Schauspiel • Ab November 2022

Der Gott des Gemetzels

von Yasmina Reza

Der Gott des Gemetzels

Die Mutter aller Wohnzimmerschlachten und bitterbösen Wortgefechte, geboren aus dem unbedingten Willen zur Versöhnung: In Yasmina Rezas bitterbösem Komödienhit treffen sich zwei gutsituierte Ehepaare, um einen Konflikt zu bereinigen – zwischen den beiden elfjährigen Söhnen, der einen der Sprösslinge die Vorderzähne kostete. Doch anders als die Kinder kann man schließlich ganz sachlich, tolerant und wie es sich für kultivierte Menschen gehört, über den Vorfall sprechen, richtig? Gemeinsam wird  in gepflegter Atmosphäre um die pädagogisch richtigen nächsten Schritte gerungen, mit denen man auf Täter wie Opfer einwirken kann. Doch die Frage nach dem Hintergrund des Konflikts – deutet das Verhalten des Täters Ferdinand auf Eheprobleme zwischen seinen Eltern Alain und Annette hin? Hat Michels und Veroniques Sohn Bruno den Angriff  möglicherweise provoziert? Wer ist der wahre Schuldige? –  lässt das so freundliche und tolerante Gespräch schnell in unerfreuliche Bahnen kippen. Was ist schlimmer:   dass die hypernervöse Annette quer über Véroniques Kunstbände kotzt, oder dass Véronique das Wohlergehen ihrer Bücher deutlich mehr am Herzen liegt als das ihres Gastes? Dass der scheinbar harmoniebemühte Michel heimlich den Hamster seiner Tochter ausgesetzt hat? Oder dass Alain einen Pharmakonzern mit einem gesundheitsschädlichen Medikament juristisch vertritt, und zwar ständig, am Handy? Aus Sticheleien werden Wortgefechte, aus Streitereien werden Handgreiflichkeiten, und weder Alains Anzug noch die beiden Ehen werden den Abend intakt überstehen….

2011 mit Kate Winslet, Jodie Foster und Christoph Waltz verfilmt, bleibt Der Gott des Gemetzels auch auf der Theaterbühne ein Dauerbrenner. Vier Schauspieler*innen beantworten in Rezas messerscharfen Dialogen und pointierten Wortgefechten die Frage, was am Ende die Oberhand behält: Unser Wille zur Vernunft oder der titelgebende Gott des Gemetzels.

Termine

Dezember 202202FreitagSchauspielhaus19:30 Uhr – 20:45 Uhr (keine Pause)
Tagesbesetzung
Tagesaktuelle Besetzung am 02. Dezember 2022

Dezember 202210SamstagSchauspielhaus19:30 Uhr – 20:45 Uhr (keine Pause)
Tagesaktuelle Besetzung am 10. Dezember 2022

Dezember 202216FreitagSchauspielhaus19:30 Uhr – 20:45 Uhr (keine Pause)
Tagesaktuelle Besetzung am 16. Dezember 2022

Dezember 202230FreitagSchauspielhaus19:30 Uhr – 20:45 Uhr (keine Pause)
Tagesaktuelle Besetzung am 30. Dezember 2022

Januar 202315SonntagSchauspielhaus18:00 Uhr – 19:15 Uhr (keine Pause) Einführung: 17:30 Uhr
Tagesaktuelle Besetzung am 15. Januar 2023

Weitere Termine folgen.

Besetzung

Véronique Houillé Lola Fuchs
Michel Houillé Linus Ebner
Annette Reille Linda Elsner
Alain Reille Christopher Heisler

Meinungen

Kritiken und Pressestimmen

Ruhr Nachrichten

„Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Geschieht das auf einer Bühne, erheitert es das Publikum. In Yasmina Rezas ‚Der Gott des Gemetzels‘ ist der Spaß verdoppelt.“

„Der joviale, um Harmonie bemühte Hamster-Mörder Michel, den Linus Ebner virtuos verkörpert, verliert schließlich auch die Contenance und schlägt auf die rosa Kunstkirschblüten der Bäume ein.“

„Ein amüsanter Theaterabend, der zeigt, wie schnell die Fassade der zivilisierten Umgangsformen bröckeln kann. Die Elternpaare, die die vier Schauspieler überzeugend auf die Bühne bringen, sind nicht besser als ihre sich prügelnden Sprösslinge.“

27. November 2022
Nachtkritik

„Sehr witzig sind die überraschenden Szenenstörungen, oder Störszenen, die Veroniques Wut oder Michels Verachtung ausdrücken und das eigentliche Geschehen für einen kurzen Augenblick unterbrechen und konterkarieren: Dann wechselt das Licht (Sibylle Stuck lässt es flackern und blitzen), es erklingen schräge Synthie-Geräusche (Christoph Waßenberg und Gertfried Lammersdorf lassen es schön quietschen, ziepen und schnarren), und die jeweilige Figur zieht dann eine Fratze oder bewegt sich grotesk außer der Rolle. (…) Diese Cuts sind frech und witzig und sorgen zusammen mit reichlich Slapstick für gute Laune im Saal.“

„Sie schlagen sich prächtig, allen voran Lola Fuchs als Veronique, die ernsthaft um die Wiedergutmachung ihres blessierten Kindes kämpft mit kaum verhohlener Wut: Mal schmollt sie, dann wieder trumpft sie auf, wird zunehmend hysterisch und prügelt schließlich ihren Mann Michel (Linus Ebner).“

„Christopher Heisler hat seine Paraderolle als schmierig-neoliberaler Anwalt Alain, der gefühlt alle zwei Minuten sein Handy zückt und damit alle nervt.“

„Offensichtlich erkennen wir uns alle wieder in den menschlichen Abgründen und genießen das moralisch-menschelnde Gemetzel auf der Bühne. Der Horror à la Reza in der Inszenierung von Anna Tenti macht großen Spaß.“

27. November 2022
Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ)

„Wie die Darsteller (die Schauspielerinnen eindrucksvoller als ihre männlichen Kollegen) das Geschehen vermitteln, das sorgt für permanente Lachanfälle und nach 80 Minuten für stürmischen Applaus.“

28. November 2022
Westfälischer Anzeiger

„Die Darsteller agieren mit großem Einsatz und großer Spielfreude. Lola Fuchs gibt die Véronique mit fein dosiertem Gift als Hubschraubermutter, die im Grunde Rache für das Leid ihres Kindes fordert. Sie vermittelt schön die unterschwellige Wut noch bei den ruhigsten Begrüßungssätzen. Ihr glaubt man jeden falschen Ton.“

„Linda Elsner verliert als Annette höchst unterhaltsam die Fassung (...) Später bedient sie sich großzügig am Rum aus dem übergroßen Milchpaket (warum? weil es da war), und lallt kunstvoll ihre Argumente.“

„Christopher Heisler gibt dem Alain einen guten Schuss Stromberg-Skrupellosigkeit.“

28. November 2022
WDR 5 Scala

„Das ist einfach wirklich ein schöner Text mit bissigen und wirklich komischen Dialogen, die hier in der Inszenierung auch gut zum Tragen kommen.“

28. November 2022
Ars tremonia

„Die Schauspieler*innen hatten sichtlich Freude daran, sich in die widersprüchlichen Charaktere hineinzuversetzen und die dunklen verborgenen Seiten mit Humor und Ironie sichtbar zu machen. Die bitterbösen Wortgefechte bereiteten ihnen einen Riesenspass.“

28. November 2022