Schauspiel • Juli 2026

Unboxing Schauspiel

Begegnungen zwischen Ensemble, Stadtgesellschaft und Passant*innen

(c) Jan Philip Welchering

Unboxing

Das Schauspiel befindet sich in einer Übergangsphase und blickt erwartungsvoll auf seine zukünftige Heimat mitten in der Stadt. Noch bevor das ehemalige C&A-Gebäude bezogen wird, will das Schauspiel Dortmund im öffentlichen Raum präsent sein und den Kontakt zum Publikum herstellen. Mit Unboxing Schauspiel wird der Stadtraum im Juli künstlerisch aktiviert. Die Aktion versteht sich als eine Art kultureller Auftakt und sichtbares Zeichen im Stadtraum: Das Schauspiel zeigt sich, spricht mit Menschen, macht neugierig und schafft Begegnungen zwischen Ensemble, Stadtgesellschaft und Passant*innen. Die zentrale Metapher des Projekts ist das
„Unboxing“ – das Auspacken. Das Schauspiel „packt sich aus“, zeigt erste Inhalte, Ideen und Begegnungen der nächsten Spielzeit und öffnet sich symbolisch für die Stadt.

Programm
Do, 02.07. Dorota Masłowska Im Paradies: Lesung mit Sarah Quarshie, Nika Mišković, Viet Anh Alexander Tran, Luis Quintana (Ensemble) und Gespräch
Dorota Masłowska ist „die Königin des Drecks der polnischen Gegenwartsliteratur“. Sie ist eine Institution. Scharf und unbequem. In ihrem neuen Buch Im Paradies nimmt sie in bitterbösem, zynischem Ton die polnische Gesellschaft und deren Verwerfungen ins Visier.
Es ist ein großes Vergnügen, wie unerbittlich und gewieft sie ihre Charaktere scheitern lässt: an den eigenen Ansprüchen und Wünschen, überzogenen Liebesidealen, pfuschenden Schönheitschirurgen oder neoliberalen Aufstiegsversprechen. All ihre Figuren sind eine „magische Wunde“ – so der Originaltitel in direkter Übersetzung –, beunruhigend und faszinierend zugleich.
Die polnische Übertreibungskünstlerin schreibt wie immer nah am Zeitgeist und durchtränkt von Lifestyle-, Pop- und Netzkultur. Viel bleibt offen, Vages kippt ins Phantastische, Grausames wird komisch, Komisches todernst.
Vier Ensemblemitglieder des Schauspiel Dortmund lesen aus dem Buch und machen Masłowskas Figuren lebendig – ein erster Vorgeschmack auf die Inszenierung, die Regisseurin Jasmin Johann in der kommenden Spielzeit auf die Bühne bringen wird. Im Anschluss spricht sie darüber, was es bedeutet, diesen Text ins Theater zu übersetzen.

Do, 09.07. Aesthetics of Access  (Diversität und Inklusion): Gespräch mit Linda Fisahn und Roberto Romeo
Regisseurin Linda Fisahn und Ensemblemitglied Roberto Romeo sowie Diversitätsmanagerin Ella Steinmann sprechen über die Produktionen Hurra, Romeo und Julia! – Die Szene mit der Leiche habe ich gelöscht, Tatort Dortmund und kommende Projekte.
In Linda Fisahns Inszenierung von Romeo und Julia bleiben die Liebenden am Leben, während in Tatort Dortmund Kommissar Friedmann einen rätselhaften Mordfall untersucht. Themen wie Leben, Liebe und Tod stehen im Mittelpunkt. Zudem gibt es einen Ausblick auf inklusive Angebote der Spielzeit 2026|27.

Mi, 15.07. Identität und Begehren – Ein Sommernachtstraum von Shakespeare: Lesung und Gespräch mit Rose Lohmann, Linda Elsner, Roberto Romeo, Ekkehard Freye (Ensemble)
Shakespeares Ein Sommernachtstraum ist weit mehr als eine romantische Komödie. Der Wald wird zum Zwischenraum, in dem feste Ordnungen aus den Fugen geraten: Identitäten werden fluide, Begehren verschiebt sich, Nähe entsteht jenseits gesellschaftlicher Normen und Natur erscheint nicht länger als Kulisse, sondern als lebendiger Möglichkeitsraum.

Ausgehend von Ansätzen der Queer Ecology lesen wir Shakespeares Klassiker als queeres Drama avant la lettre. Die Verbindung von Queer Theory und Umweltforschung fragt danach, wie Vorstellungen von „Natur“ über Jahrhunderte benutzt wurden, um Geschlecht, Sexualität und gesellschaftliche Ordnung als vermeintlich selbstverständlich zu legitimieren. Was aber, wenn Natur gerade kein Ort der Eindeutigkeit ist? Wenn Wälder, Pflanzen und Landschaften von Vielfalt, Verwandlung und gegenseitiger Abhängigkeit erzählen? Dann wird der Wald des Sommernachtstraums zu einem Ort, an dem andere Formen des Zusammenlebens erprobt werden können – offen, widersprüchlich und voller Möglichkeiten.

Gemeinsam lesen wir ausgewählte Szenen und begeben uns auf die Spur eines Stücks, das bis heute nichts von seiner Sprengkraft verloren hat. Warum fasziniert uns dieser Theaterklassiker noch immer? Welche Visionen von Gemeinschaft, Begehren und Zugehörigkeit entwirft er? Und wie lässt sich daraus eine zeitgenössische, queere Inszenierung entwickeln?

Im anschließenden Gespräch öffnen wir den Probenraum: Gemeinsam mit Regisseurin Carola Bühn denken wir über glamouröse, kolossale und utopische Bilder für die Inszenierung der kommenden Spielzeit nach, die im Zukunftsgarten der IGA auf der Kokerei Hansa entstehen wird. Welche Zukunft wächst in diesem Wald? Und wie könnte ein queerer Zukunftsgarten aussehen?

Do, 16.07. Salome, von Einar Schleef nach Oscar Wilde: Lesung mit Sarah Quarshie, Luis Quintana, Viet Anh Alexander Tran (Ensemble)
Eine bekannte Geschichte, neu erzählt: aus dem Blick der Mutter. Herodias schaut zurück auf jene Nacht, in der ein Fest entgleiste und ein Versprechen zum Verhängnis wurde. Sie schlüpft selbst in die Rolle ihrer Tochter Salome und fragt nach dem, was zwischen den Zeilen der berühmten Erzählung liegt: Wer begehrt hier wen? Wer will gesehen werden und um welchen Preis? Zwischen Salome und dem gefangenen Propheten Johannes verschieben sich Stimmen, Körper und Erinnerungen, bis Mutter und Tochter kaum noch auseinanderzuhalten sind.
Ensemblemitglieder des Schauspiel Dortmund lesern, die Regisseurin Madita Scülfort ist anwesend und gibt erste Einblicke in die Produktion. Ein Abend zum Zuhören, Mitdenken und Fragenstellen – noch vor der Premiere von Salome am 20. September im Studio.