Heimat im Wandel: Theater zwischen Stadt, Erinnerung und Gegenwart
was ist Heimat, wenn sie kein Besitz ist, kein fester Punkt auf der Landkarte, kein nostalgischer Rückzugsort? Was, wenn Heimat heute vor allem eins ist: ein Verhältnis zur Gegenwart – zu Krieg, Vertreibung und politischer Verfolgung, zu Brüchen in Biografien, zu Widersprüchen in Familiengeschichten, zu Spannungen in Städten? Dann wird Heimat nicht ruhiger, sondern unruhiger. Nicht eindeutiger, sondern plural. Und gerade deshalb erzählenswert.
Diese Spielzeit 2026/27 ist für das Schauspiel Dortmund auch ganz praktisch eine Zeit des Übergangs: Wir gehen in eine Interimsphase. Und wir nutzen sie künstlerisch. Wir arbeiten an Orten, die selbst von Wandel erzählen – im ehemaligen Kaufhaus C&A im Herzen der Stadt und auf der Kokerei Hansa. Räume, die Geschichte gespeichert haben: Arbeit und Industrie, Konsum und Leerstand, Umnutzung und Aufbruch. Dort entsteht Theater nicht trotz des Provisorischen, sondern im allerbesten Sinn aus ihm heraus.
Eine zärtliche Chronik des Vaterseins nach dem Roman von Alejandro Zambra
In Briefen, Fragmenten und Momentaufnahmen kartografiert Zambra das unerwartete Terrain der Vaterschaft – die leisen Wunder, die absurden Routinen, die Müdigkeit und die wachsende Zärtlichkeit. Vom ersten Blick in die Augen des Neugeborenen über das wiederholte Vorlesen zahlreicher Kinderbücher bis zu den unbeholfenen gemeinsamen Versuchen zu krabbeln: Jede Szene wird zum Teil einer Chronik, die Alltag, Erinnerung und Sprache füreinander öffnet.
In seiner Erzählung wechselt Zambra zwischen autobiografischen Momenten seines Vaterseins und eigenen Erwachsenwerdens, er bringt seine Leidenschaft für Fußball und die Angst vor dem Versagen und der Entfremdung zur Sprache. Eine vielschichtige Chronik des kleinen und großen Werdens.
Premiere am Mi, 13.05.2026 im Studio
von Bertolt Brecht (Text) und Kurt Weill (Musik) • unter Mitarbeit von Elisabeth Hauptmann
Die Dreigroschenoper ist keine nostalgische Operette, sondern Elisabeth Hauptmanns, Bertolt Brechts und Kurt Weills Frontalangriff auf die sogenannte bürgerliche Moral. Unter der Regie von Julia Wissert und der musikalischen Leitung von Yotam Schlezinger wird dieser zeitlose Klassiker in Dortmund zu einer sinnlich-akustischen Konfrontation an einem einzigartigen Ort: im Salzlager auf der Kokerei Hansa.
Regie Julia Wissert
Musikalische Leitung Yotam Schlezinger
Premiere am Do, 04.06.2026 im Salzlager auf der Kokerei Hansa
Während die große Bühne im Schauspielhaus im Zuge des Neubaus der Jungen Bühne Dortmund geschlossen bleibt, bleibt eines unverändert: das Schauspiel Dortmund als Ort für Kunst, Austausch und Perspektiven. Wir reagieren auf die räumliche Veränderung mit künstlerischer Kontinuität und offenen Formaten – als Raum für Sichtbarkeit und Diversität, für Diskussionen und für die Vielfalt künstlerischer Handschriften.
Ab April 2026 spielen wir an neuen Orten: im Studio, auf der Kokerei Hansa und im Stadtraum.
Besonders herzlich laden wir Sie zur Premiere der Dreigroschenoper in der Regie von Julia Wissert ein: ab dem 4. Juni im Salzlager auf der Kokerei Hansa.
Auch unsere Bühnen im Studio und im Institut bleiben geöffnet und schaffen weiterhin eine besondere Nähe zwischen Ensemble und Publikum. Im Studio zeigen wir ein vielgestaltiges Repertoire: die Uraufführungen Winterreise und I wanna be a Gurrrlband, die Deutsche Erstaufführung Capri, den Fassbinder-Klassiker Angst essen Seele auf sowie die Performance Oder Nicht Sein? des Schauspielkollektivs 18+.
Im Mai folgt im Studio die Premiere einer weiteren Neuproduktion – eine Überraschung, auf die Sie gespannt sein dürfen.
Auch im Institut setzen wir neue Impulse, etwa mit dem Ensembleabend Hot Topic. Unser Klassenzimmerstück Ausnahmezustand bleibt mobil und ist weiterhin an Schulen in Dortmund und Umgebung unterwegs. Ebenso die Ape(lina), unsere mobile Bühne, die mit künstlerischen Interventionen im Stadtraum präsent ist.
Zwei Ape(lina)s, eine in pink, die andere in schwarz, sind die mobilen Spiel- und Bildungsstätten des Schauspiel Dortmund. Sie kooperieren mit kulturellen und sozialen Einrichtungen und Partner*innen aus der Stadt Dortmund.
Gemeinsam mit den Ape-Künstler*innen und in Kooperation mit den Bildungspartner*innen bieten die Ape(lina)s verschiedene Workshops und zugängliche Bildungsprogramme, vor allem für Kinder und Jugendliche, an.
Das Programm ist kostenlos!