Oper • Premiere

Die Entführung aus dem Serail

Singspiel in drei Aufzügen von Wolfgang Amadeus Mozart • In einer gekürzten Fassung von Paulus Hochgatterer und Nikolaus Habjan • Libretto von Johann Gottlieb Stephanie der Jüngere, nach Christoph Friedrich Bretzner • In deutscher Sprache

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Die Entführung aus dem Serail

Nikolaus Habjan ist ein Theatermagier – egal ob als Regisseur, Puppenspieler oder Kunstpfeifer, er verzaubert sein Publikum. Somit ist es für ihn ein Leichtes, aus der Not der Corona-bedingten Auflagen eine Tugend zu machen und mit seinem Debüt als Dortmunder Hausregisseur kurzerhand ein kleines Opern-Juwel zu präsentieren: In einer eigens dafür konzipierten Fassung bringt er Wolfgang Amadeus Mozarts beliebtes Singspiel Die Entführung aus dem Serail mit seinen liebevoll gestalteten Puppen auf die Bühne des Opernhauses. Wer dabei an klassisches Marionettentheater denkt, der irrt jedoch – Habjans Figuren sind äußerst menschlich: vielschichtig, charaktervoll, hoch artifiziell und jede einzelne ein Unikat. Unter seiner kunstvollen Führung scheinen sie zum Leben zu erwachen und entführen ihr Publikum tief hinein in die exotische Welt des Serails von Bassa Selim.

Gemeinsam mit den Sänger*innen des Opernensembles erzählen sie die abenteuerliche Geschichte um den Befreiungsversuch der schönen Konstanze: Die stolze Spanierin, ihre Zofe Blonde und deren Freund Pedrillo sind während einer Seereise einem Piratenangriff zum Opfer gefallen. Auf einem Sklavenmarkt wurden sie verkauft und gerieten so in die Fänge des Bassa Selim. Der scheint in seinem Palast ein striktes Regime zu führen, in dem die Autonomie der Frauen abgeschafft ist. Wird Konstanzes Verlobter Belmonte die Unglücklichen retten können?

Altersempfehlung: ab 8 Jahren

Gesamtbesetzung

Puppenspiel Nikolaus Habjan, Manuela Linshalm
Konstanze Irina Simmes
Blonde Sooyeon Lee
Belmonte Sungho Kim
Pedrillo Fritz Steinbacher
Osmin Denis Velev

Dortmunder Philharmoniker

Musikalische Leitung Motonori Kobayashi, Sebastian Engel
Regie Nikolaus Habjan
Kostüme Denise Heschl
Video und Bühne Jakob Brossmann
Licht Florian Franzen
Puppenbau Nikolaus Habjan, Marianne Meinl
Studienleitung Thomas Hannig
Produktionsleitung Fabian Schäfer
Regieassistenz Clara Schamp
Live-Video-Mischung / Abendspielleitung David Martinek
Videoassistenz & Live-Kamera Robert Marx
Bühnenbildassistenz Saskia Holte
Kostümassistenz Ksenia Sobotovych
Inspizienz Ulas Nagler, Alexander Becker
Videoinspizienz Adriana Naldoni

Meinungen

Kritiken und Pressestimmen

Opernwelt

„Dass weniger auch mehr sein kann, zeigte die Premiere von Mozarts ‚Entführung aus dem Serail‘ zur Saisoneröffnung am Dortmunder Opernhaus. Unter den Sängern machte Sungho Kims schwärmerischer Belmonte und Denis Velevs wendiger Osmin – beides vielversprechende junge Stimmen – mit Nachdruck auf sich aufmerksam.

Dass aus der musikalischen Not ein szenisches Ereignis wurde, verdankte sich der ästhetischen Volte des für den Abend verantwortlichen österreichischen Regisseurs und Puppenspielers Nikolaus Habjan. Aus dem Geist von Mozarts Musik zauberte er ein Figurentheater auf die Bühne, das das spärlich zugelassene Publikum magisch in Bann zog, keine Sekunde langweilte und einen selbst die absurden Umstände, denen das Ganze abgerungen war, vergessen ließ. Für Habjan ist die ‚Entführung‘ weder harmlos exotisch noch krud realistisch, sondern ein Märchenspiel um die Irrfahrten der Liebe, die von Eifersucht, Hass und Rache nicht verschont bleibt.

Was vordergründig naiv-linear wirken könnte, ist in Wahrheit ein hochkomplexes Spiel auf mehreren Ebenen, das sich erst in der Wahrnehmung des Zuschauers zu einem Ganzen fügt. Denn das reale, vor unseren Augen ablaufende Puppenspiel (Manuela Linshalm) wird von multiplen Videosequenzen weitergeführt und überlagert. Einmal, da Habjan nicht alle Puppen gleichzeitig spielen kann, durch vorproduzierte Filmclips der Marionettenfiguren; zum andern durch eine Livekamera, die verfolgt, was auf der Bühne geschieht und dabei immer wieder auch die Gesichter der nicht mit den Puppen interagierenden Sängern überlebensgroß hochwirft. Alles was wir sehen, gleicht einem Traum – ein Zauber, der sich nur schwer in Worte fassen lässt.“

29. Oktober 2020
Die Welt

„In Nordrhein-Westfalen ist man etwas besser dran. Und man hat mehr Fantasie. Zum Beispiel an der Oper Dortmund. Diese 'Entführung' ist allerdings nicht nur Covid-praktisch. Sie hat Charme und Finesse. Das Theater Dortmund hatte, so lange ist das her, am 13. März 2020 mit der lediglich Kritikern offenen, als zweite Generalprobe deklarierten Premiere von Peter Konwitschnys Inszenierung der Auber-Grand-Opéra 'Die Stumme von Portici' die wirklich allerletzte spektakuläre Live-Premiere mitten im deutschen Corona-Lockdown gewuppt. (...)

Puppen haben kein Gewissen und keine Furcht. Sie sind naiv. Nikolaus Habjan und sein Co-Autor Paulus Hochgatterer machen sich dieses Prinzip so wissend wie wach zunutze. Im Orchestergraben tönen engagiert und gefasst ganze zehn Musiker unter Motonori Kobayashi (er war, wie auch der Belmonte Sungho Kim, schon bei der merk- wie denkwürdigen 'Muette' dabei), dünn, tapfer, aber auch konzentriert, auf das Mozart-Wesentliche beschränkt. (...) Nikolaus Habjan rafft Handlung, konzentriert sich auf Gefühle. Und lässt Mozarts Musik als optimales Charakterisierungswerkzeug doch erstaunlich viel Raum. Die Puppen sind traditionell gekleidet, er braucht keine Aktualisierung, keine Infragestellung vorgeblicher Orientalismus-Klischees und kritische Kolonialismus-Narrative. Die Figuren schert das nicht, die Kinderperspektive stellt ganz andere Fragen nach Gut und Böse, nach Treue, dem blind wütenden Osmin. All die gerade bei diesem so geradlinigen und doch heute so komplexen Stück oftmals nur verlegenen Regietheater-Rettungsversuche – sie fehlen mozartgottlob.“

06. September 2020
Oper!

„Die Idee, nicht nur einen Querschnitt durch die Oper zu zeigen, wie es viele andere Opernhäuser in diesen Tagen machen, weist allerdings in die richtige Richtung, denn so können unaufdringlich verschiedene Ebenen in das Werk miteinbezogen werden. (...)
Vor allem aber funktioniert das, weil Habjan seine Puppen so virtuos führt, dass der Zuschauer sie in kürzester Zeit als autonome Wesen akzeptiert, auch wenn stets sichtbar bleibt, dass sie von einem einzigen Menschen gespielt werden. 
Vor allem Irina Simmes gelingt es als Konstanze mühelos, die Melancholie ihrer Rolle nachzuzeichnen. Die Stimme blüht auf, zeichnet in 'Ach ich liebte, war so glücklich' feine Linien und verharrt in Momenten des leisen Schmerzes über das entglittene Glück. Kraft und Entschlossenheit wechseln in 'Martern aller Arten' ab mit Momenten der Irritation über die selbst eingeredete Stärke, alles mit akkurat gesetzten Koloraturen, die stets emotional aufgeladen sind und nicht nur aus hart gestanzten Tönen bestehen.
Die Blonde von Sooyeon Lee fügt charmante Koketterie hinzu, wenn sie Osmins Werben zurückweist, und Fritz Steinbacher ist ein Pedrillo mit Verschlagenheit und charaktervoller Gewandtheit. Eine Freude ist auch Sungho Kims Belmonte, der seine leicht angesetzte Höhe mit einer Freude am Gesang verbindet, die der Siegesgewissheit des zuversichtlichen Liebhabers ideal entspricht.“

14. Oktober 2020
Ruhr Nachrichten

„Die Oper Dortmund hat aus der Corona-Not das Beste gemacht und Mozarts Singspiel in einer 80-minütigen, pausenlosen Kammermusikfassung herausgebracht. Gespielt wird die Geschichte von Puppen; die sechs Solisten leihen ihnen im Hintergrund – mit Abstand – ihr Stimmen. Es ist ein Kompromiss – sicher. Aber so kann es gehen während der Pandemie. Und im Dortmunder Opernhaus, das nur mit knapp 300 Zuschauern besetzt ist, fühlt man sich wirklich sehr sicher. (...) Wer die Oper vermisst hat, bekommt mit dieser  Entführung das, was derzeit möglich ist. Kreativ umgesetzt, toll gesungen und gespielt.“

07. September 2020
Die Deutsche Bühne

„Aus dem Orchestergraben heraus wird (stellenweise) abgefilmt, sodass die vor Sehnsucht überquellenden Puppenaugen des Belmonte oder die tumbe Hässlichkeit des dicken Osmin nebst ausdrucksstarker Puppengesten im Videoscreen über die ganze Bühnenbreite zu sehen sind, etwa Osmins 'Ich hab auch Verstand' mit opernparodierendem, überdeutlichem Handschlag gegen Herz und Stirn. Urkomisch! (...)Aus dem Solistenensemble begeistern vor allem die beiden südkoreanischen Ensemble-Neuzugänge Sooyeon Lee (mit federleicht intoniertem Sopran als Blonde) und Sungho Kim (Belmonte), dazu mit vertrautem Koloratur-Schmelz Irina Simmes als Konstanze sowie Fritz Steinbacher (Pedrillo) und Denis Velev (Osmin).“

04. September 2020
WAZ

„Unter einem orientalischen, von Jakob Brossmann fantasievoll gestalteten, Baldachin erzählt Habjan seinem kindlichen Kompagnon die Abenteuer Belmontes wie ein Märchen aus 1001 Nacht. (...) liebevoll ausgeführt und hat durchaus Charme.“

07. September 2020
Das Opernglas

„Mit Mozarts 'Entführung aus dem Serail' hat der neue Hausregisseur der Oper Dortmund, Nikolaus Habjan, eine interessante Inszenierung auf die Bühne gebracht, eine Mélange sozusagen aus konzertanter Aufführung, halbszenischer Darstellung, Puppentheater und Videoinstallation. (…) Die auf ein Ensemble von zehn Musikerinnen und Musikern zusammengeschrumpften Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Motonori Kobayashi musizieren filigran und präzise. Insgesamt ein recht amüsanter Abend, der von viel Einfallsreichtum zeugt.“

14. Oktober 2020

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