Ballett von Edward Clug • Musik von Radiohead
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Radio and JulietJetzt reinhören
Mit Radio and Juliet präsentiert das NRW Juniorballett in der Spielzeit 2025/26 ein hypnotisierendes und intimes modernes Ballett. In der Choreografie von Edward Clug, die 2005 im Slowenischen Nationaltheater Maribor uraufgeführt wurde, verschmilzt Shakespeares tragische Romanze mit der atmosphärisch-dichten Musik von Radiohead zu einer außergewöhnlichen Neuinterpretation des Klassikers.
Das Stück setzt dort an, wo Shakespeares Erzählung endet: Julia erwacht, doch Romeo ist tot. Sie begibt sich auf eine introspektive Reise, die Clug als poetische Reflexion über unerfüllte Liebe gestaltet. Unterlegt mit der Musik von Radiohead – mal sinnlich und träumerisch, mal kraftvoll und düster – entfaltet sich ein Tanzabend, der Emotionen und Intellekt gleichermaßen anspricht.
Die minimalistische Ästhetik mit einem schlichten Bühnen- und Kostümbild, lenkt den Fokus auf das Wesentliche: den tänzerischen Ausdruck und die Dynamik der Choreografie. Jede Bewegung erzählt von Leidenschaft, Verzweiflung und der inneren Stärke, die Julia trotz ihres Verlustes antreibt. Dieses Tanzstück erinnert uns daran, dass Tragödien nicht nur von Verlust handeln, sondern auch von dem menschlichen Bedürfnis, weiterzugehen und neue Bedeutungen zu finden.
Das NRW Juniorballett, bestehend aus zwölf herausragenden Nachwuchstalenten, bringt Clugs Meisterwerk mit jugendlicher Energie und unbändiger Leidenschaft auf die Bühne. Ausgehend von Shakespeares zeitloser Tragödie, lassen die jungen Talente die Welt von Radio and Juliet und die musikalische Melancholie von Radiohead zu einer berührenden Einheit verschmelzen – ein unvergesslicher Abend voller Leidenschaft und Poesie!
Juliet
Liberty Fergus,
Jasmine Cameron,
Selen Gür
Herren
Anatole Coste,
Kaining Dong,
Damian Huiduc Manolescu,
Devon Luxton,
Adam Pearce,
Keigo Muto,
Luke Ruben Talirz
NRW Juniorballett
Konzept und Choreografie
Edward Clug
Bühne
Marko Japelj
Kostüme
Leo Kulaš
Lichtdesign
Tomaž Premzl
Videodesign
Janja Glogovac
Einstudierung
Bojana Nenadović
Technical Supervisor
Tim Waclawek
Inspizienz und Produktionsmanagement
Jelena-Ana Moody
Kostümassistenz
Nina Albrecht-Paffendorf
„Clug zeigt in intensiven 60 Minuten jedenfalls ein riesiges Spektrum an Gefühlen –von Gewalt in Kampfszenen über Hingabe und Aufopferung. Motive aus Shakespeares Drama sind erkennbar, aber im Mittelpunkt stehen mehr die Atmosphäre (Licht: Tomaz Premzl), die Gefühle der Figuren und Träume der Julia, die Clug mit sehr viel Gespür für Ästhetik und einer minimalistischen Ausstattung, in der sich alles auf die Figuren konzentriert, zeigt.
Clugs Choreografien brauchen eigentlich Tänzer mit viel Erfahrung. Da zeigt sich einmal mehr, wie hervorragend das NRW-Juniorballett in Dortmund ausgebildet worden ist. Die sieben Solisten sind durchweg fantastisch, tanzen Clugs technisch anspruchsvollen Bewegungen in bemerkenswerter Präzision und Synchronität und geben dieser Choreografie den jungen, frischen Charakter, den sie braucht. Sehr viel Tempo hat dieses Tanztheater, besonders die Kampfszenen sind toll choreografiert. Und Liberty Fergus zeigt als großartige Julia auch die federleichte Liebe.
Die Musik von Radiohead passt zu der modernen Liebesgeschichte wunderbar; sie wirkt fast zeitlos, ist unaufdringlich. Ein richtig runder, toller, nur etwas kurzer Abend.“
„(…) Choreograf Edward Clug nimmt dabei Juliets Perspektive ein. Und hält das Geschehen elegant in der Schwebe. Die Videoeinspielungen in elegischem Schwarz-Weiß scheinen die Gegenwart zu markieren, auf der sparsam, aber effektvoll beleuchteten Bühne (Lichtdesign: Tomaž Premzl) spielen sich Traumsequenzen gleich Fragmente der bekannten Handlung ab.
Clugs eigenwillige Bewegungssprache wirkt noch immer frisch und modern, die Stücke von Radiohead – daher der Titel – sind aktueller denn je.
Zu ,Fitter Happier‘, das sich schon früh mit dem durch die Digitalisierung verschärften Konformitätsdruck auseinandergesetzt hat, vollführt Juliet (überzeugend: Liberty Fergus) einen Parforce-Androidentanz, offenbar um sich für das Leben nach dem Todesschlaf zu rüsten.
Atemberaubend jedoch, wie nahtlos und unbemüht die jungen Tänzer diese ebenso rasanten wie anspruchsvollen Bewegungsmuster selbst im Übergang von waagerechter Stützhaltung in die Senkrechte und zurück beherrschen. Da wünscht man sich, dass zumindest ein paar von diesen Tanztalenten aus aller Welt, die in Dortmund nach dem Studium gerade den letzten Feinschliff erhalten, in der Region eine Festanstellung erhalten.“
„Sie stürmen die Bühne, tanzen sich um Kopf und Kragen und füllen den Veranstaltungsraum im Nu mit ihrer unbändigen Tanzlust. Diese Energie der jungen Tanzkünstler zu kanalisieren und zu präsentieren, ist die vornehmste Aufgabe der Ballettleitungen. Jugendlichen Enthusiasmus nicht zu brechen, sondern mit hervorragenden Choreografien zu Höchstleistungen zu befördern ist das Ziel. Dass die Tänzer*innen des NRW Juniorballetts ihre Kräfte mit einer Choreografie von Edward Clug messen dürfen, macht sie zu Glückskindern.
(…) Vor allem die sechs jungen Tänzer stellen sich mit Verve der herausfordernden Verbindung von Klassischer Technik und zeitgenössischem Tanz. Schnelle und scharfkantige Bewegungen wechseln sich mit Double Touren en l‘air und Floorwork ab - eine explosive Mischung, die sehr gut die Rivalitäten der Familien Capulet und Montague atmosphärisch herüberbringt.
Was bleibt, sind Bilder einer fragilen, ihr neues Leben suchenden Julia, mit Feingefühl und sauberer Technik von Jasmine Cameron getanzt und Szenen ungestümer Wucht, die Rivalität und Gewalt, aber auch Ausweglosigkeit ausdrücken. Luke Talirz tanzt einen eleganten Romeo, Kaining Dong den Paris, der mit Julia ein Duett zum Schmunzeln hinlegt. Hier inszeniert Clug mit feiner Ironie.
Ganz fabelhaft und herausragend in seiner dynamischen Energie tanzt der 22-jährige Anatole Coste den Mercutio: bewegend sein Kampfduett mit Tybalt und sein Todes-Solo, zum melancholischsten der 11 Songs von der Rockband Radiohead, die mit ihrer Musik das Ballett zeitlos wirken lässt.
Alles in allem aber ein hervorragendes Ballett, das wie im Fluge vorbei geht und ein enthusiastisches Publikum zurücklässt. Dieses Gastspiel nach Freiburg zu holen, war ein Glücksgriff der engagierten Studio Pro Arte Leiterin und Kuratorin des kleinen Festivals Chantal Kohlmeyer, denn das NRW Juniorballett hat der Freiburger Tanzszene gezeigt, wo Gott wohnt im Tanz.“