Ballett • Uraufführung

Abstand

Ballett von Xin Peng Wang • Musik von Ólafur Arnalds, Samuel Barber, Beirut, Electric Youth, Missy Mazzoli und Giacomo Puccini

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Abstand

Unserem sozialen Leben ist eine Bremsspur eingezogen: 1,5 Meter „Abstand“ ist die neue Nähe. „In meiner Muttersprache besteht das Wort für ‚Krise‘ aus zwei Zeichen“, bekennt Dortmunds Ballettintendant. „Jedes für sich gelesen, bedeuten sie: ‚Gefahr‘ und ‚Chance‘. Wir sind in Gefahr. Wir haben eine Chance.“

Mit seiner brisanten Kreation betritt Xin Peng Wang künstlerisch neue Wege. „In den vergangenen Monaten hat mich die Frage nach unserem globalen Weltverständnis sehr beschäftigt. Ein Virus, ein mikroskopisch kleines Gebilde aus Proteinen, hat unserem Selbstverständnis einen gewaltigen Dämpfer versetzt. Unser Leben war ein hektisches und getriebenes, aber auch ein bedenkenloses. Plötzlich ist ihm Stillstand verordnet. Als würde uns die Welt sagen: ‚Mensch, besinne dich!’ Die Krise, die wir gerade erleben, fordert uns auf, unseren Umgang mit der Welt, aber auch unserer Verhältnis innerhalb einer Solidargemeinschaft neu zu überdenken und mit den Potentialen, über die wir verfügen, verantwortungsvoll umzugehen.“

Abstand ist ein Zeitballett, das Wangs unmittelbare Eindrücke gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen widerspiegelt, ein tiefenscharfes Porträt einer globalen Situation, die von der Sehnsucht nach Rückkehr zur gewohnten Normalität, zur Selbstverständlichkeit
gesellschaftlichen Lebens geprägt ist, und die doch erkennen muss: Es ist noch ein weiter und eng gesteckter Weg dorthin. Ein Nadelöhr,
durch das wir müssen. Jeder für sich. Und mehr noch: Gemeinsam!

Mit freundlicher Unterstützung von Sunhild und Christian Sutter.

Meinungen

Kritiken und Pressestimmen

Ruhr Nachrichten

„Manche Szenen sind optisch eindrucksvoll, manche grandios getanzt, einige sind humorvoll, andere sehr poetisch. Wang und seine Tänzer bieten eine kreative, bunte Mischung, und vor allem am Schluss reihen sich die Höhepunkte aneinander. (…) Und in der Szene, in der der Tanz einen Menschen auf dem Intensiv-Bett packt, berührt und bringt noch mehr zum Nachdenken – auch darüber, was Künstler zur Zeit jeden Tag riskieren, um ihre Kunst zu zeigen. (…) Am Stärksten in Erinnerung blieben die poetischen Momente. Wie im Tanz mit Abstand auf zwei Stühlen und im Pas-de-deux auf Stühlen zur Musik von Barber, der zu den schönsten der Gala-Nummern gehört. (…) Das ist die klug aufgebaute Botschaft des Tanzreigens, der am Schluss Hoffnung auf Normalität wann auch immer vermittelt.“

19. Oktober 2020
WAZ

„Wang, der sich mit Literatur-Balletten einen Namen gemacht hat, bringt nicht etwa Eins-zu-Eins Lockdown-Erlebnisse auf die Bühne, sondern entfacht einen Reigen von melancholischen, am Ende auch optimistisch ausgelassenen Tableaus. (…) Zurecht nennt Wang sein Opus ein ‚Zeitballett‘ mit dem Untertitel ‚In der Krise das Leben feiern‘, das nach der Premiere mit Bravorufen gefeiert wurde. Neben Begeisterung für die Ballett-Ästhetik spürt man bei vielen die sehnliche Hoffnung auf ein Ende der ‚Abstand‘-Regeln.“

19. Oktober 2020
TZ Hamm

„‚Abstand‘ ist aber in seinen besten Momenten mehr. Dann ist es eine Feier der Gemeinschaft, die sich aus dem gemeinsamen Überwinden auch von Widrigkeiten ergibt. In ‚Abstand‘ zeigt sich Wang schamlos optimistisch. (…) Es spricht für die Qualität von Wangs Arbeit, dass er unter Hygieneauflagen ein so dichtes Stück, voller Bewegungsfreude und Humor, geschaffen hat. (…) Wer schon gefürchtet hatte, Xin Peng Wang und sein Dramaturg Christian Baier hätten in der Pandemie ihren Sinn für Ironie verloren – nichts da. (…) Das Schöne an diesem Duett ist, dass es nicht nur das schwierige Kennenlernen in Corona-Zeiten illustriert. Es funktioniert auch als Tanz um die schwierige Aufgabe, einander verstehen zu lernen. Wenn ‚Abstand‘ es schafft, in solche Ambivalenzen vorzudringen, ist es am besten, denn dann hebt es sich über ein Krisenballett hinaus. (…) Aber das kann die Kunst eben auch: in harten Zeiten durch Gefühl Gemeinsamkeit stiften.“

19. Oktober 2020