereits der Weg vom Parkplatz zur Halle wird Teil des Theatererlebnisses: Performende begleiten das Publikum in die Inszenierung hinein.
Im Zentrum des Bühnenbilds steht ein eigens entwickelter Steg, der die Stahlstrukturen der Kokerei aufgreift und den Raum neu gliedert. „Es ist ein Riesen-Projekt. Wir haben Monate daran gearbeitet, Schauspielende bekommen Stimm- und Gesangstraining. Und deswegen freue ich mich sehr, es wir ein großes Ereignis werden“, so Julia Wissert. Inhaltlich legt sie einen besonderen Fokus auf die weiblichen Figuren der Urfassung und deren Strategien des Überlebens.
Perspektive 2027: Theater mitten in der Stadt
Auch langfristig ist die Zukunft gesichert: Anfang 2027 zieht das Schauspiel Dortmund in das ehemalige C&A-Gebäude am Ostenhellweg. Der neue Standort bietet großes Potenzial für innovative Theaterformate. „Die Herausforderung ist, dass es kein klassischer Theaterraum ist und das ist gleichzeitig auch die Chance“, so Julia Wissert. Geplant ist ein offener Ort für Aufführungen, Workshops und Begegnungen, ein Treffpunkt für die Stadtgesellschaft. Der Transformationsprozess ist komplex und wird gemeinsam über alle beteiligten Bereiche hinweg gestaltet: „Es ist ein nicht ganz unkomplizierter Prozess, der ganz spannend ist, weil alle Gewerke zusammenkommen und gemeinsam an einem Strang ziehen. Das geht nur mit unserer herausragenden technischen Direktion, die flexibel ist und der super Geschäftsführung, die mitgehen, und nicht zuletzt der Politik, die auch großes Interesse hat, dass das hier eine tolle Bühne wird.“
Neue Formate und künstlerische Perspektiven
Im Tiefparterre des Gebäudes entsteht ein Bühnenraum für rund 300 Zuschauer*innen. Erste Projekte sind bereits in Planung: Zur Eröffnung inszeniert Julia Wissert Die blutige Kammer und widmet sich damit feministischer Horrorliteratur und Märchen. Weitere Arbeiten umfassen unter anderem ein Projekt von Bassam Ghazi nach Unser Schmerz ist unsere Kraft von Gamze Kubaşιk und Semiya Şimşek sowie eine Produktion von Lola Fuchs mit Bezug zur Terminator-Figur.
Neben Premieren sind auch Wiederaufnahmen geplant. Insgesamt versteht das Schauspiel Dortmund die kommenden Jahre als Phase der künstlerischen Weiterentwicklung: neue Orte, neue Spielweisen und neue Publikumsgruppen. Das Ziel bleibt klar: Theater als lebendiger, offener und inspirierender Ort für die gesamte Stadtgesellschaft.